Budhos

  / lesepunkte.de / Ausgabe

Marina Budhos: Es gibt uns doch!, München: dtv pocket 2008, 208 Seiten, ISBN 978-3-423-78220-3, EUR 5,95. 

 

gelesen von Simone Knuff, 11. Klasse
Emil-von-Behring-Gymnasium, Spardorf

 

lesepunkte: ●●●○○

 


Der Roman „Es gibt uns doch!“ handelt von einer Familie aus Bangladesch, die bereits seit acht Jahren illegal in den USA lebt, denn ihr Touristenvisum ist längst abgelaufen, sie haben keinen gültigen Pass und noch keiner ihrer bisherigen Anwälte hat ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung verschaffen können. Aber sie sind zu Hause in den USA, der Vater hat Arbeit gefunden, die beiden Töchter, Aisha und Nadira, gehen auf das College, haben Freundinnen und anders als dort, wo sie herkamen, eine Zukunft.

Doch mit dem 11. September 2001 verändert sich die Situation für illegale Einwanderer, besonders Muslime, schlagartig. Während sie vorher einfach hingenommen wurden, werden sie auf einmal zu einer Bedrohung für die innere Sicherheit. Terrorismusbekämpfung und Terrorwarnung stehen im Mittelpunkt der Politik. Die Meldepflicht wird verschärft und immer mehr Leute kommen ins Gefängnis oder werden abgeschoben. Um diesem Schicksal zu entgehen, versucht die Familie in Kanada Asyl zu beantragen – erfolglos. An der amerikanischen Grenze wird der Vater sofort als Sicherheitsrisiko von der Einwanderungsbehörde festgenommen und kann nur gegen eine Kaution wieder freigelassen werden. Nun soll die Sachlage überprüft werden und eventuell ein Abschiebungsverfahren eingeleitet werden. Während die Mutter in einer Notunterkunft bleibt, fahren die Mädchen vorerst wieder nach New York zu einer Tante. 

Jetzt verbindet die beiden sonst so unterschiedlichen Schwestern eine Aufgabe. Sie wollen nicht einfach abwarten, was geschieht, sie wollen ihrem Vater helfen. Gemeinsam besuchen sie ihren Anwalt und sammeln Unterlagen, mit denen sie die Behörden vielleicht überzeugen könnten, ihren Vater freizulassen und ihnen das Bleiberecht zu genehmigen. Währenddessen aber wird der Fall immer aussichtsloser: Die Kaution wird abgelehnt, weil die Behörden feststellen, dass im Antrag auf Bleiberecht falsche Angaben über den Wohnsitz stehen. Außerdem hat der Vater einer Moschee eine namentlich gekennzeichnete Geldsumme gespendet, was als politisches Engagement gewertet werden kann.  

Des weiteren hat ein Asyl-Antrag in den USA im Grunde keine wirkliche Chance mehr, weil sie bereits in Kanada um Asyl gebeten haben. Und als dann Aisha und Nadira die Unterlagen an die Behörde der Inneren Sicherheit und andere offizielle Stellen schicken, bekommen sie keine Antwort. Während Aisha, eigentlich immer stark und zielstrebig, zusehends resigniert, ist es auf einmal Nadira, die weiterkämpft und es schließlich sogar schafft, ihren Vater freizubekommen. Allein fährt sie zu dem Ort an der Grenze, in dem die Verhandlungen stattfinden sollen und verteidigt ihren Vater, indem sie ein Missverständnis aufklärt. Der Vater wird nun endlich wieder freigelassen, sie müssen aber noch einmal zu einem Berufungsverfahren wegen des Bleiberechts. Doch sie haben Glück und geraten an eine nette Richterin, die ihnen das Bleiberecht gewährt, und endlich dürfen Nadira, Aisha und ihre Eltern die USA wirklich ihre Heimat nennen. Aber nicht nur das, sie wenden sich auch an die Öffentlichkeit. Denn wie sollen die Amerikaner die illegalen Einwanderer jemals verstehen können, wenn sie nicht wissen, wer diese Leute sind? Als Abschlussrednerin ihres College erzählt sie ihre Geschichte.

Das Buch ist aus Nadiras Sicht geschrieben und man kann sich auch sehr gut in sie hineinversetzen, dennoch fehlt ein bisschen die Spannung in dem Buch. Eigentlich hätte ich erwartet, dass es einen von Anfang an mehr in seinen Bann zieht, und war etwas enttäuscht. Außerdem ist das Buch im Präsens geschrieben, was den Einstieg eigentlich erleichtern soll, mich aber anfangs eher gestört hat. Man gewöhnt sich dann aber daran. 

Besonders interessant in dem Buch ist auch die Beziehung der beiden Schwestern. Die sonst eher zurückhaltende Nadira, die vorher immer in Aishas Schatten steht, lernt endlich ihre Stärken kennen und die anderen beginnen diese an ihr zu bemerken und zu schätzen. Außerdem finden die beiden Mädchen, die vorher meist nur nebeneinander hergelebt haben, mehr zueinander. Sie verstehen sich besser und es entsteht eine gewisse Gleichberechtigung zwischen ihnen, keine steht mehr im Schatten der anderen. Darum finde ich, dass man das Buch durchaus Leserinnen und Lesern empfehlen kann, die sich nicht nur für spannende Geschichten interessieren. 

(Betreut von Emil Wanek) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Marina Budhos: Es gibt uns doch!, München: dtv pocket 2008, 208 Seiten, ISBN 978-3-423-78220-3, EUR 5,95, gelesen von Simone Knuff. lesepunkte 4 (2009), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6799/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.02.2009

Zuletzt geändert: 16.02.2009