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Streitgespräch in der Pinakothek der Moderne  

„Ist Neo Rauch ein schlechter Maler?“ 

 

Pinakothek der Moderne, München, 20. April bis 15. August 2010 

gesehen von Carolina Händeler und den Schülern des Kunstleistungskurses unter der Betreuung von Christoph Hessel 

Wittelsbachergymnasium München 

 


Am 08. Juli 2010 trafen sich Kunstinteressierte der „Wittelsbacherfamilie“ in der Pinakothek der Moderne, um sich über den am meisten diskutierten Künstler unserer Zeit, Neo Rauch, zu unterhalten.

Schüler des Kunstleistungskurses, die die Ausstellung schon besucht hatten, ließen sich ein zweites Mal mit dem außergewöhnlichen Stil des ehemaligen DDR-Bürgers ein, um herauszufinden, was diesen Künstler besonders macht, warum er weltbekannt ist und seine Werke auf dem Kunstmarkt, vor allem in den Vereinigten Staaten, so begehrt sind. Von den Kunstlehrern unserer Schule wurde ein Streitgespräch organisiert, in dem ein Kurator der grafischen Sammlung sich bereit erklärt hatte, der Gruppe seine Meinung eines schlechten Malstils des Künstlers nahezubringen und anhand von Beispielen zu beweisen.  

Zusammen analysierte man verschiedene Gemälde. Sind die großen Gemälde nun zu durchkomponiert und zu überladen, die Mittel und Tricks der Malerei zu extrem angewandt, sodass zum Beispiel die große Anzahl an Farbverschränkungen den Betrachter nicht mehr zum Denken anregt, sondern ihn nur noch verwirrt? Oder ist diese Eigenschaft gerade das Besondere an Neo Rauch? Die Umsetzung seiner Träume und Illusionen in die Malerei, so wie der Künstler die Motive erklärt, verstand unsere Gruppe nicht immer. Das Unreine in seiner Komposition und Malweise rief Fragen hervor, die nur teilweise geklärt werden konnten. Er schuf Schlüsselbilder, die kaum logisch zu interpretieren sind.  

Den Schlüssel für das öffnen zu seiner Parallelwelt gab es für uns zwar noch nicht, doch war es interessant, zu hören, wie unterschiedlich dieser Künstler von den Fachleuten - Künstler hier, Kunstlehrer da - bewertet wird. Man entdeckte einige Darstellungen aus DDR-Zeiten. („Zoll“, 2004) Nostalgische Stimmung wurde innerhalb dieser geschaffen. Rauch, einer der wenigen Stars des DDR-Systems, steht deutlich zu seiner Heimat. Die Farbigkeit wurde als typisch für diese Zeit empfunden. Insgesamt bemerkten wir wenig Entwicklung in den ca. 15 Jahren Arbeitszeit. Es schien, als suche er nach dem perfekten Meisterwerk, das ihm noch nicht gelungen ist. Oder hat ihn der Ruhm zu einem Maler gemacht, der nicht mehr an neue Besonderheiten seiner Kunst denkt, sondern nur noch nach schnellem Geld strebt? Wir kamen zu keinem eindeutigen Ergebnis.  

Innerhalb von zwei Stunden gewannen die 13 Teilnehmer einige Erkenntnisse. Die Meinungen in der Gruppe blieben verschieden. Die Erfahrung war interessant und man sollte diese Ausstellung auf jeden Fall besucht haben. 

Empfohlene Zitierweise

Neo Rauch, München: Pinakothek der Moderne 20.04.2010 - 15.08.2010, gesehen von Carolina Händeler und den Schülern des Kunstleistungskurses unter der Betreuung von Christoph Hessel. lesepunkte 5 (2010), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7997/

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Erstellt: 27.10.2010

Zuletzt geändert: 27.10.2010

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