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Livi Michael: Die flüsternde Straße, Hamburg: Carlsen Verlag 2008, 512 Seiten, ISBN 978-3-551-35692-5, EUR 6,95.
gelesen von Miriam Luxenhofer, 11. Klasse
Gymnasium bei St. Anna, Augsburg
lesepunkte: ●●○○○

„England auf dem Höhepunkt der industriellen Revolution. Die Geschwister Joe und Annie fliehen vor der Grausamkeit im Waisenhaus. Von jetzt an sind sie ganz auf sich allein gestellt. Doch Joe empfindet seine kleine Schwester schon bald als Last. Denn: Annie sieht die Toten und kann sogar mit ihnen sprechen. Als sie auf eine Schaustellertruppe stoßen, nutzt Joe seine Chance – und lässt Annie dort zurück. Endlich frei! Doch die ersehnte Freiheit hält nicht das, was sie verspricht…“ (Klappentext).
Von einem Armenhaus werden die Waisen Joe und Annie an einen Bauern abgegeben, der sie ausnützt und schlägt. Als die beiden versuchen zu fliehen, werden sie gerade noch rechtzeitig von Travis, einem Landstreicher, aus dem Fluss gezogen und vor dem sicheren Ertrinken gerettet. Travis erzählt den beiden von seiner Liebe zur Straße und der eigenen Freiheit und wird zu Joes Vorbild. Dieser möchte genau wie Travis ohne jede Verpflichtung, nur auf sich allein gestellt, durch die Länder ziehen und von nichts festgehalten werden. Die zwei Kinder ziehen mit Travis zusammen los, der sie jedoch schnell, sehr zum Leidwesen der Geschwister, verlässt.
Auf der Suche nach ihrer Mutter verschlägt es Joe und Annie in einen Wald in dem sie schon bald auf ein Rudel Wölfe treffen, das sie zu ihrem Leitwolf bringt – der Hundfrau - die den Legenden nach früher einmal ein Engel war und nun ein Dasein auf der Erde fristet, halb Mensch halb Hund. Die Kinder entkommen dem Rudel und ihrer Anführerin, doch ihre Situation verbessert sich nicht, bis sie schließlich in einem Wanderzirkus aufgenommen werden. Doch Joe, der sich seit seiner Begegnung mit Travis eingesperrt fühlt von der Verpflichtung, auf seine kleine Schwester aufzupassen, gerät immer mehr in Verzweiflung, als alle Mitglieder des Zirkus völlig begeistert von seiner Schwester und ihren Talenten sind, ihm allerdings keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Deshalb lässt er schließlich seine Schwester zurück und versucht sich von nun an alleine durchzuschlagen. So lernt er die tiefsten Abgründe Manchesters dieser Zeit kennen und schließt sich Gaunergruppen an. Sein weiterer Werdegang soll hier nicht verraten werden.
Während die erste Hälfte des Buches sehr langsam und schleppend vorangeht und dazu verleitet, das Buch wegzulegen und einfach zu vergessen, ist das Ende etwas besser und spannender. Allerdings erinnert Joes Aufenthalt in Manchester doch etwas zu sehr an die bekannte Geschichte von Oliver Twist und seine Erlebnisse in London. Vergleichbar sind die Räuberbande, der er sich anschließt, und ein großzügiger reicher Mann, der den kranken Jungen von der Straße aufliest und ihn gesund pflegt. Auch das Happy End birgt leider keine besonders großen Überraschungen. Alles in allem muss man dieses Buch nicht gelesen haben, wobei es für jüngere Leser von ca. 10-13 Jahren sicher etwas spannender ist als für ältere, da doch noch etwas Magie zu der Geschichte von Oliver Twist gemischt wurde. Interessant ist es vor allem wegen der beschriebenen historischen Hintergründe. Durch die Untergrundzeitschrift, für die Joe zeitweise arbeitet, lernt man die Probleme der Armen in der Zeit der industriellen Revolution kennen, die besonders bei Joes Aufenthalt im Haus des reichen Mr. Mosley herausgearbeitet werden.
(Betreut von Dr. Claudia Weiser)
Empfohlene Zitierweise
Michael Livi Die flüsternde Straße, in: historicum.net, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/8249/
Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.
Erstellt: 19.05.2010
Zuletzt geändert: 19.05.2010




