lesepunkte.de
Direktlink für Screenreader:Themen-Navigation|Text

Alles Gurke? Oder was? Erwin Wurm im Kunstbau München
Lenbachhaus – Kunstbau, München, 17.10.2009 bis 31. Januar 2010
gesehen von Fanny Langenscheidt, 10. Klasse; Emile Ducke, 9. Klasse; Sebastian "Pauli" Junk, 9. Klasse
Wittelsbacher-Gymnasium, München
Wurm boomt. Keine größere Sammlung, kein Museum, das es wagen könnte, ohne einen Wurm die Tore zu öffnen. Recht so!
Und jetzt erstmals in München eine wahre Retrospektive, fast schon ein Duchamp'scher Boîte-en-valise, nur ist der Koffer größer, bahnsteiggroß sozusagen. Das ist schön, aber auch schade, denn ein paar mehr seiner "One-minute-sculptures" hätte man schon sehen mögen – und nachstellen. Außer zwei großen Rondellen, auf denen man mit einem Stuhl hantieren (nur leidlich spannend) oder Hand an sich legen kann (was keiner macht so öffentlich) gibt es nur ein paar Fotografien, die auf dem Boden liegen.
Und auf was für einem Boden! Da fühlt man sich fast wie bei Prada! Ein weiß glasiertes Podest, welches einen großen Teil des Bodens bedeckt, ja verspiegelt. Aber Mode ist auch das Thema von Wurm und von vielen seiner Objekte. Die fette Phase ist beinahe vorbei, die Pullover werden jetzt über eckige Schachteln gezogen und auf Beinpodeste gestellt oder als konstruktivistische Erinnerung am Boden ausgebreitet. Wirkt von surreal bis lapidar und ist nicht unspannend. Je größer die Arbeiten, desto überflüssiger; vor allem die Autos, schräg wie ein alter Wewerka-Stuhl oder nur schräg an die Wand gestellt; auch der Film ist schon wieder durch Realwerbung überholt. So geht's mit den Filmchen!
Unsere Lieblingsobjekte: "Pater Winfried", der auf einem Bolzplatz zum Himmel fleht; man weiß nicht, ob der Pater nicht passt oder der Bolzplatz. "O.T." mit orangenen Socken von 2008; eine Pulloverschachtel auf Beinsockel, eher surreal. "Adorno-bohemian girl", noch aus der fetten Phase 2006. "Müllkübel" von 1993; die Müllbeutel sind eine lange Männerunterhose – Müll wird getrennt! Wunderbar gemein und sarkastisch. Diese unterschwellige Gemeinheit geht den neueren Arbeiten ab, sie sind eher Mode! Schön, unverbindlich und morgen schon passé.
Aber trotzdem: Wir haben viel gelacht und können diese Ausstellung, für deren Besuch man nicht mehr als 45 Minuten zu veranschlagen braucht, empfehlen. Und zum Schluss gibt es auch noch einen give-away für den Besucher – wie bei Prada ein Sahnebonbon – hier eine Postkarte; mit der kann man dann gleich Werbung machen für Wurm. Recht so!
(Betreut von Christoph Hessel)
Empfohlene Zitierweise
Alles Gurke? Oder was? Erwin Wurm im Kunstbau München. Lenbachhaus – Kunstbau, München, 17.10.2009 bis 31. Januar 2010 gesehen von Fanny Langenscheidt, Emile Ducke, Sebastian Junk. lesepunkte 4 (2009), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7387/
Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.
Erstellt: 26.12.2009
Zuletzt geändert: 26.12.2009





