Zitelmann

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Arnulf Zitelmann: Unter Gauklern, Weinheim: Beltz & Gelberg 2006 (22. Auflage), 192 Seiten, ISBN 978-3-407-78477-3, EUR 7,90. 

 

gelesen von Christiane Lorenz, 7. Klasse
Emil-von-Behring-Gymnasium Spardorf

 

lesepunkte: ●○○○○

 


In dem Jugendbuch „Unter Gauklern“ von Arnulf Zitelmann geht es um den Schafsjungen Martis, der verdächtigt wird, etwas mit einer Hexe zu tun zu haben und deshalb aus seinem Kloster flieht und sich Gauklern anschließt.

Im Jahr 1247 hütet Martis als Eigenjunge des Klosters Metzenau im Nördlinger Ries die Schafe. Einmal findet er dabei im Ried ein dunkelhäutiges, schwarz gelocktes Mädchen. Sie spricht eine andere Sprache und ist sehr schwach. Er bringt sie zu Babelin, einer Heilkundigen, der vorgeworfen wird, eine Hexe zu sein. Später wird sie verbrannt und Linori, das Mädchen, flüchtet. Durch unbedachte Bemerkungen kommt Martis in die Fänge der Inquisition, die ihn zu den beiden befragt. Es gelingt ihm zu fliehen. In Nördlingen begegnet er Linori wieder und bei ihr Gauklern, denen er sich anschließt.  

Auf einer Hochzeit werden die Gaukler verpflichtet, bei dem Grafen Lechsgemünd, der mit Regensburg Krieg hat, in der Fastnacht ihre Kunststücke vorzuführen. Dabei wird Martis als entlaufener Eigenjunge des Klosters erkannt und er muss in einen Schacht der Burg, um dort zur Strafe Gänge auszugraben. Während die Regensburger die Burg erobern, wird er von Linori befreit. 

Zusammen verstecken sie sich im Wald. Martis, der ihre Sprache mittlerweile schon viel besser versteht, erfährt, dass sie den Romleuten, einer besonderen Zigeunergruppe, angehört. Linori ist gefangen genommen worden und hätte versklavt werden sollen, hat es aber geschafft zu fliehen. Nun will sie nach ihrer Familie suchen. Die beiden gelangen sodann unter einigen Schwierigkeiten nach Regensburg, wo Linori ihre Familie wieder findet. Martis ist nun wieder alleine und begibt sich auf Wanderschaft. 

Vorne im Buch befindet sich eine Karte des Nördlinger Ries, wo die Handlung sich zuträgt. 

Die Geschichte ist in sieben Kapitel unterteilt. Im Nachwort erklärt der Autor mittelalterliche Begriffe, die er verwendet hat, wie zum Beispiel Bilwis, was Hexe bedeutet. Außerdem beschreibt er knapp die historischen Grundlagen zu seinem Buch. 

Diese Geschichte basiert darauf, dass Romleute im Mittelalter die Donau hinauf gezogen sind. Außerdem geht es um die „Nördlinger Häretiker“, zu denen Babelin gehört. Diese vertreten die Ansicht, dass jedes Geschöpf wie Gott ist, es keine Hölle gibt, man keine Gebete braucht und Klöster und Priester überflüssig sind. Außerdem hat es die Fehde zwischen dem erwähnten Grafen und der Stadt Regensburg wirklich gegeben. 

Über den politischen Hintergrund zu dieser Zeit erfährt man nur etwas am Rande: Der Papst und Kaiser Friedrich warfen sich gegenseitig vor, Ketzer zu sein. Was sie jeweils taten, wird nicht erwähnt. Das Buch beschreibt eher die Lebensumstände zu dieser Zeit, insbesondere natürlich die der Gaukler.  

Ich fand es beim Durchlesen teilweise störend, dass Linoris Sprache nicht übersetzt wurde, weil man so nicht versteht, was sie ausdrücken will. Am Anfang ist es gewöhnungsbedürftig, dass die Anführungszeichen weggelassen werden, wodurch man oftmals nicht erkennen kann, wer spricht oder ob überhaupt jemand spricht, da die Geschichte aus der Sicht von Martis erzählt wird. 

Manche Absätze sind etwas schwer verständlich, so dass ich sie mehrere Male lesen musste. Oftmals halten Personen Reden beziehungsweise singen. An diesen Stellen ist das Verstehen besonders schwierig. Andererseits lernt man ein bisschen die mittelalterliche Sprache kennen, da diese ja im Nachwort erklärt wird. 

Ich persönlich fand das Buch nicht so schön, da die Spannung leider zu kurz kommt und die vertrauten Figuren, die Gaukler, mitten im Buch plötzlich wieder verschwinden. Linori bekommt  von einem Einsiedler den Rat, in Regensburg nach ihrer Familie zu suchen, da Regensburg zu dieser Zeit eine der größten Städte Europas ist. Sie geht also dorthin und findet sogleich ihre Familie. Für mich klang das etwas unrealistisch.

Das Buch ist für die, die etwas über die Lebensumstände der Gaukler erfahren wollen, empfehlenswert. Ein „Happyend“ gibt es jedoch nicht. Jugendliche, die ein spannendes Buch suchen, müssen das Buch sicher nicht lesen. Am interessantesten ist es für die, die etwas über die oben genannten historischen Umstände zu dieser Zeit erfahren wollen. Diese werden teilweise aber zu wenig ausführlich behandelt - zum Beispiel die Grundsätze der „Nördlinger Häretiker“ nur im Nachwort. Es gibt auch einen Folgeband: „Vor den Toren von Byzanz“. 

(Betreut von Emil Wanek) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Arnulf Zitelmann: Unter Gauklern, Weinheim: Beltz & Gelberg 2006 (22. Auflage), 192 Seiten, ISBN 978-3-407-78477-3, EUR 7,90, gelesen von Christiane Lorenz. lesepunkte 2 (2007), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5530/

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Erstellt: 19.10.2007

Zuletzt geändert: 19.10.2007