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Henri Cartier-Bresson - The Early Work 

 

Ausstellungsort:
Versicherungskammer Bayern
Maximilianstraße 53
80538 München

 

Bis zum 27. Januar 2008 

 

gesehen von: Philipp Graf, 12. Klasse
Wittelsbacher Gymnasium München

 

Der gut besuchte Museumskurs bewertet auch diesmal wieder höchst subjektiv die Ausstellung der frühen Fotografien Cartier-Bressons in den Räumen der Versicherungskammer Bayern. Zu sehen sind in den 1930er und 1940er Jahren entstandenen Fotografien (ausschließlich in s/w); aufgenommen in Paris, Budapest, Siena, Marseille, Madrid und noch einigen weiteren Stadtlandschaften. Thematisch würde man die Arbeiten heutzutage als „Streetfotografie“ bezeichnen. 

Fast alle Fotos bestechen durch eine ausgefeilte, gelungene Bildkomposition und einen immer wieder erstaunlichen Bildaufbau. Bresson verstand es, die Blicke des Betrachters durch das Bild zu leiten und Schwerpunkte zu setzen. 

Oftmals ist es aber gerade die Komposition, die das Bild einzigartig macht und dazu führen könnte – im Hinterkopf die heutzutage weit verbreitete, inszenierte Konzeptfotografie (Stichwort Jeff Wall) – ,dass man das Bild als „gestellt“ denunziert (es soll ja Leute geben, die nichts von inszenierter Fotografie halten, ich selbst gehöre nicht dazu). 

Oftmals hatte Cartier-Bresson aber auch ein Gespür für den richtigen Augenblick und für die Auslöseverzögerung seiner Leica Messsucherkamera. Beispielhaft soll hier folgendes Bild genannt werden: Zu sehen ist ein Mann, der versucht, über eine Pfütze zu springen. Die Pfütze ist spiegelglatt und zeigt sofort jede Bewegung. 

Nun machen nicht etwa ins Bild führende Linien, eine ansprechende Bildkomposition oder eine perfekte Belichtung den Zauber dieses Fotos aus, sondern schlicht der perfekte Moment der eingefrorenen Bewegung. Der Schuh des Mannes scheint gerade die Wasseroberfläche zu berühren. Nur rein oberflächlich scheint er auf dem Wasser zu wandeln. 

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt seiner Arbeit, nämlich nicht nur den der Oberflächen, sondern auch den inhaltlich-erzählenden, wie es bei einem Bild zweier Männer der Fall ist. Sie stehen dicht an einem Stück aufgehängten Stoff. Erst bei genauerer Betrachtung, erzielt wiederum durch eine sorgfältige Komposition, entdeckt man das winzige Loch im Stoff, durch das die Herren mit Melone blicken: sie hatten offensichtlich keine Lust, den Eintritt zu einem Fußballspiel zu bezahlen. 

Auch zu sehen: Die berühmten Bilder der armen, teilweise kranken, Kinder, die im Schutt spielen; durch einen Mauerdurchbruch fotografiert. Wir waren uns am Ende einig: eine auf jeden Fall sehenswerte Ausstellung. Auch der Katalog zur Ausstellung (Henri Cartier-Bresson – Die frühen Photographien – von Peter Galassi, erschienen im Schirmer/Mosel Verlag) ist kaufenswert. 

(Betreut von Christoph Hessel) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Henri Cartier-Bresson: The Early Work, gesehen von Philipp Graf. lesepunkte 2 (2007), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5641/

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Erstellt: 14.12.2007

Zuletzt geändert: 14.12.2007

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