Freistil

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„Auweiowei! Art goes Greenpeace.“
Ai Weiwei: "So Sorry ".

 

Ausstellung im Münchner Haus der Kunst (noch bis zum 17. Januar 2010)
gesehen von der Kunst-AG des Wittelsbacher-Gymnasiums München

 

Ja, doch, es tut uns aufrichtig leid, dass wir nicht in die allgemeine Begeisterung darüber, dass zeitgenössische Kunst endlich einen richtigen Sinn habe, einstimmen wollen. Wo das doch so ein sozial engagierter und politisch ehrlicher Mensch ist, noch dazu ein Chinese. Er macht wirklich ernst mit seinem Engagement, heißt, er riskiert nicht nur seine Kunst, sondern sein Leben und dokumentiert dies alles sofort und sehr kreativ – technisch topaktuell – mit Twitter. Noch nie hat das Internet uns so eingeleuchtet. Die Chinesen steigen daheim ihrer Obrigkeit vermehrt aufs Dach – die haut ihnen dafür drauf, was auch Ai Weiwei selbst schmerzhaft widerfuhr – die Besucher strömen massenhaft ins Haus der Kunst und sind in der Mehrzahl begeistert. Worüber denn eigentlich? Dass es Ai Weiwei im Haus der Kunst gar nicht bräuchte, wir haben in Deutschland ja ein funktionierende Demokratie? Dass es einen Ai Weiwei mit seinen monumentalen Installationen gerade hier braucht – weil das die öffentliche Gelegenheit ist, international auf China Druck zu machen, dass die Menschenrechte geachtet werden und auf die EU, dass es nicht nur ums profitable Geschäftemachen gehen darf mit einem Unrechtsstaat?

Ob all der immense materielle Aufwand sonst noch einen Sinn hat, das fragen wir uns. Man ist schnell fertig mit den Wurzeln und Fotos, den alten Tischen und den Schulranzen. Als Politagitation ist das ja vielleicht richtig, aber als Kunst? Es ist doch sehr eindimensional, was hier geboten wird, ein bisschen brutalistisch. Vieles ist auch schon von anderswoher bekannt. Die Häufchen von Garcia-Torres, aber hier wacht das Personal, dass man nichts mitnimmt. Auch auf den Solnhofener Teppich darf man nicht drauftreten, geschweige denn zwischen den Wurzeln durchgehen. Die Kegelbahnen aus Palisander, die 1001 Fotos der 1001 Chinesen von Kassel, ihre Schlafgelegenheiten farblich ein bisschen à la Wibke von Bonin – oder ist das Zufall? Man möchte es fast glauben, dass Ai Weiwei der internationale Kunstzirkus wurscht ist – es ist schneller aus dem Kopf wieder draußen als es drin ist. 

Man vermisst am Ausgang eine Möglichkeit zu spenden. Das würde den Kunstgenuss abrunden. Trotz alledem waren wir uns in unserem Urteil nicht einig, wenn auch mehrheitlich gelangweilt. Denn wie die Chinesen mit ihren Leuten umspringen, das geht so einfach nicht. Da kann  Ai Weiwei nicht schlecht sein.

 

Die neuformierte Museumsgruppe des WBG: Emil, Susanne, Jacob, Leonie, Anastasia und Katharina, sowie Philipp und Ferdinand als Gäste und Bernhard als Cicerone 

(Betreut von Christoph Hessel) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Ai Weiwei: "So sorry", Ausstellung im Haus der Kunst (München), gesehen von der Kunst-AG des Wittelsbacher-Gymnasiums München. lesepunkte 4 (2009), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7303/

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Erstellt: 05.11.2009

Zuletzt geändert: 05.11.2009

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