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Kevin Crossley-Holland: Artus-Trilogie
Band 1: Artus. Der magische Spiegel, München: dtv extra 2003, 424 Seiten, ISBN 978-3-423-70797-8, EUR 12,00.
Band 2: Artus. Zwischen den Welten, München: dtv extra 2004, 480 Seiten, ISBN 978-3-423-70878-4, EUR 11,00.
Band 3: Artus. Im Schatten des Kreuzes, München: dtv extra 2006, 512 Seiten, ISBN 978-3-423-70978-1, EUR 10,00.
gelesen von Matthias Thomas, 10. Klasse
Martin-von-Cochem-Gymnasium, Cochem
lesepunkte: ●●○○○

Die Artus-Sage spielt eigentlich um das Jahr 500 herum. In einer neuen Artus-Trilogie hat der Autor Kevin Crossley-Holland nun eine andere Zeit mit einem Namensvetter von Artus gewählt, um den alten Stoff neu zu erzählen. Der „neue“ Artus, der um das Jahr 1200 lebt, erfährt von der Artus-Sage auf wundersame Weise. Bevor ich auf die einzelnen Bände der Trilogie eingehe, will ich aber erst den historischen Hintergrund von diesem neuen Artus skizzieren.
Immer wieder kommt es im Grenzland zwischen England und Wales zu bewaffneten Zusammenstößen der beiden Völker. Um zu vermeiden, dass England von dieser Seite aus vom Feind angegriffen wird, errichtetet man viele Burgen in dieser Gegend. Burgherren in diesem Landstrich sind nicht zu beneiden, müssen sie doch immer mit einem Angriff rechnen. In diesem Landstrich wächst der junge Artus auf und wird Knappe. Eine unruhige Zeit, nicht nur durch den Tod von König Richard Löwenherz und die damit verbundene Thronfolge, nach der dessen Bruder John an seine Stelle tritt. Dieser unterjocht das Volk auf grausame Weise und erhebt viel zu hohe Steuern.
Der 3. Kreuzzug ist bereits gescheitert und der 4. wird gerade von Papst Innozenz III. ausgerufen. Als sich der Ritter von Artus dazu entschließt, am Kreuzzug teilzunehmen, muss auch Artus mit nach Frankreich ziehen, wo sich die Ritter zum 4. Kreuzzug versammeln. Doch von Anfang an zeichnet sich ein Scheitern des Kreuzzugs ab. Denn es kommt nur ein Drittel der Ritter, das sich dem Kreuzzug verschrieben hat: Damit ist nicht genügend Gold da, um die Venezianer zu bezahlen, welche die Schiffe für die Kreuzritter gebaut haben. Der Doge von Venedig hat einen Plan: Zarra, eine Stadt in seiner Umgebung, weigert sich, Venedig als mächtiger anzuerkennen. Die Kreuzritter sollen diese Stadt nun für Venedig erobern. Der Papst ist dagegen und teilt dies in einem Brief mit, welcher von den Heerführern des Kreuzzugs aber anders ausgelegt wird, als er gemeint war. Das eigentliche Ziel des Kreuzzugs war Ägypten, doch als mit Konstantinopel eine zweite christliche Stadt angegriffen wird, hat der Kreuzzug sein ursprüngliches Ziel längst verfehlt und scheitert erneut.
Artus wächst als der zweitgeborene Sohn von Sir John auf, dem Burgherrn von Caldicot, welcher über ein Gebiet herrscht, das an der Grenze zu Wales liegt. Artus ist ein natürlicher Junge, der nicht immer das tut, was die Erwachsenen sagen. Er versteht es nicht, warum er dem „einfachen Volk“ nicht helfen darf. Während sein Bruder Serle schon früh als Knappe zu Lord Stephen gehen darf, einem Freund seines Vaters, schweigen sich seine Eltern über sein zukünftiges Schicksal aus. Er befürchtet, dass er den Weg eines Gelehrten oder Mönches gehen soll.
