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Reiner Engelmann / Urs M. Fiechtner: Kinder ohne Kindheit. Ein Lesebuch über Kinderrechte, Düsseldorf: Sauerländer Verlag 2006, 216 Seiten, ISBN 978-3-7941-8045-5, EUR 19,90.
gelesen von Miriam Schulz, 10. Klasse
Karlsgymnasium München
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Das aktuelle, 2006 von Reiner Engelmann und Urs M. Fiechtner herausgegebene Sachbuch „Kinder ohne Kindheit“ informiert über die wichtigsten bestehenden Kinderrechte und bringt die Tatsache, dass diese beinahe auf der ganzen Welt vernachlässigt oder gebrochen werden, ans Licht. Das Buch ist in einen Prolog und sechs anschließende Kapitel unterteilt, die jeweils ein Kinderrecht behandeln. Mehrere Autoren beschreiben in Form verschiedener Textarten die verheerenden Lebensumstände von Kindern in Entwicklungs- und Industrieländern.
Der Prolog verleiht dem Leser erste Eindrücke, inwieweit Kinder vor allem in der Dritten Welt vernachlässigt werden. Zudem erläutert er die Geschichte der Kinderrechte, die in der UN-Kinderrechtskonvention 1989 festgehalten wurden.
Mit dem ersten und wichtigsten (Kinder-)Recht, dem Recht auf Leben, befasst sich u.a. das erste Kapitel mit Protokollmitschriften über den Terrorakt in einer russischen Schule in Beslan und mit Erinnerungsschriften über eine Kindheit in Bürgerkriegen. Der Leser erfährt hier, wie viele unschuldige Kinder täglich durch Gewalt, Mord und Todschlag ihr Leben lassen.
Das zweite Kapitel bezieht sich auf das Recht auf körperliche, geistige, seelische und soziale Entwicklung in der Familie. Dialoge, Reportagen und sachliche Erläuterungen zur Entwicklung dieses Kinderrechts zeigen, wie viele Kinder auch in Deutschland, sei es durch Gewaltanwendung in der Erziehung, sei es durch die Tatsache, im ewigen Kreislauf der Armut gefangen zu sein, keine wirkliche Kindheit erleben dürfen.
An das Recht auf Bildung und Beruf, auf Schutz vor Kinderarbeit und Ausbeutung wird der Leser im dritten Kapitel herangeführt. Ob in Indien, Südamerika oder Afrika: Hier werden Kinder aufgrund von Armut der eigenen Familien gezwungen, meist durch Schwarzarbeit, Geld zu verdienen. Die Kinder selbst haben davon wenig, weil es ihnen meist zum größten Teil wieder abgenommen wird und ohnehin nicht ausreicht, um eine ganze Familie zu unterhalten. Dennoch verlieren die Kinder durch diese Arbeit ihr Recht auf Bildung und so auf eine Zukunft.
Im vierten Kapitel wird das Thema Schutz vor sexueller Gewalt angeschnitten. Erzählungen und ein Artikel über Kinderprostitution in Tschechien zeigen den Verlust der Kindheit vieler junger Menschen auf: Sei es durch sexuellen Missbrauch durch Verwandte, betrunkene Väter und Freunde, sei es durch Kinderprostitution, die nicht nur in Thailand, sondern auch nicht weit vor unserer Haustür sehr präsent ist.
Genaueres über das Recht auf Sicherheit und Identität eines jeden Kindes erfährt der Leser im fünften Kapitel. Anhand von Beispielen aus El Salvador oder Kanada wird gezeigt, wie Kinder in jungen Jahren mit Gewalt von ihren Eltern und ihrer Familie getrennt werden und so später weder wissen, woher sie kommen, noch, wie ihr eigentlicher Name lautet.
Das sechste und letzte Kapitel befasst sich mit dem Recht auf Unterbringung und Gesundheit. Es beschreibt einerseits die verheerende Situation von Kindern in Obdachlosigkeit in Thailand oder Guatemala und die daraus resultierende Tatsache des Leidens an Krankheiten, informiert den Leser andererseits auch über bestehende Institutionen und Stiftungen, die sich bestmöglich dafür einsetzen, die derzeitigen Verhältnisse zu verbessern. Vor dem Abdruck der gesamten UN-Kinderrechtskonvention endet das Buch mit einer ausführlichen Sammlung von Berichten über mögliche Ansätze von Hilfe jeglicher Art. Die Erwähnung von sportlichen Spendenläufen, Spendengalas oder Werbespots gegen sexuellen Missbrauch soll dazu aufrufen, sich gegen die Vernachlässigung und für die Durchsetzung von Kinderrechten einzusetzen.
Eingefügte Quellen über Entstehung, Entwicklung und aktuelle Vorgehensweise verschiedener bestehender Institutionen und Stiftungen informieren zusätzlich, was schon derzeit in puncto Kinderrechte getan wird.
Gut recherchierte, leicht verständliche und nachvollziehbare Berichte oder Erzählungen über zu verallgemeinernde individuelle Kinderschicksale, die sehr interessant, ergreifend und natürlich aktuell sind, werden von langen, kompliziert formulierten Sachtexten über Entstehung von Paragraphen und einzelnen Rechtsgrundsätzen unterbrochen. So wird dem Leser zwar eine abwechslungsreiche Sammlung von Informationsquellen geboten, das Lesen des Buches aber erheblich erschwert.
Das Buch ist meiner Meinung nach nur für ältere Jugendliche, die sich auch wirklich für Kinderrechte und deren Durchsetzung interessieren, geeignet. Jugendliche, die sich dann auch gewissenhaft – ganz im Sinne des Buches und der Autoren – für selbige einsetzen und sich in diesem Gebiet engagieren.
(Betreut von Dr. Ulla Stelzel)
Empfohlene Zitierweise
Reiner Engelmann / Urs M. Fiechtner: Kinder ohne Kindheit. Ein Lesebuch über Kinderrechte, Düsseldorf: Sauerländer Verlag 2006, 216 Seiten, ISBN 978-3-7941-8045-5, EUR 19,90, gelesen von Miriam Schulz. lesepunkte 4 (2009), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6803/
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Erstellt: 16.02.2009
Zuletzt geändert: 16.02.2009




