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Traditionen der Moderne 

 

Haus der Kunst, München, 17. September 2010 bis 9. Januar 2011
gesehen von Helena Höller und Carlotta Linden, 11. Klasse
Wittelsbacher Gymnasium München

 


Homepage Haus der Kunst

Was erwarten Sie von einer Kunstausstellung über Tradition und Zukunft? Van Gogh und da Vinci neben Ramos und Rauch? Diesen Künstlern werden Sie in der neuen Ausstellung im Haus der Kunst wohl eher nicht begegnen. Denn die Ausstellung „Zukunft der Tradition - Tradition der Zukunft. 100 Jahre nach der Ausstellung 'Meisterwerke muhammedanischer Kunst in München'“ handelt von islamischer Kunst.

Den Einführungsbereich übersieht man beinahe, erinnert er doch stark an eine Kinderabstellecke für museumsbegeisterte Eltern. Tatsächlich soll die Sammlung von Büchern und Zeitschriften zum Thema Islam wohl vorab einen Überblick verschaffen. Die meisten Texte sind leider auf Französisch, Englisch oder Arabisch und auch dem Video, das nebenbei läuft, können viele deutsche Besucher sowohl sprachlich als auch inhaltlich wenig folgen, da es keinen genauen Anfang hat und in sehr schnellem Englisch gesprochen wird. Stattdessen wird man gleich darauf mit zwei weiteren Filmen konfrontiert, von denen einer sogar mehr einem dramatischen Kriegsbericht gleicht. Dieser erste Eindruck weckt nicht unbedingt die Lust auf den Hauptteil der Ausstellung. Zunächst kommt man noch an einem Raum vorbei, der über eine ähnliche Ausstellung informiert, die vor genau 100 Jahren auf dem Oktoberfest stattgefunden hat und nun wiederholt wird. Der Bierkrug an der Wand ist dann - wenn auch bestimmt von großer historischer Bedeutung - doch etwas zu viel des Guten. 

Endlich entschädigt der zentrale Raum der Ausstellung den Besucher. Wunderschöne, mit arabischen Zeichen bemalte Stoffbahnen hängen von der hohen Decke und entführen in den Orient. Abgetrennt von schwarzen, wollenen Vorhängen stehen beeindruckende alte islamische Kunstschätze wie bunte Teppiche, Schwerter und Mosaikschüsseln modernen Kunstwerken aus dem nahen Osten gegenüber, ohne dabei fehl am Platz zu wirken. Besonders originell ist z.B. eine Figur aus sich ineinander drehenden Kreisen, die mit kleinen Spiegelscherben gespickt sind. Spätestens hier hat jeder den Titel der Ausstellung verstanden. 

Noch spannender wird es in den angrenzenden Räumen: Hier entdeckt man eine mit mysteriösen Schriftzeichen verhängte Wand, das Modell einer zerstörten Stadt und einen arabischen Zeichentrickfilm mit einer kleinen roten Kugel in der Hauptrolle. Allerdings versteht man den Großteil dieser Kunstwerke aufgrund mangelnder Islam-Kenntnisse ebenso wenig, wobei die Stimmlage und die recht eindeutige Handlung der roten Kugel auf einen Kinderfilm hindeutet. 

Auch ein anderer Film, gänzlich ohne Text mit dem Namen „zerbrochene Träume“, der eine Frau zeigt, die Scherben in Schüsseln umfüllt, macht auch auf den moralischen Hintergrund der Ausstellung aufmerksam. Hierbei geht es nicht nur um Kunst aus dem Islam, sondern auch um Lebensverhältnisse und Alltag der islamischen Gesellschaft.  

Manche Ausstellungsstücke jedoch sind mit dem Namen der Ausstellung eher schwerer in Verbindung zu bringen. Das Modell einer Eisenbahn, die immer wieder auf einer Insel ihre Runden dreht, die in einem fast gänzlich leeren Raum steht, bleibt unverständlich. Auch ist man sich manchmal nicht sicher, ob es sich nun um eine Kunstausstellung oder um eine Gewerbemesse handelt.

Obwohl der Eingangsbereich mangelhaft gestaltet ist und sich so mancher Besucher an vielen Stellen wohl mehr Informationen gewünscht hätte, überzeugt “Zukunft der Tradition - Tradition der Zukunft“ mit bezaubernden, überraschenden, manchmal sogar begeisternden Kunstwerken. 

Einen weiteren Vorteil hat der Besuch der Ausstellung auch noch: er hilft, den Islam, fern von Schlagzeilen über Selbstmordattentäter und Kopftuchdebatten, zumindest kurzzeitig in einem anderen Licht zu sehen. 

(Betreut von Christoph Hessel) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Traditionen der Moderne. Ausstellungsbesprechung von Helena Höller und Charlotta Linden. lesepunkte 6 (2011), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/8423/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 26.01.2011

Zuletzt geändert: 26.01.2011

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