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Anne C. Voorhoeve: Liverpool Street, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2007, 480 Seiten, ISBN 978-3-473-35264-7, EUR 16,95.
gelesen von Annina Lux, 8. Klasse
Katharinen-Gymnasium Ingolstadt
lesepunkte: ●●●●○

In dem Roman „Liverpool Street“ von Anne C. Voorhoeve wird die Geschichte der von der Autorin erdachten Franziska Mangold, die von Allen liebevoll Ziska genannt wird, erzählt.
Franziska, eine Christin mit jüdischen Vorfahren, lebt zusammen mit ihren Eltern in Berlin. Als 1939 der Krieg beginnt, wird die Familie trotz des christlichen Glaubens als jüdisch beschimpft und verfolgt. Nachdem mehrere Anträge auf Ausreise gescheitert sind, entschließen sich die Eltern, Ziska mit einem Kindertransport nach England zu schicken, wo sie vor den Grausamkeiten der Nationalsozialisten vorerst sicher sein soll. Es gelingt ihnen sogar, einen Platz für sie bekommen.
Nach einigen Bedenken willigt Franziska ein, sich von ihren Eltern und ihrer Freundin Rebekka, einer Jüdin, die allerdings keinen Platz erhielt, zu trennen und allein nach London zu reisen. Im Winter 1939 kommt sie dort am Bahnhof Liverpool Street an. Nachdem sie einige Wochen in einem Kinderheim verbracht hat, wird sie von der Familie Shepard aufgenommen. Am Anfang fällt es ihr jedoch schwer, ihre neue Familie und ihre neue Umgebung zu akzeptieren, doch mit Hilfe ihres neuen Bruders Gary und der fürsorglichen Pflege von Amanda und Matthews, ihrer Pflegeeltern, gewöhnt sie sich nach einigen Monaten ein. Sie versucht, zunächst unbemerkt, indem sie die Schule schwänzt, später mit der Hilfe der Pflegefamilie, ihre Eltern und Rebekka nachzuholen. Doch schneller als gedacht bricht auch über England der grausame Krieg herein…
Der Titel des Romans „Liverpool Street“ kommt daher, dass auf dem Bahnhof in dieser Straße viele wichtige Ereignisse spielen, die der Geschichte eine Wendung geben. So kommt Ziskas Kindertransport hier an, ihr Bruder Gary fährt von hier aus in seiner Wehrdienstzeit nach einem Heimaturlaub immer wieder zu seinem Stützpunkt zurück, Ziska wird hier zur Evakuierung gebracht, Walter, ihr jüdischer Freund, wird von dort aus in ein Internierungslager geschickt.
Alle Personen sind, wie Franziska auch, frei erfunden. Die im Buch genannten Orte und Institutionen gab es jedoch wirklich. Wenn auch die Ereignisse im Zusammenhang mit ihnen erdacht sind, hätten sich die beschriebenen historischen Geschehnisse wirklich so ereignen können. So gab es zum Beispiel Kindertransporte und Evakuierungen von Schulen.
Meiner Meinung nach ist das Buch gut gelungen, da es sehr anschaulich geschrieben ist und sich flüssig lesen lässt. Im Gegensatz zu manchen anderen Büchern, die sich mit diesem Thema beschäftigen, braucht man kein Fachwissen, um „Liverpool Street“ lesen zu können. Die wenigen jüdischen Fremdwörter, die verwendet werden, sind im Anhang am Schluss des Buches erklärt. Anne C. Voorhoeve gliedert die Ereignisse in die Zeit vor, während und nach dem Krieg ein, was sehr zur Übersichtlichkeit des Buches beiträgt. Außerdem beschreibt die Autorin die Personen, Orte und Handlung so gut, dass man sich richtig in das Geschehen hineinversetzen kann. Allerdings könnte die Spannung an manchen Stellen noch etwas weiter ausgebaut werden. Deswegen erhält „Liverpool Street“ von mir vier Lesepunkte.
(Betreut von Dr. Matthias Schickel)
Empfohlene Zitierweise
Anne C. Voorhoeve: Liverpool Street, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2007, 480 Seiten, ISBN 978-3-473-35264-7, EUR 16,95, gelesen von Annina Lux. lesepunkte 2 (2007), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5628/
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Erstellt: 13.12.2007
Zuletzt geändert: 13.12.2007