Der Zauberer Merlin, ein weiser Freund von Sir John, glaubt jedoch an Artus und dessen Fähigkeiten und unterstützt ihn bei allem, was er tut. Er schenkt ihm auch einen Stein aus dem vulkanischen Gesteinsglas Obsidian (welchen Artus auch nach diesem Material „Obsidian“ benennt). Dieser spiegelnde Stein zeigt ihm eine vergangene Welt: das Leben des Königs Artus von Camelot, der um 500 n. Chr. lebte. Eine Zeit, die lange vor der Zeit des Artus de Caldicot lag, und obwohl es dem legendären König Artus sogar bestimmt war, König von Britannien zu werden, fühlt sich unser Artus irgendwie mit ihm verbunden. Denn immer wieder tauchen Parallelen zwischen den beiden auf. Artus muss erkennen, dass es dauert, bis man die wahre Bestimmung seines Lebens erkennt.
Im Buch „Artus. Der magische Spiegel“ nimmt Crossley-Holland den Stoff der Artus-Sage auf und schreibt ihn aus einem anderen Blickwinkel, dem Blickwinkel eines Jungen, der auf den ersten Blick gar nicht so heldenhaft zu sein scheint. Diese neue Sicht der Dinge beschreibt der Autor nicht schlecht. Auf den ersten Seiten kommt man auf den Gedanken, dass es sich um eine weitere Artus-Sage handelt, die zusätzlich das Leben des Artus von Camelot beschreibt , doch das Buch „Artus. Der magische Spiegel“ hat ein Eigenleben, das man nicht verkennen darf. Schon allein die Erzählzeit, in der das Buch spielt, lässt es nicht zu, dass es zu einer Neuauflage der altbekannten Sage wird, denn der Artus aus dem Buch lebt zur Jahrhundertwende des 13. Jahrhunderts. Doch so schön die Idee der gespiegelten Geschichte auch ist, so schlecht ist sie umgesetzt. Das Buch ist weder gut noch schlecht, so richtig überzeugen kann es jedenfalls nicht. Die Schreibweise ist zäh, ich fand die Lektüre ermüdend und hatte deshalb Probleme, dem roten Faden zu folgen.

Im Folgeband „Artus. Zwischen den Welten“ sieht der nun 14-jährige Artus de Caldicot in seinem magischen Obsidian, wie Artus von Camelot zum König gekrönt wird. Während dieser immer fantastischere Abenteuer mit den Rittern der Tafelrunde erlebt, steht auch dem jungen Knappen Artus de Caldicot eine aufregende Reise bevor. Er soll am 4. Kreuzzug ins Heilige Land teilnehmen. Britannien um 1200: Richard Löwenherz' Nachfolger John ist ein ungerechter König, die Menschen ächzen unter der Steuerlast und Papst Innozenz III. ruft zum 4.Kreuzzug auf. Artus kommt seinem Wunsch ein Ritter zu werden immer näher, denn Lord Stephen hat seinen Vater überredet, dass er als Knappe bei ihm lernen darf. Voller Begeisterung stürzt sich der junge Artus in sein neues Leben am Hof von Lord Stephen und erlernt die Fähigkeiten, die ihm als Junker abverlangt werden, wie zum Beispiel das Schwertkämpfen, Kochen, Singen und Dichten. Sir John erzählt Artus schließlich eines Abends, dass er nicht sein leiblicher Sohn ist, sondern der Sohn seines Bruders Sir William, einem grobschlächtigen Kreuzfahrer von 64 Jahren, der ein sehr brutale Mann ist. Seine Mutter sei eine unbekannte Frau. Man vermute, dass Artus' Vater den Mann seiner Geliebten umgebracht habe, um diese in seine Gewalt zu bekommen.
Seine Ausbildung zum Ritter hat nun jedoch vorderste Priorität und Artus erfährt einiges über die Pflichten eines Ritters, lernt aber auch dessen Rechte kennen. Eines Tages kommt Lord Stephens Nichte Winnie zu Besuch, in die sich Artus Hals über Kopf verliebt. Schließlich folgt er seinem Herrn, Lord Stephen, nach Frankreich, dem Sammelpunkt der Kreuzfahrer. Dort schwört er auf das Kreuz. Er kann es kaum erwarten, reich und berühmt zu werden, wie es den Kreuzfahrern versichert wird. Gleichzeitig zeigt ihm sein magischer Obsidian immer unglaublichere Bilder und neue Geschichten des sagenumwobenen Königs Artus von Camelot, mit dem der junge Knappe Artus de Caldicot auf rätselhafte Weise verbunden ist...
