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Christine Biernath: Leben auf Sparflamme, Stuttgart: Gabriel Verlag 2008, 192 Seiten, ISBN 978-3-522-30147-3, EUR 12,90.
gelesen von Annkathrin Hornung, 11. Klasse
Emil-von-Behring-Gymnasium, Spardorf
lesepunkte: ●●○○○

In dem Buch "Leben auf Sparflamme" von Christine Biernath schildert die 15-jährige Jessica ihr Leben und das ihrer Familie am Rande des Existenzminimums.
Das Mädchen, ihre Eltern und ihre zwei kleinen Geschwister, Alex und Emma, haben eigentlich in guten Verhältnissen in einem Haus in einer Kleinstadt gelebt, bis der Vater seine Arbeit verliert und arbeitslos wird. Die Familie kann ihr altes Leben mit Haus, Auto und Urlaub nicht mehr aufrecht erhalten und sieht sich gezwungen, in eine kleine Wohnung in die Großstadt zu ziehen. Unter anderem auch, um vor ihrem alten Umfeld zu fliehen.
Für die Familie bedeutet dies eine komplette Lebensumstellung und jedes Familienmitglied geht auf seine eigene Weise mit der Situation um. So ist der Vater zu nichts mehr in der Lage, sitzt nur noch vor dem Fernseher und überlässt alles der Mutter. Diese versucht verzweifelt alles zu organisieren und sich um das Geld zu kümmern, doch kommt sie sich von ihrem Mann im Stich gelassen vor. Die Eltern streiten sich deshalb immer öfter, was auch die Kinder allzu deutlich mitbekommen. Während Emma, die Jüngste, die gesamte Lage nicht richtig versteht, gleitet Jessicas Bruder Alex immer weiter ab. Er verbringt seine Zeit nur noch am PC, wird beim Rauchen erwischt und von der Polizei nach Hause gebracht. Jessica selbst versucht ihre Mutter zu unterstützen, doch auch für sie ist die Situation unerträglich. Sie kommt mit ihren alten Freunden nicht mehr zurecht, weil sie dort keinen Ansprechpartner für diese Art von Problemen findet und auch an der neuen Schule fällt es ihr schwer Anschluss zu finden, da sie wegen ihrer Geldnot bei vielen Dingen, wie Kinobesuchen und Eisessen, Ausreden finden muss, da sie es sich nicht leisten kann. Nur mit Florian, einem gleichaltrigen Jungen aus ihrer Klasse, versteht sie sich von Anfang an sehr gut, denn auch seine Familie hat wenig Geld und mit ihm kann sie über ihre Probleme reden und fühlt sich dabei wohl.
Insgesamt wird sehr anschaulich herausgearbeitet, wie schwierig es ist, wenn man kein Geld hat, und trotzdem irgendwie über die Runden kommen muss. Auch wird deutlich, wie man sich schämt, auf einmal kein Geld mehr zu haben, sogar für alte, gespendete Lebensmittel anstehen zu müssen, welche früher einfach alle je nach Belieben im Supermarkt gekauft werden konnten. Es wird gezeigt, wie peinlich es für die betroffenen Personen ist, ihre Armut zu zeigen, und wie sie versuchen, sich von ihrem alten Umfeld zu distanzieren, weil sie sich zu diesem nicht mehr zugehörig fühlen. Die Autorin macht klar, dass jeder Familie so etwas in der Realität widerfahren kann. Sie zeigt so Jugendlichen am Beispiel einer konkreten Jugendlichen und deren Familie ein Problem, über das man sich in Deutschland gar nicht so sehr bewusst ist.
Allerdings wirkt das Buch durch die vielen angesprochenen Probleme, die anhand einer einzigen Familie geschildert werden, doch teilweise etwas unrealistisch. Neben den Schulden der Familie haben auf einmal auch die Großeltern Probleme mit dem Geld, da der Opa die gesamte Rente zur Ersteigerung sinnloser Gegenstände missbraucht. Schließlich lädt Jessicas Bruder Alex auch noch illegal Musik aus dem Internet herunter, was herauskommt und der Familie unbezahlbar hohe Schulden einbringt. Diese Aufhäufung von Ereignissen ist doch sehr unwahrscheinlich, was auch den Schluss beeinflusst, so dass das Buch dadurch doch sehr verliert.
Am Ende sind die Charaktere des Buches nämlich in so viele Probleme verstrickt, dass eine Lösung, eingebaut in den Handlungsverlauf des Buches, unmöglich scheint. Aber die Autorin findet dann am dramatischsten Punkt des Buch plötzlich eine komplette Lösung für die gesamten Probleme und lässt das Buch recht abrupt enden. Woraufhin der Leser sich fragt, warum der Konflikt überhaupt entstehen konnte, wenn die Lösung doch so offensichtlich war.
Alles in allem beschreibt die Autorin ein "Leben auf Sparflamme" sehr schön, gerade weil das Jugendbuch aus der Sicht einer Fünfzehnjährigen erzählt ist. Jedoch ist das Buch mit seiner sehr kurzen und in großen Buchstaben geschriebenen Geschichte doch eher etwas für jüngere Leser. Auch, weil es sehr einfach und plakativ geschrieben ist und letztlich zu wenige Facetten innerhalb der Geschichte zu erkennen sind.
(Betreut von Emil Wanek)
Empfohlene Zitierweise
Christine Biernath: Leben auf Sparflamme, Stuttgart: Gabriel Verlag 2008, 192 Seiten, ISBN 978-3-522-30147-3, EUR 12,90, gelesen von Annkathrin Hornung. lesepunkte 4 (2009), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6797/
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Erstellt: 16.02.2009
Zuletzt geändert: 16.02.2009




