Richter

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Hans Peter Richter: Damals war es Friedrich (Hörbuch, gelesen von Michael Degen), Seefeld: Uccello Verlag 2006, 3 CDs, ISBN 978-3-937337-16-6, EUR 19,90. 

 

gehört von Regine Pätzel, 9. Klasse
Gymnasium bei St. Anna, Augsburg

 

lesepunkte: ●●●●○

 


„Warum?“ - „Weil Sie Jude sind!“ Dieser Satz, den die Familie Schneider immer wieder zu hören bekommt, zieht sich wie ein Leitmotiv durch das ganze Buch hindurch, das ich seiner Chronologie nach vorstellen möchte:

1925: Geburt Friedrich Schneiders und seines namenlosen nichtjüdischen Freundes im Hause des Herrn Resch. Die Eltern des Freundes wohnen im 1. Stock, im 2. wohnt Familie Schneider. Nach den beiden Geburten lernen sich die Familien näher kennen. 

Ab 1929: Die beiden Jungen spielen intensiv miteinander und werden einander vertraut. 

1930: Mutters Vater, Eisenbahner, kommt zu Besuch. Seine konservative und antisemitische Einstellung beeinflusst das Familienleben. Trotz Verbots spielen die Kinder zusammen Sabbat. 

1931: Schulanfang. Die Familien besuchen nach dem 1. Schultag den Rummelplatz. Es entsteht ein Erinnerungsfoto. 

Ab 1933: Das Umfeld wird zunehmend judenfeindlich. Friedrich besucht mit seinem Freund eine Jungvolkversammlung. Als er den Satz „Die Juden sind unser Unglück" wiederholen soll, verkehrt er ihn ins Gegenteil und rennt davon. Resch will Familie Schneider kündigen. Begründung: „Weil Sie Jude sind!“ - Aus dem gleichen Grund verliert Herr Schneider seine Arbeitsstelle. Seine Frau bekommt zunehmend Angstzustände. Gerichtsverhandlung Resch  gegen Schneider: Resch zieht schließlich die Klage zurück - noch funktioniert die Justiz. Herr Schneider findet auch wieder Arbeit. Der Vater des Freundes tritt der NSDAP bei.

1934: Lehrer Neudorf erzählt anlässlich der Versetzung Friedrichs in eine Judenschule nach dem Unterricht den Schülern von der Judenvertreibung: „Juden sind tüchtig, denn nur Tüchtige können eine 2000 Jahre währende Vertreibungsphase überstehen. Juden sind Menschen wie wir.“ Die Versetzung Friedrichs sieht er daher als bloße Veränderung, nicht aber als Bestrafung. Friedrich und der Lehrer bleiben Freunde. 

Nach dem 15.9.1935: Als Folge der ,,Nürnberger Gesetze", die anlässlich des 7. Reichsparteitages der NSDAP von Reichspräsident Hermann Göring verkündet wurden, kündigt die Putzfrau, Frau Penk, bei Familie Schneider. Ab jetzt dürfen Nichtjuden unter 45 Jahren nicht mehr für Juden arbeiten. 

1936: Der Vater rät Herrn Schneider zu fliehen, solange dies noch möglich ist. Dieser will jedoch nicht, weil sie zum einen Deutsche seien und er zum anderen die Todesgefahr für Juden im Mittelalter weitaus höher einschätzt als im 20. Jahrhundert. Vorsorglich bittet er aber den Vater, sich gegebenenfalls seiner Frau und Friedrich anzunehmen.

1938: Friedrich darf zum ersten Mal aus der Tora vorlesen und ist nunmehr ein vollwertiges Mitglied der jüdischen Gemeinde. Er bekommt eine Uhr vom Vater und einen Füller mit seinem Namenszug von Lehrer Neudorf. Während eines Gewaltmarsches im Sportunterricht müssen Schüler die entgegenkommende Judenklasse Friedrichs verspotten, indem sie singen „Krumme Juden zieh’n dahin, daher. Sie zieh'n durchs Rote Meer. Die Wellen schlagen zu; die Welt hat Ruh!“ 

9. November 1938: Reichspogromnacht (Es gab über 1300 Tote). Auch Friedrichs Freund lässt sich in den Sog der Zerstörung ziehen: ,,Alles war seltsam erregend. Keiner leistete Widerstand.'' Auch bei Schneiders wird alles zerstört. Mutter Schneider stirbt aus Verzweiflung. Vater und Sohn verändern sich stark in ihrer Persönlichkeit. Dem Erzähler kommen sie fremd vor. 

1940: Trotz Verbot geht Friedrich ins Kino. Das bringt ihn beinahe ins KZ. 

1941: Friedrich verliebt sich in die Nichtjüdin Helga, beendet aber aus Sorge um sie die Beziehung. Der Erzähler beobachtet, dass die Schneiders einem Rabbi Unterschlupf gewähren. Er verrät sie nicht. Die Polizei verhaftet Vater Schneider und den Rabbi dennoch. Friedrich war gerade nicht zu Hause. Als er heimkommt, ertappt er Resch beim Plündern und bezeichnet ihn deshalb als „Fledderer“ ... er flieht und hält sich versteckt. 

1942: Friedrich kehrt zur Familie des Freundes zurück. Er bittet um das Bild vom Jahrmarkt, um eine Erinnerung an seine Eltern zu besitzen. Während das Bild gesucht wird, nimmt Friedrich ein Bad. Als die Sirenen losgehen, muss die Familie ohne ihn in den Bunker. Er will folgen, wird aber von Luftschutzwart Resch nicht hineingelassen. Ein Feldwebel setzt sich erfolglos für ihn ein. Friedrich kommt beim Luftangriff ums Leben. Als Resch ihn entdeckt, sagt er nur: „Sein Glück, dass er umgekommen ist!“ 

„Und warum das Ganze?“ - „Weil sie Juden sind!“ 

Hans Peter Richter, der 1926 geboren wurde, somit ein Zeitgenosse Friedrichs war, schrieb dieses Buch, das sich weltweit 2 Millionen Mal verkaufte, 56 Mal neu aufgelegt und in 13 Sprachen übersetzt wurde. Es erschien als Jugendbuch erstmals 1961. Er bedient sich einer sehr zurückhaltenden Sprache, enthält sich meist Wertungen. Dadurch wird der Schrecken der Ereignisse noch verstärkt. 

In gleicher, zurückhaltender Weise liest Michael Degen den Roman vor: unaufgeregt und ruhig, aber eindringlich. Ich verleihe dem Hörbuch ,,Damals war es Friedrich“ von Hans Peter Richter vier Lesepunkte, weil es gut verständlich und trotz der tragischen Thematik kurzweilig über die Lage der Juden in der Nazizeit aufklärt. 

(Betreut von Dr. Claudia Weiser) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Hans Peter Richter: Damals war es Friedrich (Hörbuch, gelesen von Michael Degen), Seefeld: Uccello Verlag 2006, 3 CDs, ISBN 978-3-937337-16-6, EUR 19,90, gehört von Regine Pätzel. lesepunkte 3 (2008), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6059/

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Erstellt: 13.08.2008

Zuletzt geändert: 13.08.2008