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Harald Parigger: Barbara Schwarz und das Feuer der Willkür. Ein Fall aus der Geschichte der Hexenverfolgungen (Arena Bibliothek des Wissens), Würzburg: Arena Verlag 2007, 144 Seiten, ISBN 978-3-401-06124-5, EUR 8,95.
gelesen von Linda Förster, 7. Klasse
Emil-von-Behring-Gymnasium Spardorf
lesepunkte: ●●●○○

Die Hexenverfolgung in Deutschland erreichte im fränkischen Bistum Bamberg in den Jahren 1620 bis 1630 ihren Höhepunkt. Die meisten Opfer dieser Nachstellungen waren Frauen. So auch Barbara Schwarz, deren Schicksal in diesem Buch nachgezeichnet wird.
Wie kam es zu den Hexenverfolgungen? Seit dem späten Mittelalter hörte man in der Bevölkerung zunehmend Kritik an der Kirche und ihrer Machtstellung. Die Kirche selbst reagierte darauf immer besorgter und heftiger, weil sie befürchtete, ihren Einfluss auf die Menschen zu verlieren. Den Kritikern wurde vorgeworfen, sie hätten einen Bund mit dem Teufel geschlossen. Sie wurden als Hexe bzw. Hexer gebrandmarkt, verfolgt und oftmals auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt. Nicht selten traf es auch Menschen, die keinerlei Kritik an der Kirche geübt hatten und trotzdem – vielleicht sogar von Nachbarn – denunziert worden waren.
So geschah es auch mit der Hauptfigur des vorliegenden Buches, der Bambergerin Barbara Schwarz. Sie ist nicht etwa der Fantasie des Autors entsprungen, sondern hat nachweisbar gelebt, und zwar als Ehefrau eines Gastwirts. Sie wurde von einem Nachbarn verleumdet und bei der Kirche angezeigt. Angeblich habe sie am Hexensabbat teilgenommen. Daraufhin wurde sie von "Hexenkommissären" abgeholt und eingesperrt. Einfühlsam schildert der Autor die Ängste der Barbara Schwarz, und vor allem auch die Qualen, die sie bei den Verhören mit meist grausigen Folterungen erlitt. Doch sie war nie zu dem geforderten Geständnis bereit, wirklich eine Hexe zu sein.
Nach dreijähriger Gefangenschaft gelang ihr die Flucht. Sie fand Unterschlupf bei einem Bekannten ihrer Familie, wurde jedoch bald darauf verraten – nämlich von ihrem eigenen Mann. Er wollte keine als Hexe bezeichnete Frau in seiner Gastwirtschaft haben. So wurde sie wieder in Gewahrsam genommen. Damit endet Harald Pariggers Geschichte. Das weitere Schicksal der Barbara bleibt offen. Der Leser erfährt nicht, ob sie auf den Scheiterhaufen kam oder später eines natürlichen Todes starb.
Der Autor baut in seinem Buch von Anfang an Spannung auf, weil er keine lange Vorgeschichte erzählt, sondern gleich voll in die Story einsteigt. Er beginnt mit Barbaras Leiden als eingesperrte Hexe und springt erst dann zurück zum Ausgangspunkt der Geschichte, also zur Anzeige des Nachbarn. Geteilter Meinung kann man über das Ende des Buchs sein. Einerseits möchte man schon gerne wissen, was mit Barbara Schwarz wirklich passiert ist. Andererseits regt das offene Ende auch zum Nachdenken über das Gesamtthema Hexenverfolgung und die damalige Zeit an. Nicht ideal finde ich, dass der Autor jedem erzählenden Kapitel ein sachliches mit historischen Informationen und Abbildungen anschließt. Dies zerreisst etwas die Lese-Spannung. Besser wäre es vielleicht, die Sachtexte in einem eigenen Kapitel zusammenzufassen.
Was mir nicht gefällt, sind die Illustrationen im Innern des Buches. Sie sind mir oft zu kindisch und entsprechen meiner Meinung nach mit ihrem Comic-Charakter nicht dem Ernst des Stoffes. Positiv dagegen sind das Glossar, das eine Fülle von Begriffen aus der damaligen Zeit – die auch im vorausgehenden Text vorkommen – erläutert und eine Zeittafel vom 15. Jahrhundert bis Ende des 18. Jahrhunderts mit Kurzinformationen über den jeweiligen Zeitraum. Auch ein Inhaltsverzeichnis ist vorhanden.
Mein Gesamteindruck: Ein gut lesbares und dazu auch informatives Buch, das nicht nur historisch interessierten Schülern zu empfehlen ist. Über den behandelten Stoff Bescheid zu wissen, gehört meines Erachtens zur Allgemeinbildung.
(Betreut von Emil Wanek)
Empfohlene Zitierweise
Harald Parigger: Barbara Schwarz und das Feuer der Willkür. Ein Fall aus der Geschichte der Hexenverfolgungen (Arena Bibliothek des Wissens), Würzburg: Arena Verlag 2007, 144 Seiten, ISBN 978-3-401-06124-5, EUR 8,95, gelesen von Linda Förster. lesepunkte 3 (2008), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5911/
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Erstellt: 18.06.2008
Zuletzt geändert: 18.06.2008




