Neal und Jarrod Shusterman: Dry.

Lesepunkte: 4 Punkte
AutorIn: Neal und Jarrod Shusterman
Titel: Dry. Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr
Verlag: Fischer Sauerländer, 2019 ISBN: 978-3-7373-5638-1
Seiten: 448 Preis: 15,00 Euro
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Rezensiert von: Leif-Eric Enzmann, 9. Klasse [Max-Planck-Gymnasium Lahr; betreut von Aïsha Hellberg]

Alyssa und ihre Familie sind definitiv keine „Prepper“, d.h. keine sich auf den endgültigen Weltuntergang vorbereitende, fast schon zu rationale, menschliche Wesen. Aber dass es so schlimm kommt, hätten selbst sie nicht gedacht: keinerlei Wasser aus keinerlei Hähnen, Duschköpfen, Düsen oder sonst etwas.

Der Roman „DRY“ spielt im kalifornischen Hochsommer und da dort bis vor einigen Jahren in der Tat einige sehr dürre Monate Einzug gehalten haben, erscheint die Grundidee des Buches logisch und nachvollziehbar angelegt. Doch dass irgendwelche Leute erwarten, ihnen würde von den Nachbarstaaten einfach der Hahn abgedreht und die Regierung (Trump wird namentlich nicht erwähnt) käme nicht auf die Idee, in Arizona oder Nevada Stauseen zu öffnen, wirkt dann doch einigermaßen konstruiert.

Nachdem Alyssa und Garrett (der kleinen Bruder des anfänglichen Hauptcharakters) ihre Eltern vermeintlich bei der Wassersuche verloren haben, lassen sie sich zu Beginn eher unfreiwillig von dem „Prepper-Nachbarskind“ helfen. Dieser Junge, Kelton, nutzt jede Gelegenheit, um der gleichaltrigen Alyssa näher zu kommen, gerät jedoch etwas unter die Räder, nachdem sich zwei weitere Personen der Reisegesellschaft anschließen. Ihr Ziel: der Fluchtbunker von Keltons Familie. Doch bis dieser dann am Ende doch noch – unnötigerweise – erreicht wird, haben sich die fünf Freunde 2.0 einigen keineswegs konstruierten Gefahren zu stellen. Überhaupt regt das Buch zum Nachdenken über das eigene Verhalten in solch einer oder einer ähnlichen Situation an. Dass jedoch ein 12-jähriger „Nicht-Prepper“ so wirtschaftlich denkt, wie wir es als LeserInnen aus seiner Perspektive erfahren dürfen, hat mich persönlich staunen lassen, Jedoch auch ohne die gut zu unterscheidenden Perspektivwechseln würde das Buch spannend von der ersten bis zur letzten Minute sein. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass immer, wenn man denkt, man hätte mit Alyssa & Co die letzte Etappe vor dem eigentlichen Ziel geschafft, eine noch strapaziösere Hürde überwunden werden muss. Hierbei hat Garrett fast die besten Einfälle und kommt leider mit nur einem Perspektivwechsel doch zu kurz. Wobei auch Alyssa dezent in den Hintergrund rückt, je mehr Mitglieder die Truppe im Lauf ihrer Reise bekommt. Obwohl Alyssa diejenige ist, die aufgrund ihrer hohen Sozialkompetenz und dem wohl größten Herz, über eine lange Zeit die Führungsrolle innehat.

Durch eingestreute sogenannte „Snapshots“ wird die Krise außerhalb der fünf Hauptfiguren geschildert, wobei man doch eigentlich immer nur mit eben den Hauptfiguren weiter voranschreiten möchte. Paradox also nur, dass es schlussendlich die „Prepper“ mit am härtesten trifft! Warum?
Lest und erfahrt es selbst!

Die beiden Shustermans haben ein in komplett nachvollziehbarer Verbalisierung rundum top Gesamtpaket geschrieben. Auch, wenn das eigentlich so aktuelle Thema an der ein oder anderen Stelle schon fast zu dramatisch erzählt wird, kann ich das Buch weiterempfehlen. Alles in allem vergebe ich  4 von 5 Lesepunkten.

Empfohlene Zitierweise

Leif-Eric Enzmann, Rezension von: Neal und Jarrod Shusterman: Dry. In: LESEPUNKTE 2020, https://www.lesepunkte.de/rezensionen/neal-und-jarrod-shusterman-dry
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