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ROBERT RAUSCHENBERG AUF "REISEN"
Haus der Kunst, München 9. Mai bis 14. September 2008
gesehen von Elisabeth Ma, Lene Weisner, Philipp Graf, Peter Hackberger, 12. Klasse
Wittelsbacher Gymnasium München
Jetzt ist der Pop-Artist der ersten Stunde kurz nach Ausstellungsbeginn gestorben, was diese Präsentation einer bisher kaum gezeigten Periode in seinem Schaffen als die letzte, die er noch mitgestaltet hat, enorm aufwertet: Von 1970-76 reichen die gezeigten Reiseeindrücke, also aus einer Zeit, in der Pop in seinem Ursprungsland fast schon wieder passé war, sich Minimalismus, Land Art und Arte povera auf dem Vormarsch befanden.
Wer in dieser Ausstellung also den POP-Rauschenberg erwartet, der wird enttäuscht. Und so erging es uns. Keine "Combine-Paintings", mit Siebdrucken überdruckte und bemalte Matratzen, keine ausgestopften Ziegen über action-painting nebst Lastwagenreifen. Stattdessen Pappschachtel-Reliefe und Karton-Assemblagen. Fast in jeder Arbeit das Ausreizen von Formkontrasten wie konstruktiv-organisch, Verdecken und Entleeren (Schachteln!), auch viel Gaze in leichtem Luftzug; davor zwei ready mades aus dem Zelt eines Flower-Power-Jünglings: Kerzenständer aus PKW-Federbeinen. Mancher mag das lustig finden, ironisch gemeint ist es kaum. Es wirkt eher wie der verzweifelte Versuch eines langsam ins Abseits geratenden Pop-Stars Anschluss zu halten an die Trends. Von diesen ist immer etwas mit untergemischt: Vor die sandbeklebten Kartonagen wird ein Eimer voller Sand gestellt, fehlt eigentlich nur noch ein Foto des Eimers - aber das ist dann in einer anderen Arbeit integriert. Da war uns der junge Rauschenberg eindeutig lieber.Wir besuchen deshalb noch schnell die "Parrworld" (7.5.-17.8.) im selben Haus; leider kostet der Besuch extra. Hier ist vor allem die Kuriosa- und Fotosammlung des ehemaligen Magnumfotografen ausgestellt. Ein Saal zeigt seine eigenen großformatigen quietschbunten Dokumentationen des britischen Arbeitermilieus. Relativ harmlos bis auf wenige Beispiele. In der bis in die Jetztzeit reichenden Sammlung gibt es kräftigere Kost. Und gelacht werden darf hier trotzdem.
(Betreut von Christoph Hessel)
Empfohlene Zitierweise
Robert Rauschenberg auf "Reisen", Haus der Kunst, München 9. Mai bis 14. September 2008, gesehen von Elisabeth Ma, Lene Weisner, Philipp Graf, Peter Hackberger. lesepunkte 3 (2008), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6074/
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Erstellt: 22.08.2008
Zuletzt geändert: 22.08.2008
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