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Joan Dash: Die Jagd nach dem Längengrad, München: cbt 2007, 192 Seiten, ISBN 978-3-570-30389-4, EUR 5,95.
gelesen von Andreas Henrichs, 10. Klasse
Martin-von-Cochem-Gymnasium, Cochem
lesepunkte: ●●●○○

Die Geschichte spielt größtenteils in Großbritannien im 18. Jahrhundert. Die vorhandenen Seekarten sind ungenau. Es gibt keine verlässliche Methode, um auf See den Längengrad zu ermitteln und damit die genaue Position eines Schiffes zu bestimmen. Dies ist die Ursache für viele Schiffsunglücke, Navigieren ist da reine Glückssache. Der Verlust von vier Kriegsschiffen und mindestens 800 ertrunkene Seeleute vor der Küste Großbritanniens im Jahre 1707 führt dazu, dass 1714 auch das britische Parlament einen Preis (nach heutigen Maßstäben 12 Millionen EURO) aussetzt für jede auf See erprobte Methode zur Längengradbestimmung. Die Längengradkommision aus Marineoffizieren, Politikern und Wissenschaftlern soll alle eingehenden Vorschläge überprüfen und über das Preisgeld entscheiden. Führende Wissenschaftler wie Sir Isaac Newton und der Astronom Edmond Halley bemühen sich um eine Lösung. Auch der 300 km von London entfernt lebende Zimmermann John Harrison, der seine Freizeit mit dem Entwerfen und Bauen von Uhren verbringt, erfährt vom Längengradpreis.
Er, der das komplizierte Handwerk des Uhrmachers nie gelernt hat, beginnt – unterstützt von seinem Bruder James – mit der Entwicklung einer schiffstauglichen Pendeluhr. Die Uhr soll in einem Monat höchstens eine Sekunde falsch gehen. Das ist in der damaligen Zeit nahezu unmöglich. Um mit seiner umstrittenen Methode den Preis gewinnen zu können, muss die Uhr auch auf See die Zeit genau messen, trotz Wind, Wetter und Schiffsbewegungen. Zu den Bedingungen für die Preisvergabe gehört die Erprobung auf einer ca. 6-wöchigen Reise zu den westindischen Inseln. Die geographische Lage des Zielhafens soll bis auf eine Abweichung von einem halben Längengrad, was etwa zwei Zeitminuten entspricht, angegeben werden können. 1730 macht sich John Harrison mit einem 22 Seiten langen Manuskript, in dem er seine gesamten letzten Arbeiten darstellt, auf den Weg nach London, um seine Vorschläge zum Bau einer schiffstauglichen Uhr zu unterbreiten und einen Kredit oder Zuschuss zum Bau derselben zu erhalten.
Mit finanzieller Unterstützung baut er die H-1, die 1736 inoffiziell auf See erprobt wird. Er baut die H-2, die nie erprobt wird, ebenso die H-3 und arbeitet unermüdlich trotz finanzieller Probleme weiter an der Verbesserung seiner Uhren. Inzwischen unterstützt ihn sein Sohn William, nachdem James sich nicht mehr beteiligt. 1761 wird die H-4 auf einer Seereise nach Jamaica erprobt. Zur gleichen Zeit werden die Mondtabellen seines Konkurrenten Tobias Mayer auf See getestet.....
Die Geschichte beruht auf einer wahren historischen Begebenheit. Sie wird aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers erzählt, der manchmal auch die Quellen seines Wissens zitiert. In Form von Rückblenden werden Einzelheiten zum Leben und Charakter der Hauptperson erläutert. Das historische Umfeld wird nicht allzu ausführlich dargestellt, sondern nur die für die Handlung relevanten Ereignisse werden erwähnt.
Jedes neue Kapitel des Buches beginnt mit einer Illustration. Im Nachtrag des Buches wird die Bedeutung der Erfindungen Harrisons herausgestellt und ein Ausblick auf die technischen Entwicklungen bis heute gegeben. Das Buch enthält ein Stichwortverzeichnis, das hilfreich sein kann, wenn man bestimmte Stellen zu einem späteren Zeitpunkt nochmals lesen möchte und ein Literaturverzeichnis. Die wichtigsten Ereignisse sind mit Jahreszahl in einer Zeittafel zusammengefasst.
Für die Lesbarkeit förderlich ist das Glossar, in dem die vielen Fachbegriffe erläutert werden. Die vielen technischen Details erinnern teilweise stark an ein Sachbuch. Aufgrund dieser technischen Details ist das Buch manchmal schwer verständlich. Man muss sich sehr konzentrieren. Auf manche Einzelheiten wird zu genau eingegangen, sodass man nur schwer zur eigentlichen Handlung zurückfindet. Auch die Rückblenden erschweren stellenweise die Lesbarkeit. Alles in allem ist es interessant zu lesen, jedoch sollte beim Leser Interesse an Technik vorhanden sein.
Das Buch ist spannend, weil man erfahren möchte, ob John Harrison den Längengradpreis gewinnt oder nicht. Jedoch kann man dies nicht mit der Spannung in einem Krimi vergleichen.
Es handelt sich meiner Meinung nach um ein gutes Buch, dass ich weiterempfehlen kann, denn es ist interessant, spannend und liefert zudem viele genaue technische Informationen rund um den Längengrad. Man sollte jedoch das Thema, die Längengradbestimmung, interessant finden, weil es ein sehr spezielles Buch ist.
(Betreut von Oliver Simon)
Empfohlene Zitierweise
Joan Dash: Die Jagd nach dem Längengrad, München: cbt 2007, 192 Seiten, ISBN 978-3-570-30389-4, EUR 5,95, gelesen von Andreas Henrichs. lesepunkte 3 (2008), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5663/
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Erstellt: 05.02.2008
Zuletzt geändert: 05.02.2008




