lesepunkte.de
Direktlink für Screenreader:Themen-Navigation|Text

Astrid Frank: Das Pferd des Teufels, Stuttgart: Thienemann Verlag 2008, 288 Seiten, ISBN 978-3-522-17883-9, EUR 13,90.
gelesen von Annina Lux, 10. Klasse
Katharinen-Gymnasium Ingolstadt
lesepunkte: ●●●●○

Köln zur Zeit der Hexen- und Tierprozesse am Ende des Mittelalters: Die 15-jährige Anna Meutin ist arm, aber stolze Besitzerin des außergewöhnlichen schwarzen Hengstes Christopherus. Als dieser jedoch auf dem Marktplatz einen Marktaufseher tritt, wird er als „Pferd des Teufels“ angeklagt und soll getötet werden. Da er aber sowohl Annas bester Freund ist, als auch als Zug- und Arbeitstier die einzige Überlebenschance für sie und ihre Großmutter, der einzigen lebenden Verwandten, darstellt, will Anna den Hengst mit allen Mitteln vor dem Tod bewahren.
Gemeinsam mit ihrem Freund Daniel, Sohn eines reichen Kaufmannes, gelingt es ihr, bei dem ersten Prozess eine Frist auszuhandeln, um Christopherus' Unschuld zu beweisen. Dabei gerät sie allerdings selbst in Verdacht, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Sie wird als Hexe verdächtigt und verfolgt. Wegen der tiefen Gefühle, die Daniel für sie entwickelt, gerät auch er, der von seinem Vater bereits verlobt wurde, ins Visier der Richter und Bürger. Als Daniels Vater von der verbotenen Liebe der beiden erfährt, sagt er Anna trotz seines Zornes seine Unterstützung in dem Prozess zu, um seinen Sohn vor etwaiger Schande zu bewahren. Christopherus allerdings wird von Tag zu Tag mehr von einer Krankheit und den Folterungen der Richter geschwächt und die Frist endet bald. Auch Daniels Vater verlangt einen sehr hohen Preis für seine Hilfe…
Das 277 Seiten lange Buch ist in einzelne Kapitel untergliedert, die jeweils circa 20 Seiten umfassen. An jedem Kapitelanfang steht ein Text- oder Bibelzitat zu den jeweiligen Ereignissen. Die Schrift ist gut lesbar und nicht zu klein. Im Anhang befindet sich ein Glossar, in dem die verwendeten mittelalterlichen Begriffe und Orte erklärt werden. Die Handlung des Romans ist zwar frei erfunden, beruht jedoch auf historischen Tatsachen, die hier ebenfalls erläutert werden. Außerdem ist im Anhang ein Nachwort der Autorin zu finden, in dem Astrid Frank unter anderem über Tierprozesse im 21. Jahrhundert berichtet. Des Weiteren kann man dort Quellen und Literaturhinweise sowie Internetadressen nachschlagen.
Das Buch lässt sich sehr schnell und gut lesen und vermittelt dem Leser auf einfache Art und Weise Informationen über ein wenig bekanntes Thema. Dabei werden historische Aspekte zwar sehr gut aufgegriffen, der Roman weist allerdings keine besonderen Höhepunkte auf. Die Autorin verwendet mittelalterliche Begriffe und Fachwörter, die allerdings etwas willkürlich in den neusprachlichen Text eingebaut sind und sich daher oft nicht sehr gut in diesen einfügen. Dafür gelingt es Astrid Frank aber, ein sehr lebhaftes Bild ihrer Figuren zu zeichnen, die aber etwas einseitig geprägt sind.
Teilweise ist die Handlung unrealistisch, aber historisch stets sehr gut recherchiert. Leider gibt es zu dem Thema Tierprozesse wenige Quellen, was „Das Pferd des Teufels“ so besonders, aber auch schwer vergleichbar macht.
Fazit: „Das Pferd des Teufels“ ist ein einfach zu lesender und leicht zu verstehender Roman über ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. Figuren und Handlung werden von Astrid Frank plastisch dargestellt. Gleichzeitig gelingt es ihr, historische Informationen lebendig in die Ereignisse einfließen zu lassen. Für die Altersklasse 10-13 Jahren ist das Buch sicher sehr lesenswert. Auch geschichtlich Interessierte können ihre Freude daran haben, da es in anderen Jugendromanen leider zu Tierprozessen wenige Informationen gibt. Für ältere, nicht unbedingt historisch interessierte Leser ist das Buch aber wenig geeignet. Wer jedoch die Lektüre von „Roter Blitz“ und „Fliegen wie Pegasus“ von Astrid Frank genossen hat, kann sich auch über dieses Buch freuen, da die Autorin den Schreibstil beibehält. Insgesamt erhält das Buch von mir für die Altersgruppe 10-13 Jahren 4 Lesepunkte.
(Betreut von Dr. Matthias Schickel)
Empfohlene Zitierweise
Astrid Frank: Das Pferd des Teufels, Stuttgart: Thienemann Verlag 2008, 288 Seiten, ISBN 978-3-522-17883-9, EUR 13,90, gelesen von Annina Lux. lesepunkte 4 (2009), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6919/
Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.
Erstellt: 14.04.2009
Zuletzt geändert: 14.04.2009




