Parigger

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Harald Parigger: Caesar und die Fäden der Macht (Arena Bibliothek des Wissens), Würzburg: Arena Verlag 2006, 144 Seiten, ISBN 978-3-401-05979-2, EUR 8,95. 

 

gelesen von Pascal Schneiders, 11. Klasse
Martin-von-Cochem-Gymnasium, Cochem

 

lesepunkte: ●●●○○

 


Das Buch spielt hauptsächlich im Alten Rom zur Zeit Caesars (100-44 v.Chr.). In dieser Zeit erlebte der einstige Sklave Eusebios Gibber, mittlerweile ein freier griechischer Lehrer, einen ganz besonderen Part seiner Vergangenheit, den er seinen Schülern erzählt, die gerade gelangweilt vor ihm sitzen: Vor 30 Jahren musste er als Sklave im Alten Rom für einen widerwärtigen Regierungsbeamten namens Tertius Salvius Stolidus arbeiten, um die neuesten Geschehnisse der Metropole in Erfahrung zu bringen.

So kam es, dass Eusebios von einer Verschwörung gegen den damaligen Machthaber Gaius Julius Cäsar hörte, doch alle Versuche, seinen Besitzer zu warnen, stießen auf Unverständnis. Deshalb entschied sich der bucklige Sklave, die Sache alleine in die Hand zu nehmen. Im weiteren Verlauf der Erzählung erkennt Gibber, dass Stolidus selbst in die Verschwörung verwickelt ist. Deshalb überlegt er, ob es gerechtfertigt ist, einen Diktator zu töten, der zwar die alleinige Macht anstrebt, aber Rom auch zu Wohlstand verholfen hat. Schließlich gelingt es dem Sklaven nicht, die Ermordung Caesars zu verhindern. 

Meiner Meinung nach ist diese Mischung aus Roman und Sachbuch empfehlenswert, da sie in einer gut verständlichen Sprache gehalten ist. Sogar einige lateinische Begriffe, die natürlich übersetzt und teils erklärt sind, kommen vor. Das Buch ist in neun Erzählkapitel und 19 Sachkapitel eingeteilt und enthält ein Glossar sowie eine Zeittafel. 

Nach jedem erzählenden Kapitel steht ein inhaltlich analoger Sachtext (z.B. über die römische Götterverehrung, nachdem in der Geschichte eine Prozession für einen Gott stattgefunden hat). Dies beeinträchtigt jedoch etwas den Lesefluss der Geschichte. Dabei enthalten die Sachtexte auch relativ unbekannte Themen wie zum Beispiel „Mode im alten Rom“. 

Interessant ist weiterhin die eher ungewöhnliche Hauptfigur der Geschichte: ein Sklave. So sind neue, unbekannte Perspektiven möglich, ein Blick in den römischen Alltag wird gezeigt. Auch die witzigen Kommentare Gibbers (43: „Sauer wie Männerschweiß und trüb wie Tiberwasser.“ -  hier bewertet der Sklave einen offensichtlich schlechten Wein) sind als Pluspunkt zu vermerken. Ferner vermittelt das Buch überzeugend die Arroganz Caesars, die ihn in riskante Situationen bringt (60: „Caesar aber hatte sich schon wieder abgewandt, eine grobe Unhöflichkeit,...“ wird sein Verhalten bei einer Senatsversammlung beschrieben). Diese Arroganz bezieht Gibber später in eine Unterhaltung mit einem Freund ein, wo sie auch über die Vor- und Nachteile von Caesars Machtübernahme reden.

Diese Diskussion ist meiner Ansicht nach der beste Teil des Buches. Es treten Punkte wie „Ist Caesar ein Tyrann, der sein Leben verwirkt hat, weil er Rom einer Willkürherrschaft unterwirft?“ (104) oder „er hat die Schulden vermindert und die Mieten gesenkt“ (105) auf. „Darf eine Person, die Frieden und Wohlstand mit Gewalt durchsetzen will, Lenker eines Staates sein, zumal sie sich selbst überschätzt?“ ist in diesem Gespräch also die spannende Frage. 

Die Geschichte selbst ist solide konstruiert und unterhaltsam. Dass Tertius Stolidus ein Mitverschwörer an der Ermordung Caesars ist, kann man als überraschenden, jedoch auch als einzigen Wendepunkt sehen.  

Eine schöne Botschaft des Buches ist, dass auch die „kleinen und unwichtigen“ Leute wie beispielsweise Gibber, obwohl er eine fiktive Figur ist, eine große Rolle in der Weltgeschichte spielen können. Meiner Meinung nach könnte Gibber sich jedoch mehr mit seinem Schicksal als Sklave beschäftigen, er scheint sich einfach damit abgefunden zu haben. Außerdem kennt der Leser den Ausgang, den plötzlichen Tod Caesars, bereits. 

Das Layout des Buches ist ansprechend: Auf dem Cover erkennt man Caesar, der auf einer Art Stuhl sitzend Marionetten-Soldaten, vielleicht die Armee Roms, die er wortwörtlich in der Hand hatte, bewegt. Eine Marionette, vermutlich ein Mitglied des rebellierenden Senats, ist frei und hat ein Beil in der Hand. Bereit, damit auf den übergroßen, mächtigen Caesar einzuschlagen. Hiermit wird also die gefährliche Lage Caesars dargstellt. Des Weiteren sind auch die informative Zeittafel sowie das Glossar gelungen; ebenso die im Buch enthaltenen Bilder, die teils aus Zeichnungen, teils aus Fotos bestehen. 

Fazit: Die Geschichte ist ansprechend und zum Buch von Harald Parigger lassen sich nur wenige Kritikpunkte finden. Die Sachtexte behandeln originelle und eher unbekannte Themen und sind mehr als nur eine trockene Aneinanderreihung von Jahreszahlen wichtiger Ereignisse. 

(Betreut von Oliver Simon) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Harald Parigger: Caesar und die Fäden der Macht (Arena Bibliothek des Wissens), Würzburg: Arena Verlag 2006, 144 Seiten, ISBN 978-3-401-05979-2, EUR 8,95, gelesen von Pascal Schneiders. lesepunkte 3 (2008), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6136/

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Erstellt: 27.10.2008

Zuletzt geändert: 27.10.2008