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Carolyn Meyer: Das Gift der Königin, Frankfurt am Main: Fischer Schatzinsel 2003, 240 Seiten, ISBN 978-3-596-80471-9, EUR 7,90.
gelesen von Madlin Schulte, 7. Klasse
Katharinen-Gymnasium, Ingolstadt
lesepunkte: ●●●●○

Der historische Roman „Das Gift der Königin“ von Caroline Meyer spielt im 16. Jahrhundert am Hof des englischen Königs Heinrich VIII. Im Mittelpunkt steht Prinzessin Maria Tudor, die erstgeborene Tochter des Königs, die um ihr Recht auf die Thronnachfolge kämpfen muss. Anne Boleyn, die neue Geliebte Heinrichs, drängt sich zwischen ihre Mutter und ihren Vater. Schließlich annulliert der König die Ehe mit Marias Mutter und heiratet Anne. Er erklärt Maria zu einem unehelichen Kind, das den Thron nicht besteigen darf. Doch Maria gibt die Hoffnung nicht auf und versucht mit allen Mitteln die Entscheidung ihres Vaters rückgängig zu machen.
Schon allein die Tatsache, dass die Geschichte von Maria Tudor wahr ist, macht das Buch sehr interessant, wenngleich sich die Autorin erlaubt hat, einige Details abzuändern. Das Schicksal berührt den Leser nämlich umso mehr, wenn er weiß, dass Maria dieses Unrecht tatsächlich aushalten und geschehen lassen musste.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus Marias Sicht. Sie beschreibt ihre Gedanken und Gefühle, besonders die unterdrückte Wut auf Anne und teilweise auf ihren Vater. Aber auch Marias Schwanken zwischen Aussichtslosigkeit und neuer Hoffnung, den Kampf doch noch zu gewinnen, wird einfühlsam dargestellt. Das trägt dazu bei, dass man sich gut in ihre Situation hineinversetzen kann. Man leidet beim Lesen mit ihr und hofft bis zum Schluss, dass ihr Gerechtigkeit widerfährt.
Was mich an dieser Geschichte besonders beeindruckt, ist, dass Maria, obwohl sie noch so jung ist, genau versteht, dass man sich dem König nicht widersetzen darf, denn der Wunsch des Königs ist gleichzeitig ein Befehl. Sie handelt klug und überlegt, obwohl sie doch so wütend und niedergeschlagen ist.
Maria wird im Roman als freundliche und starke Person dargestellt. Aus diesem Grund verwundert es den Leser, warum sie sich dann als grausam und brutal zeigt, nachdem sie den Thron bestiegen hat. Trotzdem bleibt sie für den Leser die eigentliche und einzige Heldin der Geschichte.
Die damaligen Sitten sowie die Umgebung werden von der Autorin genau geschildert und beschrieben, so dass man sich alles sehr gut vorstellen kann.
Der gesamte Inhalt des Buches kommt ohne hinzugefügte Spannung aus, denn das Geschehen an sich ist schon sehr fesselnd und besondere Höhepunkte sind somit nicht nötig.
Der Roman ist insgesamt sehr empfehlenswert, obwohl ich glaube, dass er eher ein Buch für Mädchen ist, da Maria wie ein Mädchen fühlt, denkt und handelt. Mädchen können sich dadurch besser in Maria hineinversetzen, während dies Jungen vermutlich weniger ansprechen würde.
Das Buch enthält einen Stammbaum der Familie Tudor, was sehr aufschlussreich und hilfreich ist, da man sich über die vielen Hochzeiten des Königs einen Überblick verschaffen kann.
(Betreut von Dr. Matthias Schickel)
Empfohlene Zitierweise
Carolyn Meyer: Das Gift der Königin, Frankfurt am Main: Fischer Schatzinsel 2003, 240 Seiten, ISBN 978-3-596-80471-9, EUR 7,90, gelesen von Madlin Schulte. lesepunkte 2 (2007), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5534/
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Erstellt: 19.10.2007
Zuletzt geändert: 19.10.2007




