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Julian Reichelt: Kriegsreporter. Ich will von den Menschen erzählen, Köln: Fackelträger Verlag 2009, 224 Seiten, ISBN: 978-3-7716-4396-6, EUR 16,95.
gelesen von Benny Klasen, 11. Klasse
Martin-von-Cochem-Gymnasium, Cochem
lesepunkte: ●●○○○

Der Chefreporter der Zeitung „Bild“ Julian Reichelt erzählt in seinem Buch „Kriegsreporter“ von den vielen Kriegs- und Krisengebieten aus denen er bereits (für Bild) berichtet hat. Er will unserer Gesellschaft näher bringen, dass es auf dieser Erde auch noch andere Gebiete gibt, in denen es nicht nur um möglichen Wohlstand oder die Verwirklichung anderer Träume geht – sondern ums Überleben.
Julian Reichelt erzählt zunächst, wie er zu seinem Beruf kam und wie sein „Berufsalltag“ ungefähr abläuft. Es erreicht ihn stets völlig überraschend eine Meldung von einem Ereignis. Daraufhin setzt er sich mit seiner Redaktion in Verbindung und bespricht einen möglichen Einsatz.
So auch an Weihnachten 2004, als er nach einer Kneipentour morgens die Bilder der Tsunami-Katastrophe im Fernsehen sieht. Als einer der ersten war er am Ort des Geschehens und schildert die grausamen Zustände: Unzählige Leute die ihre Familienangehörigen vermissen oder Kinder, die nach ihren Eltern suchten.
Im zweiten Kapitel des Buches wird über den Völkermord aus der Region Darfur (Westsudan) berichtet, da Reichelt diese Region ein halbes Jahr vor dem Tsunami-Unglück besuchte. Arabische Milizen überfallen dort grausam die Dörfer der schwarz-afrikanischen Bauern. Die Milizen morden, vergewaltigen, vernichten und zerstören. Die Überlebenden versuchen in den nahe gelegenen Tschad zu fliehen. In größter Armut leben die Flüchtlinge dort unter äußerst schlechten Bedingungen.
Daraufhin berichtet er von seiner Rückkehr aus Thailand und knüpft an das erste Kapitel an. Weiter geht es aber im neuen Jahr mit der Meldung, dass der Papst im Sterben liegt (Ende März 2005). Danach schreibt er über die Rückkehr nach Thailand, als die Tsunami-Katastrophe ein Jahr alt ist (Weihnachten 2005).
Ein Sprung in den späten Juli 2006 nach Israel: Hier begleitet er Truppen an der Grenze zum Libanon. Man kann sich durch seine Beschreibungen in die Lage der Soldaten hinein versetzen. Alles ist sehr realitätsnah geschildert, was die Soldaten tun und wie sie sich fühlen zum Beispiel. Danach besucht er mehrmals eine Frau, die auf die Rückkehr ihres gefangen genommenen Mannes hofft – vergeblich. Letztendlich ist Reichelt auch bei dessen Beerdigung anwesend.
Weiter geht es mit dem 15.März 2008 in Bagdad. Im letzten Kapitel berichtet er (für Bild) über die Kriege der USA. mit Afghanistan und dem Irak. Er berichtet von der Grausamkeit dieser Kriege und der Gefahr die dort überall lauert. Stets muss man mit einem Selbstmordattentat, einer Autobombe oder ähnlichem rechnen. Unter anderem berichtet er auch aus den Militärlazaretten.
Eine Reihe von Fotografien illustriert die verschiedenen Kapitel des Buches.In einem Nachwort lässt Julian Reichelt seine letzten 5 Jahre noch einmal Revue passieren und denkt über eine mögliche Auszeit nach. Doch als die ersten Meldungen des Kaukasus-Konfliktes eintreffen, hält es ihn nicht mehr in Deutschland und er fliegt nach Georgien. Dieser Krieg ist noch sehr frisch und dementsprechend hart trifft er die Menschen. Sie sind unvorbereitet und erleben wohl zum ersten Mal eine solche Zerstörung und Gewalt.
Das Buch berichtet aus vielen Kriegs- und Krisengebieten. Julian Reichelt übermittelt die Situationen sehr anschaulich, realitätsnah und gut vorstellbar. Dies liegt vor allem daran, dass er die Schreibweise der Bildzeitung größtenteils auf dieses Buch überträgt: spektakulärer Inhalt und wenige Fakten. Er beschreibt etwa sehr ausführlich, wie verletzte Soldaten nach einem Bombenanschlag in ein Militärlazarett in Bagdad eingeliefert werden, wie ihre Verletzungen aussehen, wie sie schreien, dass sie Angst in den Augen haben. Er aber schreibt nicht darüber wie viele Soldaten ständig verletzt werden und warum. Auch bei diesem Beispiel verläuft er sich in der Beschreibung und vergisst das Wesentliche. Es ist offensichtlich, dass vor allem Mitgefühl geweckt werden soll.
Kritisch anzumerken ist auch, dass das Buch eine unzutreffende Hauptüberschrift hat, da nicht nur aus dem Krieg berichtet wird. Zudem gibt es innerhalb des Buches große inhaltliche Sprünge, die teilweise sehr verwirrend wirken z.B. von den Problemen in der Region Darfur nach Rom zum Tod des Papstes. Auch erfüllt das Nachwort nicht seinen Zweck, da es sich nahezu ausschließlich mit dem Kaukasus-Konflikt und somit einem weiteren Problem beschäftigt.
Ich denke, das Buch ist für Leser sehr empfehlenswert, die den Stil der Bildzeitung mögen. Allerdings kann ich es durchaus auch allen empfehlen, die sich für die näheren Umstände in den behandelten Kriegs- und Krisengebieten interessieren. Bestimmte Situationen werden sehr genau beschrieben, allerdings bekommt man insgesamt nur sehr wenige Fakten geliefert.
Alles in allem gebe ich diesem Buch zwei Lesepunkte. Aufgrund der erläuterten Schreibweise liest es sich gut und schnell. Für mich ist es allerdings nicht tiefgründig genug und es hat zu große inhaltliche Sprünge. Es ähnelt doch zu sehr der Bildzeitung.
(Betreut von Oliver Simon)
Empfohlene Zitierweise
Julian Reichelt: Kriegsreporter. Ich will von den Menschen erzählen, Köln: Fackelträger Verlag 2009, 224 Seiten, ISBN: 978-3-7716-4396-6, EUR 16,95, gelesen von Benny Klasen. lesepunkte 5 (2010), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7675/
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Erstellt: 19.05.2010
Zuletzt geändert: 19.05.2010




