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Maja Nielsen: Jane Goodall und Dian Fossey. Unter wilden Menschenaffen (Abenteuer & Wissen), Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2008, 64 Seiten, ISBN 978-3-8369-4842-5, EUR 12,90.
gelesen von Natalie Bilz, 11. Klasse
St.-Bonaventura-Gymnasium, Dillingen an der Donau
lesepunkte: ●●●●●

In diesem Sachbuch geht es um zwei Frauen, die jahrelang im Dschungel von Tansania bzw. Ruanda lebten, um Affen zu erforschen, und die Entdeckungen, die sie im Bereich der Biologie und der Verhaltensforschung gemacht haben.
Einleitend wird der Reiz angesprochen, den Affen im Zoo auf die Menschen ausüben, und sowohl Jane Goodall als auch der berühmte Anthropologe Louis Leakey (gestorben 1972), der sich mit diesem Thema befasst, vorgestellt. Im zweiten Kapitel wird durch anschauliche Beispiele die Liebe Jane Goodalls (geboren im Jahr 1934) zu Tieren deutlich gemacht und ihr Traum, nach Afrika zu gehen, von seiner Entstehung bis zur Verwirklichung gezeigt: Nach ihrem Schulabschluss und einer Sekretärinnenausbildung bekommt sie nämlich durch eine ehemalige Schulfreundin die Möglichkeit, den schwarzen Kontinent zu besuchen.
Hier lernt sie Louis Leakey kennen, wird seine Sekretärin, darf an Ausgrabungen teilnehmen und bekommt schließlich von ihm, den sie durch ihre Wissbegierde, Ausdauer und Tierliebe überzeugt hat, den Auftrag eine Langzeitstudie an Schimpansen durchzuführen. Sie zieht also von Kenia, dem Wohnort ihrer Schulfreundin, in den Dschungel, genauer nach Gombe in Tansania. Auf dieser Reise wird sie für die ersten paar Monate von ihrer Mutter begleitet. Sie muss zahlreiche Gefahren wie eine Malaria-Erkrankung und andere Rückschläge ertragen, bevor es ihr gelingt, eine bahnbrechende Entdeckung zu machen.
Nach monatelangem Warten passiert es: Sie findet heraus, dass Affen Werkzeuge benutzen. Einer der Affen, dem sie wie allen anderen einen Namen gegeben hat, benutzt einen Ast, um Termiten aus einem Termitenhügel zu holen. Da man bis dahin glaubte, dass die „Benutzung von Werkzeug“ den Menschen vorbehalten sei (homo faber = der Werkzeug herstellende/benutzende Mensch), musste man nun entweder den Begriff „Werkzeug“ neu definieren oder die Affen zu den Menschen zählen. Jane Goodall beobachtete außerdem viele andere menschliche Gesten wie Umarmen, Küssen oder Boxen.
All dies hält sie in einer Doktorarbeit fest, die sie in England an einer Universität schreibt und geht hierauf wieder, zusammen mit einem Fotograf, der ihre Arbeit dokumentieren soll, nach Gombe zurück. Jane Goodall und der Fotograf Hugo van Lawick verlieben sich, heiraten und bekommen einen Sohn, den sie ebenfalls Hugo nennen. Doch dann kommen schwere Zeiten für beide. Ein Krieg unter den Affen entsteht. Die Mitglieder einer abtrünnigen Gruppe werden von den anderen getötet.
Aber auch bei den Menschen herrscht Krieg. Im nur 35 km entfernten Nachbarland Burundi gibt es große Konflikte, die zu zahlreichen Toten führen. Am 19.05.1975 kommen Rebellen aus Zaire (heute: Kongo) auch in Gombe an und vier der Studenten, die in Goodalls Forschungs-zentrum wohnen, werden entführt und erst nach zähen Verhandlungen freigelassen.
Jane Goodall überlegt damals, wie wohl Dian Fossey (geboren im Jahr 1932), die in Ruanda Berggorillas beobachtet, in ihrer Situation handeln würde. Dian hatte denselben Traum wie Jane, traf ebenfalls auf Leakey und erhielt von ihm die Chance in den Dschungel zu gehen und Berggorillas in den Virunga-Vulkanbergen zu beobachten. Sie baute dort eine Forschungsstation auf und nach vielen Fehlversuchen fand sie die richtige Strategie, um das Vertrauen der Tiere zu gewinnen. Die Gorillas waren wie eine Familie für sie und sie kämpfte gegen die Behörden und Wilderer, um ihre geliebten Tiere und besonders Digit, ihren Lieblingsaffen, zu beschützen. Dadurch machte sie sich zahlreiche Feinde.
Auch sie schrieb eine Doktorarbeit, bekam eine wissenschaftliche Forschungsstation und Studenten, die sie aber sehr unfreundlich behandelte: Sie fühlt sich nur unter Tieren wohl. Als nach einem schönen Sommer auch noch Digit getötet wurde, verstärkte sie die Patrouillen, machte seinen Tod weltweit bekannt, suchte den Mörder, entführte dessen Sohn und zündete seine Hütte an, wofür sie bestraft wurde. Am 26.12.1985 wird Dian schließlich ermordet aufgefunden. Der mögliche Täterkreis ist riesig und bis heute ist ihr Mörder unbekannt.
Fosseys Buch über die Gorillas und der Film dazu werden aber ein Welterfolg und noch nach ihrem Tod sorgen die Menschen in Ruanda für die Tiere. Jane Goodall ihrerseits kümmert sich, nachdem sie schlimme Videos über die Behandlung von Affen in Kliniken und Forschungslaboren gesehen hat, um die Rettung der Schimpansen, und versucht andere Menschen zu überzeugen, dasselbe zu tun.
Das Buch war sehr spannend, in leicht verständlicher Sprache geschrieben und in großer, gut lesbarer Schrift gedruckt. Fachausdrücke werden entweder im Text selbst oder in graphisch abgesetzten Kästen erklärt. Außerdem findet man interessante Zusatzinfos in den Kästen und eine Chronik über die Evolution der Primaten am Ende des Buches. Zahlreiche Fotos und eine Karte auf der letzten Seite machen das Lesen noch anschaulicher und abwechslungsreicher.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da man viel erfahren kann und man beim Lesen des Buches mit den Personen mitfühlt - zum Beispiel, wenn ein Affe stirbt, und zeitweise hat man sogar das Gefühl, sich selbst im Dschungel zu befinden. Ein wirklich interessantes und lesenswertes Buch!
(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF)
Empfohlene Zitierweise
Maja Nielsen: Jane Goodall und Dian Fossey. Unter wilden Menschenaffen (Abenteuer & Wissen), Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2008, 64 Seiten, ISBN 978-3-8369-4842-5, EUR 12,90, gelesen von Natalie Bilz. lesepunkte 4 (2009), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6819/
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Erstellt: 16.02.2009
Zuletzt geändert: 16.02.2009




