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Ulrike Schweikert: Die Maske der Verräter, München: cbt 2009, 480 Seiten, ISBN 978-3-570-30577-5, EUR 8,95.
gelesen von Vivien Sali, 10. Klasse 10
Katharinen-Gymnasium, Ingolstadt
lesepunkte: ●○○○○

Der Roman ist im Würzburg des 15. Jahrhunderts angesiedelt und basiert auf wahren Geschehnissen. Er ist in drei Bücher aufgeteilt, enthält eine Karte zur geographischen Orientierung und bietet am Ende eine Erklärung der historischen Fakten, sowie eine Auflistung der Charaktere und Worterklärungen. Letzteres war beim Lesen äußerst hilfreich, alles andere war auch ohne diese Hilfsmittel durchaus zu bewältigen. In der Danksagung der Autorin ganz zum Schluss erfährt man, dass sie als Recherche eine kurze Schmiedelehre absolviert hat und sich ausgiebig mit dem historischen Würzburg beschäftigt hat.
Die Geschichte beginnt mit Jos Zeuner, der mit seiner Freundin Sara seine Heimatstadt Hall verlässt, um in Würzburg eine Lehre anzufangen. Auch seine Sehnsucht nach Rebecca, einer Freundin aus Hall, die an den Würzburger Henker verheiratet wurde, führt ihn dorthin. Jos wird vom Hufschmied Hermann Buchner aufgenommen. Noch in derselben Nacht verlangen ein Maskierter und sein Begleiter den Dienst des Schmieds. Jos hört dabei, wie die beiden über einen Mordanschlag reden, was sogleich seine ausgeprägte Neugier weckt. Während der Schmied fest entschlossen ist, nichts gehört zu haben, will Jos das Opfer des Anschlags finden und warnen.
Im Laufe der Handlung finden Jos, Sara und Rebecca immer mehr Hinweise auf die Identität der Täter und des Opfers und je mehr sie wissen, desto klarer wird, dass die Verschwörung bis in die obersten Reihen der geistlichen und weltlichen Mächte reicht.
Das Buch wechselt oft die Perspektiven und es passieren viele andere Dinge, bevor der nächste Hinweis auf die Lösung des Rätsels um den Maskierten auftaucht. Das Stadtbild und das alte Handwerk werden gut und nicht zu ausschweifend geschildert, dennoch kommt man nicht leicht in die Geschichte hinein. Tatsächlich baut das Buch bis zum Schluss keine richtige Spannung auf, trotz ernsthafter Gefahren, in denen sich die Hauptpersonen dann und wann befinden. Ein Grund dafür sind zu viele alltägliche Dinge, die es einem schwer machen, den eigentlichen Faden beizubehalten und bei der Rettung des Opfers mitzufiebern. Sie mögen zwar zur Authentizität beitragen, hätten aber durchaus gekürzt werden können. Viel Platz nimmt Jos' Erfolg in der Lehre ein und seine Probleme mit den beiden jungen Mädchen, zwischen denen er sich nicht so recht entscheiden kann. Das historische Stadtleben wird geschildert, Saras verschiedene Anstellungen als Magd und Rebeccas Schwierigkeiten mit Stiefsohn Simon und ihrem Leben an der Seite des Henkers.
Auch die Charaktere helfen nicht dabei, in der Geschichte zu versinken. Jos' Hin und Her mit Sara und Rebecca vor allem zu Beginn und seine immer schwerer zu verstehende Neigung, sich in Schwierigkeiten zu bringen, machen ihn nicht zum Helden des Lesers. Allerdings wird er im Buch von anderen als ein „geschickter Bursche“ beschrieben, was deutlich macht, dass der Eindruck von ihm beim Leser ein anderer sein sollte. Rebecca dagegen scheint immun gegen menschliche Fehler, weiß immer, was zu tun ist, und hilft Jos und Sara reihenweise aus brenzligen Situationen. Ihre eigenen Probleme löst sie nebenbei auch und am Ende wird ihr ein perfektes Leben beschert. Sie ist sich dieser etwas unrealistischen Talente auch durchaus bewusst. Am besten merkt man das an Sätzen wie: „Lass mich nur machen […] Bleib dicht hinter mir und überlass mir das Reden.“ Mit einem Scheitern durch ihre übertriebene Selbstsicherheit wäre sie als Charakter nahbarer gewesen. Aber stattdessen hat sie zusätzlich überaus gütige und verständnisvolle Züge, was sie trotzdem nicht sympathischer macht. Sara scheint zwar ein nettes Mädchen zu sein und man fühlt eher mit ihr als mit Rebecca, sie neigt aber wie Jos zu kopflosen Reaktionen. Etwas unverständlich bleibt auch ihre fast unerschütterliche Treue zu ihm, wenn er immer wieder aus purer Wissbegierde seinen Platz bei Hermann Buchner riskiert, obwohl allein diese Lehre eine sichere Zukunft für die beiden als Ehepaar bildet.
Auch kann man irgendwann nicht mehr so recht nachvollziehen, warum er nach wie vor das Geplänkel mit Rebecca bis zum letzten Kapitel nicht aufgibt. Es dauert lange, bis man sich an die weniger originellen Gedanken der beiden gewöhnt, die sich auch in gefährlichen Situationen nicht ändern und sogar ein wenig fragwürdig erscheinen wie auf Seite 387: Sara wird gejagt, sie findet ein Versteck und wartet ängstlich, ob sie nun in Sicherheit ist. Ihre einzige Hilfe wäre ihr Bekannter, der Schreiber Georg. „Aber der saß jetzt vermutlich […] an einer gut gedeckten Tafel. Bei diesem Gedanken begann Saras Magen zu rumoren.“ Unnötig dann der nächste Satz: „Das Stillen ihres Hungers war allerdings nicht das dringendste Problem im Moment.“ Nein, das Problem ist tatsächlich, dass sie sich in Todesgefahr befindet. Auch keiner der anderen Charaktere sorgt für Aufregung. Tatsächlich kann man äußerst leicht Gut und Böse einteilen und die Liste im Grunde bis zum Schluss beibehalten.
Das Buch in einem Zug durchzulesen, erschwert allerdings der Schreibstil. Er ist zwar simpel und kompliziert das Verstehen nicht, hat aber einen Hang zur Naivität. Sätze wie „Sein Begleiter konnte die Angst in seiner Stimme zittern hören. Gut so!“ oder „Welche Rolle spielte Meister Buchner in diesem schmutzigen Spiel? Jos würde es herausfinden!“ sind Standard. Ein wenig enttäuschend waren auch die Überschriften. Liest man das eine Kapitel und sieht die Überschrift für das nächste, weiß man schon ungefähr, was passieren wird. Sie wecken keine Neugier, sie enthüllen vor allem am Ende des Buches viel zu viel.
Alles in allem ist „Die Maske der Verräter“ als historischer Roman durchaus solide, aber als Krimi nicht glaubwürdig. Deswegen auch nur ein Punkt.
(Betreut von Dr. Matthias Schickel)
Empfohlene Zitierweise
Ulrike Schweikert: Die Maske der Verräter, München: cbt 2009, 480 Seiten, ISBN 978-3-570-30577-5, EUR 8,95, gelesen von Vivien Sali. lesepunkte 5 (2010), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7481/
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Erstellt: 24.02.2010
Zuletzt geändert: 24.02.2010




