Ginz

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Petr Ginz: Prager Tagebuch 1941-1942, Berlin: Bloomsbury 2007, 192 Seiten, ISBN 978-3-827-05245-2, EUR 12,90. 

 

gelesen von Lorenz Hartl, 9.Klasse
Wernher-von-Braun-Gymnasium Friedberg

 

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Das „Prager Tagebuch“ handelt von dem jüdischen Jungen Petr Ginz, der zur Zeit der Nationalsozialisten in Prag lebt und in seinem Tagebuch eine detaillierte und bewegende Schilderung seines Lebens von 1941–1942 liefert. Das Diarium beginnt 1941 in Prag und endet 1942, kurz bevor Ginz nach Theresienstadt kommt. In Theresienstadt ist Ginz maßgeblich an einer jugendlichen Untergrundzeitung beteiligt. 1944 wird Petr dann in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Im Laufe des Tagebuchs erlebt der Leser, wie die Stadt Prag, die Petr vertraut war, mehr und mehr zu einem Ghetto ohne Mauern für ihn und seine Familie wird. Juden werden zunehmend diskriminiert und aus der Gesellschaft, der sie seit Jahrhunderten angehörten und die sie auf vielfältige Weise geprägt hatten, ausgegrenzt. Im Buch werden nach der letzten Eintragung vom 9. August 1942 nun Eindrücke von seiner Schwester, Chava Pressburger, auch in Form eines Tagebuchs, wiedergegeben. Es sind außerdem noch Kurzgeschichten und Erzählungen aus der Feder von Petr Ginz hinzugefügt, der sich damit als Autor einen Namen gemacht hat. 

Zuerst könnte man meinen, das „Prager Tagebuch“ ist nur ein weiteres von vielen Büchern über die nationalsozialistische Zeit. Doch beim weiteren Lesen fällt auf, dass das „Prager Tagebuch“ bei seiner Entstehung nicht den Anspruch hatte, ein literarisches Werk zu werden, sondern einfach nur als Protokoll eines Lebens gedacht war. Meiner Meinung nach ist dieses Buch für alle, die sich für die Schicksale von Juden während der Hitlerzeit interessieren, ein sehr gutes und wichtiges Zeitdokument. Allerdings ist das Buch wegen der sehr knappen Einträge und der oft unvollständigen Sätze bisweilen eine etwas schwierige Lektüre, die sich teilweise auch etwas monoton gestalten kann. 

Aber das ist auch durchaus verständlich, da ja nie der Anspruch von Ginz gestellt wurde, dass irgendjemand sein Tagebuch lesen soll. In Buchform publiziert wurde es erst, nachdem man es vor einigen Jahren auf einem Prager Dachboden wieder entdeckte. So ist das Buch vor allem eine großartige Quelle der damaligen Zeit. Das ergreifende Einzelschicksal muss der Leser   jedoch selbst in größere Zusammenhänge einordnen. Was in dem Buch zusätzlich die Tragik des Petr Ginz bewusst macht, sind die Familienbilder ganz am Ende, wodurch dem Erzähler dieser Geschichte ein Gesicht verliehen wird.

So erhält das Buch „Prager Tagebuch 1941-1942“ von mir drei Punkte wegen seines hohen kulturellen Werts und der ergreifenden Schilderung vieler Schicksale, nicht nur von Petr Ginz selbst, sondern auch aus seiner Umgebung. 

(Betreut von Dr. Christof Paulus) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Petr Ginz: Prager Tagebuch 1941-1942, Berlin: Bloomsbury 2007, 192 Seiten, ISBN 978-3-827-05245-2, EUR 12,90, gelesen von Lorenz Hartl. lesepunkte 3 (2008), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6659/

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Erstellt: 15.12.2008

Zuletzt geändert: 15.12.2008