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Cem Özdemir: Die Türkei: Politik, Religion, Kultur, Weinheim: Beltz & Gelberg 2008, 256 Seiten, ISBN 978-3-407-75343-8, EUR 19,90.
gelesen von Alexander Frisch, 10.Klasse
Karlsgymnasium, München-Pasing
lesepunkte: ●●●●○

Das Sachbuch „Die Türkei: Politik, Religion, Kultur“ von dem Bundesvorsitzenden der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ und Deutsch-Türken Cem Özdemir setzt sich mit dem Leben der Türken auseinander. Dabei weist der Autor sowohl auf die Einzigartigkeit und die Besonderheiten des Landes als auch auf Probleme hin. Sein Ziel ist es, dass sowohl Deutsche als auch die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland einerseits die Türkei besser verstehen und andererseits sich auch untereinander besser verstehen lernen.
Das erste von insgesamt zehn Kapiteln setzt sich mit den Türken in Deutschland auseinander. Dabei geht der Autor ausführlich auf deren Einwanderungsgeschichte und -gründe und die Probleme der Anpassung bei der sogenannten „dritten Generation“ ein. Dadurch ist die Verbindung zwischen Deutschen und Türken in der heutigen Zeit gegeben.
Im nächsten Kapitel erzählt er die Geschichte der Türkei von dem Osmanischem Reich über die Gründing der türkischen Republik und die Reformen durch Mustafa Kemal Atatürk bis hin zum Zypernproblem und dem Versuch des EU-Beitritts. Außerdem geht er auch auf Minderheiten der Türkei ein, wie zum Beispiel Armenier oder Juden.
Im dritten Kapitel zeigt er die Konflikte der Türkei mit Nachbarländern wie Syrien oder Irak auf. Der Schwerpunkt des vierten Kapitels ist der angestrebte EU-Beitritt. Cem Özdemir legt das Pro und Kontra eines möglichen EU-Beitritts dar, wobei er sich klar für einen Beitritt ausspricht. Das fünfte Kapitel widmet sich der Religion. Es beschreibt die große Vielfalt der Religionen, die religiöse Minderheit der Aleviten, die Rolle von Christen und Juden in der Türkei und behandelt die Religionsfreiheit und das damit verbundene „Kopftuchproblem“.
Im darauffolgenden Kapitel geht es um die Rolle des Mannes und vor allem der Frau in der Türkei. Probleme wie Zwangsheirat, Ehrenmorde und Kopftuchdiskussionen und durchgesetzte wie auch geforderte Reformen werden hier genannt. Das nächste Themengebiet behandelt die Meinungsfreiheit und staatliche Gewalt. Cem Özdemir erzählt hier anschaulich die Erlebnisse dreier konkreter Personen, des Weiteren werden Kritik und Entwicklungen dargelegt.
Das achte Kapitel betrifft die Bildung und das Schulsystem. Dabei wird der Unterschied zum deutschen Bildungssystem deutlich, wie auch der Unterschied der Bildungsbiographien von Jungen und Mädchen in türkischen Schulen. Das vorletzte Kapitel beschäftigt sich mit der Umwelt, dem Tourismus und der Stromerzeugung in der Türkei und erläutert Probleme und Verbesserungsvorschläge. Der letzte Themenkomplex ist die türkische Kultur. Es wird auf Musik, Film und Literatur, die Rolle Atatürks in der Türkei und die Sprache eingegangen. Im Anhang befinden sich noch eine Karte, ein kleines Wörterbuch, eine Zeittafel und die Daten und Erklärungen der türkischen Feiertage.
Das Buch ist meiner Meinung nach aus mehreren Gründen sehr empfehlenswert. Zum einen ist die Ausstattung des Buches überzeugend. Es enthält viele gut ausgewählte Bilder und Karten, die die einzelnen Themen sehr anschaulich machen. Außerdem nennt Cem Özdemir viele Dinge mit ihren türkischen Namen, wobei aber die deutsche Übersetzung immer gleich daneben steht. Das führt dazu, dass man sich noch mehr in die türkische Sprache und Kultur hinein versetzt.
Zum anderen schafft es Özdemir gut, eine Verbindung von Türkei und Deutschland sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart zu präsentieren und so Übergänge und Verläufe von der Vergangenheit bis in die Gegenwart zu schaffen. Des Weiteren klärt er überzeugend in seinem Buch wichtige und weniger wichtige aktuell diskutierte Fragen sehr ausführlich und gibt zu jedem Problem einen möglichen oder schon durchgeführten Lösungsvorschlag. Der Autor benutzt dabei einfache Ausdrücke und daher fällt sein Buch durch eine sehr große Verständlichkeit positiv auf.
Das Wichtigste ist jedoch, dass er in fast jedem Kapitel eigene Erfahrungen aus seinem Leben oder Erfahrungen von Bekannten oder Freunden klug gewählt in sein Buch einbaut. Diese teils lustigen oder außergewöhnlichen Erfahrungen machen dieses Buch zu etwas wirklich Persönlichem und führen dazu, dass seine Argumente noch überzeugender und ausführlicher wirken, als sie es ohnehin schon sind.
Dadurch schafft es Cem Özdemir wie kein Zweiter, die Politik, Religion und Kultur der Türkei für jeden verständlich und leicht zugänglich zu präsentieren. Deshalb vergebe ich 4 Lesepunkte für dieses sehr gute Buch.
(Betreut von Ulla Stelzel)
Empfohlene Zitierweise
Cem Özdemir: Die Türkei: Politik, Religion, Kultur, Weinheim: Beltz & Gelberg 2008, 256 Seiten, ISBN 978-3-407-75343-8, EUR 19,90, gelesen von Alexander Frisch. lesepunkte 5 (2010), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7479/
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Erstellt: 24.02.2010
Zuletzt geändert: 24.02.2010



