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Picasso: Über Kunst, Zürich: Diogenes Verlag 1988 (7. Auflage), 128 Seiten, ISBN 3-257-21674-2, EUR 7,90.
gelesen von Melina Lehnerer, 12. Klasse
Wilhelmsgymnasium München
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Picasso hat der Nachwelt zahlreiche bedeutende Kunstwerke hinterlassen und die Kunstentwicklung schon zu seinen Lebzeiten immens beeinflusst, allerdings ist von diesem großen Künstler kein einziges geschriebenes Wort überliefert.
Der Herausgeber Daniel Keel hat – um hier Abhilfe zu schaffen – unter dem Titel „Picasso: Über Kunst“ im Diogenes Verlag eine Sammlung von Äußerungen Picassos zusammengestellt. Sie stammen aus Katalogen, Zeitungen, Gesprächen mit Freunden wie Christian Zervos, Jerome Seckler, E. Tériade, Simone Téry, oder aus schon erschienenen Büchern über Picasso, wie beispielsweise „Leben mit Picasso“, das seine Lebensgefährtin Francoise Gilot zusammen mit Carlton Lake verfasst hat.
Picassos Zitate sind nach alphabetisch geordneten Themen, Schlagworten oder Begriffen aufgeführt. Es werden Lebensweisheiten über allgemeine Themen wie „Schönheit“, „Zukunft“, „Natur“, „Liebe“, „Licht“, „Freiheit“, „Energie“, „Einsamkeit“ oder „Porträts“ genannt oder kunstbezogene Äußerungen über Kubismus, Surrealismus, Gegenständliche und ungegenständliche Malerei. „Die Avantgarde“, „Themen in der Geschichte der Malerei“, „Über Kollegen“ und „Die Meisterwerke in den Museen“ bilden weitere Kapitel. Außerdem findet man Antworten auf oft gestellte, grundsätzliche Fragen wie „Was ist Kunst?“ oder „Was ist ein Künstler?“.
Innerhalb eines Themengebietes sind die Aussagen ohne erkennbaren Zusammenhang aufgereiht, nur jeweils mit einem Buchstaben für die Quelle versehen, die man im Anhang nachschlagen kann. Außerdem werden die Themengebiete durch insgesamt sieben Zeichnungen Picassos ergänzt.
Die einzelnen Passagen füllen eine oder mehrere Seiten und bilden ein eigenes Kapitel für sich, andere sind nur einen kurzen, aber brisanten Satz lang, wie beispielsweise das erste Zitat „Ich suche nicht. Ich finde.“ (S. 12). Deshalb ist dieses Buch keine „Abendlektüre“ wie ein Roman, den man von vorne bis hinten durchlesen kann, sondern lädt eher zum Stöbern ein.
Allerdings sind die Zitate zum Teil aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen. Zum Beispiel findet man auf Seite 16 folgende Feststellung:
„Meine Arbeit ist nicht symbolisch. Nur Guernica war es. Aber ein Wandgemälde ist nun einmal eine Allegorie. Und das ist der Grund, warum ich das Pferd, den Stier usw. benutzt habe.“
Das Zitat ist offenbar einem Gespräch entnommen. Ohne den Kontext kann man leider nur schwer nachvollziehen, was Picasso aussagen wollte.
Um einen umfassenden Einblick in Picassos Kunstverständnis, seine kunsthistorischen oder künstlerischen Einstellungen zu bekommen, ist dieses Buch nicht geeignet, da die vorliegenden Zitate die jeweiligen Themen zu kurz anschneiden.
Nichtsdestotrotz ist „Picasso: Über Kunst“ nicht nur für Picasso-Kenner und Picasso-Liebhaber eine Bereicherung, da es ein schriftlich überliefertes Dokument von Picassos Schaffen bildet, sondern es kann auch den einen oder anderen Leser durch seinen Witz und seine Frechheit zum Schmunzeln bringen.
(Betreut von Beate Pohlus)
Empfohlene Zitierweise
Picasso: Über Kunst, Zürich: Diogenes Verlag 1988 (7. Auflage), 128 Seiten, ISBN 3-257-21674-2, EUR 7,90, gelesen von Melina Lehnerer. lesepunkte 3 (2008), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5681/
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Erstellt: 05.02.2008
Zuletzt geändert: 05.02.2008




