Christian Linker: Wenn die Welt unsere wäre

Lesepunkte: 4 Punkte
AutorIn: Christian Linker
Titel: Wenn die Welt unsere wäre
Verlag: dtv ISBN: 978-3-423-74126-2
Seiten: 352 Preis: 16€
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Rezensiert von: Nicole Romfaias, 9. Klasse [Alexander-von-Humboldt-Schule, betreut von Anke Paul]

Der Roman "Wenn die Welt unsere wäre" von Christian Linker verbindet die Genres "historischer Roman", "Coming-of-Age" und "Thriller" miteinander. Er erschien 2025 im dtv-Verlag.

Es gibt drei Erzählstränge, in denen sich drei Jugendliche um ihre Freiheit und ihren Platz in der Gesellschaft bemühen. Harry kämpft sich in der Nachkriegszeit durch die Ruinen Deutschlands. Als ehemaliger Teil der Hitlerjugend und Soldat muss er sich von der NS-Ideologie befreien. Der zweite Teil spielt in den Jahren 1988 bis 1991 in der DDR. Jenny gibt ihren Traum von einer erfolgreichen Sportkarriere auf, um ihren Onkel, einen Major der Stasi, bei der Bespitzelung einer kirchlichen Friedensgruppe zu unterstützen. Durch die persönlichen Begegnungen mit den ‚Verrätern des Kommunismus‘ kommen ihr jedoch Zweifel an ihrem Vorhaben. Der letzte Erzählstrang spielt in der heutigen Zeit. Nadiem ist Slam-Poet und steht bei seinem ersten großen Auftritt einem aggressiven rechten Mob gegenüber. Wegen seiner Herkunft erfährt er Vorurteile und Hass. Doch er hat Freunde, Familie und ein Umfeld, das ihn unterstützt und dabei den Rassismus bekämpft.

Alle Figuren verbindet nicht nur ein familiäres Geflecht, sondern der Wunsch nach Freiheit, Selbstentfaltung und der Kampf gegen Rechts. Es ist sehr gelungen, wie die Erfahrung mit radikalen Gruppen unterschiedlich, akkurat und persönlich und in drei verschiedenen Zeiten dargestellt wurde. Der historische Kontext ist sehr gut wiedergegeben und man merkt in allen beschriebenen Epochen, dass Christian Linker intensiv recherchiert hat. Die Handlungsstränge fühlen sich authentisch an; Redeweise, Umgebung und Charaktere wurden mit einer immensen Präzision dargestellt.

Zudem ist die beschriebene Handlung sehr spannend, auch in den ‚Leerlaufphasen‘. Die Interaktionen zwischen den Personen sowie deren Gedanken und Gefühle lassen die Handlung mühelos vorangehen.

Die Figuren verkörpern die zentrale Aussage des Autors. Die Figur des Harry zeigt exemplarisch den Umbruch und die Verwirrung vieler junger Menschen nach 1945. Jenny repräsentiert den Kampf junger Menschen gegen die DDR-Regierung und das Streben nach neuen Chancen im Westen. Nadiem kämpft gegen den in Deutschland allgegenwärtigen Rassismus und herrschende Vorurteile.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass auch Stereotypen auftauchen. Die ‚Rechten‘ vertreten ihre Ansichten nicht nur auf dümmliche Weise, die nur aus Hass besteht, sondern mit voller Überzeugung, wie man auch andere politische Sichtweisen vertreten könnte. Dies wirkt manchmal etwas weit hergeholt und lächerlich. Auch die Nebencharaktere und deren Handlungen scheinen oftmals etwas unlogisch und voreilig.

Deshalb gebe ich dem Buch, das ich trotz der Kritik sehr empfehlenswert finde, 4 von 5 LESEPUNKTEN.

Empfohlene Zitierweise

Rezension von: Nicole Romfaias: Christian Linker "Wenn die Welt unsere wäre". In Lesepunkte 2026, https://www.lesepunkte.de/rezensionen/christian-linker-wenn-die-welt-unsere-waere/
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