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Jugend hat Stil?!
Villa Stuck, München, 28. Oktober 2010 bis 23. Januar 2011
gesehen von Leoni Baier und Anastasia Meid, Q11
Wittelsbacher Gymnasium München
Farbenfrohe, ungezwungene und ausschweifende Werke verschiedener Künstler zeigte die Ausstellung „Die Jugend der Moderne - Art Nouveau und Jugendstil - Meisterwerke aus Münchner Privatbesitz“ in der Villa Stuck. Das Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und hat seinen Namen von dem Künstler Franz von Stuck (1863-1928), der es entwarf, baute und als Wohngebäude mit Atelier nutzte. Der Zeit gemäß ist dieses Bauwerk, das nach Stucks Tod zu einem Museum umfunktioniert wurde, im Jugendstil bzw. Art Nouveau gebaut.
Die Ausstellung entsprach also in ihrer Zeit dem räumlichen Ambiente. Den Auftakt der fantasievollen Kunstobjekte bildete das breite Spektrum der Stilarten & technischen Raffinesse, was unter dem Oberbegriff des „Art Nouveau“ in Frankreich und Belgien zusammengefasst wird. Von Kämmen aus Emaille über etliche Lithografien und Porzellanvasen bis hin zu Möbeln war fast alles aus dieser Zeit vertreten.
Beim Betreten der Ausstellung empfing den Besucher zunächst eine als wohltuend empfundene Ruhe durch himmelblaue Wände und eine Großzügigkeit durch die Höhe des Raumes. Zwei Spiegel, die in der Nähe des Eingangs hingen, ließen den Betrachter sich mit den Exponaten vergleichen. Tauchen Sie also ein in die fabelhafte Welt des Jugendstils!
Vor allem dominierte in dieser Epoche der Versuch, Neues in der Kunst zu zeigen wie: Bronze, Emaille, Gips, Silber, Glas und Keramik, Tuschefederzeichnungen, Möbel, Holzschnitte, Lithografien, Fayencen, Wandbehänge und Metallarbeiten. Selten oder nie gesehene Gemälde von bedeutender Kraft wie der „Tiger im Dschungel“ von Paul Ranson, sowie melancholisch verträumte Damenportraits von Aman-Jean, Levy-Dhurmer, Martin und Point sind ein Beleg dafür, dass die Suche nach einer neuen Gestaltung auch vor der Malerei nicht Halt machte.
Im Bereich der Grafik entfachte der außergewöhnliche Erfolg von Veranstaltungsplakaten innovativer Künstler eine wahre Welle der Begeisterung. Das künstlerische Plakat wurde durch Entwürfe von Toulouse-Lautrec, Bonnard, De Feure und Steinlen in der Werbung besonders populär.
Die Liste der zahlreichen Künstler und Designer liest sich ebenfalls eindrucksvoll und zeigt den Reichtum, den die privaten Sammlungen vorweisen können: Adler, Berlepsch-Valendas, Delaherche, Eckmann, Feuillâtre, van der Hoef, von Reichenbach, Schmuz-Baudiss, Taschner, Zumbusch und viele weitere. Wem kommen diese Namen denn nicht bekannt vor?!
Die Ausstellung zeigte den Privatbesitz der wichtigsten Europäer, einiger amerikanischen Künstler, Designer und Manufakturen aus Mittel- und Nordeuropa und Amerika.
So spiegelt sich Münchens Rang als Stadt des Jugendstils in der Sammellust privater Kenner wider, die sich seit den 1960er-Jahren auf das Design von Werken konzentrieren.
Im Gegensatz zu der anfänglich beruhigenden Atmosphäre entstand beim näheren Betrachten aufgrund der abwechslungsreichen Reihenfolge der Kunstobjekte, Künstler und Aufteilung des Raumes eine äußerst interessante Spannung. Allerdings erweckte der ständige Einschub einzelner Möbelkollektionen in der Ausstellung den Eindruck von Wohnsortimenten in einem IKEA-Einrichtungshaus, bestückt mit Exponaten des frühen 20. Jahrhunderts.
Insgesamt ist die Exposition aber lohnenswert gewesen für jemanden, der an seinem freien Samstagnachmittag nichts mit seiner Zeit anzufangen wusste und sich sowohl für die verschiedenen ruhmlosen Künstler des Jugendstils interessiert als auch noch teilweise unbekannte Werke entdecken will!
Empfohlene Zitierweise
Die Jugend der Moderne - Art Nouveau und Jugendstil - Meisterwerke aus Münchner Privatbesitz in der Villa Stuck, München, 28. Oktober 2010 bis 23. Januar 2011, gesehen von Leoni Baier und Anastasia Meid. lesepunkte 6 (2011), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/9183/
Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.
Erstellt: 13.12.2011
Zuletzt geändert: 13.12.2011
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