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Ingeborg Engelhardt: Hexen in der Stadt, München: dtv junior 2009 (30. Auflage), 256 Seiten, ISBN 978-3-423-07196-3, EUR 6,95.
gelesen von Timon Fetting, 6. Klasse
Wernher-von-Braun-Gymnasium, Friedberg
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Eine süddeutsche Bischofsstadt wird mitten im Dreißigjährigen Krieg zum Schauplatz einer Hexenverfolgung. Auslöser für die Hexenverfolgung ist die Zerstörung der Ernte am 27. Mai 1627 durch eine Frostnacht: es ist die dritte Vernichtung in Folge. Außerdem haben Kriege, Hunger und Pestilenz starke Armut über das Land gebracht. Die Kirche und ein Großteil des einfachen Volkes machen Hexerei und Teufelskunst dafür verantwortlich und verlangen vom Bischof Philipp Adolf Bestrafung für das Übel.
Da den mutmaßlichen „Hexen“ teuflische Verschwörung gegen den Wohlstand des Landes sowie gegen die ganze Christenheit nachgesagt wird, unterschreibt der Bischof am 10. Juni den vom Kanzler verfassten Hexenerlass: „...Nach Gottes unerforschlichem Ratschluss hat sich bei Unserer ohnehin beschwerlichen und gefahrvollen Regierung das Laster aller Laster, das ist die Hexerei und Teufelskunst, aus sonderlicher göttlicher Fügung ereignet. Wann Wir der göttlichen Handbietung zur gänzlichen Ausreutung des Übels nicht nachsetzen würden, hätten Wir nit allein vor Unserm Gewissen solches zu verantworten, sondern müssten auch besorgen, dass Gott der Allmächtige über das ganze Land Strafen um so viel desto mehr verhängen möchte, wie viel weniger Wir uns die Abschaffung eines so schrecklichen Übels, dessen ernstliche Leibes- und Lebensbestrafung in Heiliger, göttlicher Schrift geboten, angelegen sein ließen...“ Noch am selben Tag erreicht Pater Friedrich, der vom Bischof für das Amt des „Hexenbeichtigers“ vorgesehen ist, die Stadt.
Als Veronika, die Frau vom Stadtarzt Dr. Reutter, um Mitleid für die Hexen bittet, schwört der Bischof nur, dass ihrer Familie nichts zustoßen werde – später soll Veronika dies als ein klares Indiz für ihre eigene Schuld ausgelegt werden.
Auf Grund des Hexenerlasses gibt es am 16. Juni 1627 die ersten Hinrichtungen. Falls die Angeklagten nach grausamer Folter gestanden haben, werden sie wegen Hexerei verurteilt und anschließend mit einem Schwert in der Öffentlichkeit enthauptet und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Um der brutalen Folter zu entgehen, befinden sich viele Verdächtige sogar freiwillig für schuldig. Bei der Folter werden unter anderem Daumen- und Beinschrauben verwendet. Wenn ein Verurteilter trotz dreimaliger schrecklicher Folter immer noch leugnet, wird er bei lebendigem Leib vor der Öffentlichkeit verbrannt. Dabei werden zuerst Leute aus dem einfachen Volk, später jedoch auch Adlige und Priester hingerichtet.
Bei den ungefähr 900 Hexen und Teufelsanbetern, die in etwa drei Jahren vom Bischof verurteilt und verbrannt worden sind, gibt es keinen einzigen Fall mit einem klaren Indiz, dass überhaupt eine einzige wahre Hexe unter den Verurteilten gewesen ist.
In diesen drei schrecklichen Jahren kämpft der Stadtarzt Doktor Sebastian Reutter mit seiner Frau Veronika gegen die Hexenverfolgung. Der Hauptgrund dafür ist, dass ihre Enkelin ein Mal auf der linken Schulter hat, schwarz und behaart, so groß wie der Daumenabdruck eines Mannes. Dies galt in jener Zeit als ein klares Kennzeichen einer Hexe. Daher haben der Stadtarzt und seine Frau große Angst davor, dass dieses Mal entdeckt wird und ihre Enkelin ebenfalls als Hexe verurteilt und verbrannt wird.
Nach einiger Zeit gesteht Veronika Reutter ihrem Mann, dass sie selbst an Magie glaubt und sich für eine Hexe hält und dass der Vater von Jakobe, der ältesten der drei Töchter, der Bischof Philipp Adolf ist. Zum Schutz seiner Frau entscheidet Sebastian Reutter, dass Veronika sich in seiner Weinberghütte verstecken soll. Seine Töchter Katrin und Sabine sind bereits vorher heimlich aus der Stadt geflohen.
Während dieser Zeit will Dr. Reutter mit seinen wissenschaftlichen Freunden einen klaren Beweis gegen die verbreitete Vorstellung von Hexerei finden. Für dieses Vorhaben muss er ins Ausland reisen. Nach einigen Jahren wird er jedoch in einer Scheune, ganz in der Nähe seiner Heimatstadt, erfroren aufgefunden. Im Dezember 1629 wird Frau Reutter von ihrer ältesten Tochter Jakobe, die ihren kleinen Sohn dabei hat, besucht. Sofort erzählt Jakobe weinend, dass die Kirche ihre zwei Töchter wegen Hexerei angeklagt hat, weil bei der jüngeren Tochter das behaarte Mal entdeckt worden ist. Sie beschuldigt die Mutter, dass sie nichts unternommen habe, obwohl sie als Hexe die Fähigkeit besitzen würde, die Kinder zu retten. Noch in dieser Nacht bricht die Mutter auf, um die Prozesse zu stoppen. Nachdem sie im Morgengrauen in der Stadt angekommen ist, hält sie einen Wagen mit vier verurteilten Personen auf dem Weg zur Hinrichtungsstelle an. Sie setzt sich zu ihnen in den Wagen und murmelt ein paar unverständliche Worte. Dann tippt sie jedem mit zwei Fingern auf die Stirn und verschwindet wieder. Als der Wagen an der Hinrichtungsstelle angekommen ist, öffnet der Henker die Wagentür und es fallen ihm vier leblose Personen entgegen. Nun wird Veronika der Hexerei bezichtigt und in der ganzen Stadt gesucht. Nachdem man sie wenige Stunden später gefunden hat, wird sie in den tiefsten Kerker der Stadt eingesperrt.
Als der Bischof von dieser unglaublichen Geschichte hört, will auch er wissen, um welche Person es sich handelt und sucht sie auf. Beim Betreten des Kerkers stellt er mit Entsetzen fest, dass die Frau tot ist. Zur Feststellung ihrer Identität will der Bischof das Gesicht sehen. Als er erkennt, dass es sich um seine frühere Geliebte Veronika handelt, steht ihm der Schrecken im Gesicht geschrieben. Jetzt wird ihm endlich klar, wie sinnlos die Hexenverfolgung ist und er stellt die Prozesse noch vor Lichtmess 1630 ganz ein.
Im kommenden Sommer stirbt der Bischof ganz unerwartet. Bei der Sektion der Leiche wird ein Mal auf der linken Schulter, schwarz und beharrt, so groß wie der Daumenabdruck eines Mannes, festgestellt, aber nicht in den Befund aufgenommen.
(Betreut von Carina Oettle und Martina Peischl)
Empfohlene Zitierweise
Ingeborg Engelhardt: Hexen in der Stadt, München: dtv junior 2009 (30. Auflage), 256 Seiten, ISBN 978-3-423-07196-3, EUR 6,95, gelesen von Timon Fetting. lesepunkte 5 (2010), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7663/
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Erstellt: 19.05.2010
Zuletzt geändert: 19.05.2010




