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Orgien und bissige Titanen in der Kunsthalle 

 

Hypo-Kunsthalle, München, 17. September 2010 bis 09. Januar 2011
gesehen von
Johanna Kuss und Anna Lederer, 11. Klasse
Wittelsbacher Gymnasium München

 


Homepage Hypo-Kunsthalle

Religiöse Gemälde, Porträts, Naturgemälde, Genremalerei, Symbolismus, Neoimpressionismus und Moderne auf einen Schlag! Wer hat da noch den Durchblick?! All dies hat unser neutrales Nachbarland hervorgebracht... Alles andere als neutral bewerten wir jedoch die Ausstellung "…  Giacometti, Hodler, Klee ... Höhepunkte der Schweiz aus sieben Jahrhunderten" in der Hypokunsthalle in München! Begrüßt wird man von einer aggressiven Wilhelm-Tell-Skulptur (der Schweizer in Person), die mit einer Waffe auf einen zuzurennen scheint. Ach du Schreck! Diesen Schock muss man erst einmal verdauen, also kam das Werk "Eindrücke Verdauen" von Pippilotti Rist, gut zum Wirken.

Einen krassen Kontrast bildet allerdings das gegenüber stehende mittelalterliche Altarbild. Nach glotzenden Fischen und Menschen endlich ein Lichtblick: lichtdurchlässige Naturgemälde! Eine Reihe romantischer Gemälde, deckend gemalt auf Transparentpapier, ergeben von hinten angeleuchtet ein fantastisches Bild. Da hört es aber auch schon auf mit der guten Kuratierung. Denn darauf folgen gefühlte Billionen von Porträts und Szenen aus dem Alltag, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen. In den nächsten Raum lockt einen eine Abscheulichkeit von Arielle, die zwei Titanen bei deren Lieblingsspiel „Wessen Zahnprothese hält länger?!" unbeteiligt zusieht. 

Der einzige der den Kuratoren platzwürdig genug schien, ist Hodler, der in diesem Fall von seinen übergroßen Bildern profitiert. Hodlers "Die Nacht" kann zunächst ohne hinterfragen nicht leicht interpretiert werden. Obwohl das Bild der Erschöpfung nach einer Orgie ähnelt, handelt es sich tatsächlich auch um die Angst, im Schlaf zu sterben. Die Ähnlichkeit zur Orgie und Hodlers Umgang mit Sexualität in diesem Bild schien bereits das Musée Rath zu stören. Die Vermischung der Themen ergibt eine interessante Mischung und macht das Bild so faszinierend. Das verhüllte Wesen des Bildes beugt sich über den Schritt eines Mannes, der erschrocken als einziger aus dem Schlaf fährt. Das Wesen symbolisiert den Tod, der sich den schreckerfüllten Mann, Hodler, zu eigen machen will. Um jedoch „Der Tag“ als Gegenstück zum Werk „Die Nacht" zu bewundern, müsste man sich den Hals verrenken, was den Gegensatz und das Zusammengehören der beiden Werke komplett zerstören würde. 

Der nächste Abschnitt, Neoimpressionismus und Moderne, enthält mehr als die Hälfte der gesamten Ausstellung, nur blöd wenn man nur noch drei Räume zur Verfügung hat! So schlagen sich Klee, Meret, Oppenheim und Co. gegenseitig tot. Der lang ersehnte und entkrönende Abschluss aus Essensresten und Hasenkötteln kann man wortwörtlich in die Pfanne hauen... Völlig zu schweigen von einem komplett fehlplatzierten Überhodlergroßen Werk von Franz Gertsch, das größer zu sein scheint, als der komplette Raum.  

Zum Abschluss noch ein Wort zu den Securityguards der Hypokunsthalle, die sich gegenseitig an Unfreundlichkeit übertreffen: Seid froh über Kunstinteressierte, die euch auch in Zukunft euren Job sichern! 

(Betreut von Christoph Hessel)

 

 

Empfohlene Zitierweise

Orgien & bissige Titanen in der Kunsthalle. Ausstellungsbesprechung von Johanna Kuss und Anna Lederer. lesepunkte 6 (2011), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/8421/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 26.01.2011

Zuletzt geändert: 26.01.2011

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