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Karen Cushman: Das laute Schweigen der Francine Green, München: dtv junior 2008, 304 Seiten, ISBN 978-3-423-71287-3, EUR 8,95.
gelesen von Katrin Brock, 10.Klasse
Liebfrauenschule Köln
lesepunkte: ●●●○○

Der Jugendroman „Das laute Schweigen der Francine Green“ von der international erfolgreichen Autorin Karen Cushman handelt von zwei völlig unterschiedlichen Mädchen, deren Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird.
Francine ist ein sehr wohlerzogenes, gläubiges Mädchen, das tut, was von ihr verlangt wird, und sich niemals gegen die Meinung Anderer stellen würde. Sophie dagegen ist das genaue Gegenteil von ihr. Sie wurde von ihrer alten Schule verwiesen, weil sie für ihre Überzeugung eingestanden ist, dass es überall Redefreiheit geben müsse. Daher kommt sie in Francines Klasse und die beiden werden beste Freundinnen. Sophie sagt aber auch an ihrer neuen Schule immer, was sie denkt, stellt unbequeme Fragen und macht sich durch ihr Verhalten und ihre Ansichten sowohl bei Lehrern als auch Schülern unbeliebt. Schließlich muss sie auch diese Schule verlassen. Francine fällt es immer schwerer, zu ihr zu stehen, vor allem als Sophies Vater verdächtigt wird, Kommunist zu sein und daher auf eine schwarze Liste kommt.
Francine steht stark unter Druck, weil sie nicht weiß, was sie tun soll, da ihr Vater und ihre Lehrerin ihr den Kontakt zu Sophie verbieten, damit sie nicht mit Kommunisten in Verbindung gebracht wird. Als Sophie und ihr Vater abtauchen, verlieren sich die Freundinnen aus den Augen und erst jetzt begreift Francine, dass sie doch immer zu ihrer besten Freundin hätte stehen müssen.
Francine hat sehr viel von Sophie gelernt, zum Beispiel, wie wichtig es ist, zu seiner Meinung zu stehen und diese auch kund zu tun. Der Roman beschreibt die Probleme der Nachkriegszeit mit der omnipräsenten Angst und Unwissenheit der Bürger sehr anschaulich und gibt dem Leser die Möglichkeit, sich sehr gut in die einzelnen Charaktere hinein zu versetzen, sodass man deren Handeln leicht nachvollziehen kann und zum Mitfühlen angeregt wird. Das Buch verrät besonders viel über die Mädchen- und Frauenrolle dieser Zeit.
Die Autorin stellt das historische Umfeld so treffend dar, dass man meinen könnte, die fiktiven Personen hätten in der Tat gelebt. Um diesen Realismus zu erzeugen, handelt das Buch auch von weniger spektakulären Ereignissen und wirkte auf mich an einigen Stellen etwas langatmig. Zurückblickend wird mir allerdings bewusst, dass gerade diese Stellen sehr entscheidend sind, um das Handeln der Charaktere nachvollziehen zu können. Trotzdem hätte man diese Passagen lebendiger gestalten und die durchaus interessante und bewegende Geschichte etwas spannender formulieren können. Der Roman benötigt einige Zeit, um eine gewisse Spannung aufzubauen, wird jedoch zum Ende hin immer fesselnder, wodurch man sich anfangs zum Lesen zwingen muss, es später aber auf keinen Fall bereuen wird.
Insgesamt ist der Roman einfach geschrieben und auch für jeden leicht zu verstehen, der nicht mit der historischen Situation vertraut ist. Deshalb hat die Autorin ein Nachwort am Ende des Buches hinzugefügt, das die historischen Zusammenhänge für Unkundige erläutert. Darüber hinaus sind ein Interview mit der Autorin sowie eine Kapitelübersicht beigefügt.
Das Buch ist in Anbetracht all seiner Facetten durchaus lesenswert und sowohl für Jungen als auch Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren geeignet. Aufgrund der realistisch dargestellten Charaktere und der tiefen Einblicke in die Psyche der Protagonistinnen ist dieses Buch nicht nur historisch interessierten Lesern zu empfehlen. Ich vergebe drei von fünf möglichen Punkten.
(Betreut von Karin Kasprowicz)
Empfohlene Zitierweise
Karen Cushman: Das laute Schweigen der Francine Green, München: dtv junior 2008, 304 Seiten, ISBN 978-3-423-71287-3, EUR 8,95, gelesen von Katrin Brock. lesepunkte 5 (2010), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7659/
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Erstellt: 19.05.2010
Zuletzt geändert: 19.05.2010