Das Buch „Artus. Zwischen den Welten“ beschreibt, wie beide Hauptpersonen namens Artus aufwachsen und erwachsen werden, doch schon auf den ersten Seiten bemerkt man eine klaffende Lücke zwischen Band eins und zwei. Auch diesmal lassen sich viele Parallelen zwischen den beiden Welten finden.
Wie schon beim Vorgängerband ist jedoch auch hier kaum ein roter Faden zu finden, es ist eher noch schwerer, ihm zu folgen. Bei vielen Beschreibungen scheint es, dass sie vor allem seitenfüllend sein sollen, um das Buch voll zu bekommen. Ebenso zäh liest es sich dann auch. Auch durch die erzählerische Form, die der eines Tagebuches gleicht, gelingt es nicht wirklich Spannung aufzubauen.

Venedig, 1202: Artus de Caldicot – inzwischen 16 Jahre alt – hat es endlich geschafft. Er ist am Ziel seiner Träume angelangt: In einem feierlichen Akt wird er von Milon, einem der Anführer des Kreuzzugs, zum Ritter geschlagen und kann es kaum abwarten, zur heiligen Stadt Jerusalem zu ziehen, um arabische Feinde zu vertreiben, bis er merkt, dass auch sie Menschen sind und dass die Wirklichkeit des Kreuzzuges mit Ruhm und Ehre kaum etwas zu tun hat. In ihrem Lager vor Venedig auf der Insel Saint Nicholas geht alles drunter und drüber, es gibt ewige Rivalitäten zwischen den einzelnen Nationen, die am Kreuzzug teilnehmen. Als dann auch noch sein Vater Sir William mit Serle auftaucht, Artus' Ziehbruder, ist das Chaos vorprogrammiert.
Nur ein Drittel der Ritter, die sich zum Kreuzzug verpflichtet haben, sind angekommen. Der Doge von Venedig erklärt sich einverstanden, die Kreuzfahrer auszahlen zu lassen, wenn sie für ihn Zarra einnehmen, eine kleine, von Venedig unabhängige Stadt. Die Kreuzfahrer willigen ein, da sie keine andere Möglichkeit sehen, die Schiffe, die sie von der Stadt Venedig haben bauen lassen, zu bezahlen. Doch der Papst Innozenz III. billigt diesen Angriff der Christen gegen Christen nicht, muss aber letztendlich einsehen, dass es keine andere Lösung gibt; die Stadt wird nach zweiwöchiger Belagerung eingenommen. Gleichzeitig muss Artus mitansehen, wie auch in der Welt seines Namensvetters, des sagenhaften König Artus, der Kampf um die Macht seine ideal aufgebaute Welt zu zerstören droht. Noch immer sucht er nach der Erklärung, auf welche Weise sein eigenes Leben mit dem der Ritter der Tafelrunde verbunden ist. Eine letzte große Begegnung mit dem Zauberer Merlin bringt ihn zu einer erstaunlichen Erkenntnis…
Der dritte und letze Band „Artus. Im Schatten des Kreuzes“ erfüllte meine Erwartungen nach der Lektüre der ersten beiden Bänden. Er ist ebenso zäh und nicht klar verständlich. Und auch zwischen Band zwei und Band drei gibt es wieder eine große Lücke. Der Autor schreibt in seinem Nachwort „Anmerkung des Autors“: Seit 15 Jahren beschäftigt mich die Idee, die Legende um König Artus, eingebettet in eine fiktionale Rahmenhandlung, nachzuerzählen. Dies wird an manchen Stellen gut umgesetzt, doch misslingt das Gesamtprojekt am zähen Schreibstil und den großen Lücken zwischen den Bänden. Für die Idee hätte auch ein einziges Buch genügt. Ich gebe den Büchern zwei Punkte.
(Betreut von Oliver Simon)
Empfohlene Zitierweise
Kevin Crossley-Holland: Artus. Der magische Spiegel, München: dtv extra 2003, 424 Seiten, ISBN 978-3-423-70797-8, EUR 12,00, gelesen von Matthias Thomas. lesepunkte 3 (2008), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6677/
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Erstellt: 16.12.2008
Zuletzt geändert: 16.12.2008




