Ibbotson

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Eva Ibbotson: Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf, München: dtv junior 2006, 384 Seiten, ISBN 978-3-423-70997-2, EUR 8,00. 

 

gelesen von Constanze Sophie Rumberg, 6. Klasse
Karlsgymnasium München

 

lesepunkte: ●●●●●

 


Das Buch „Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amamzonas warf“ von Eva Ibbotson, spielt in England und Brasilien im Jahre 1910. Es handelt von der 12-jährigen Maia, einem Mädchen aus gutem Hause, das auf ein englisches Internat geht, wo sie sich sehr wohl fühlt. Doch nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern verändert sich ihr ganzes Leben. Sie bekommt einen Vormund und wird zusammen mit ihrer Gouvernante Miss Minton zu ihren einzig verbliebenen Verwandten nach Brasilien geschickt.

Auf der Überfahrt mit dem Schiff malt sich Maia aus, wie schön es wohl in Brasilien sein würde. Doch als sie dort ankommt, wird sie bitter enttäuscht. Sie kommt nicht auf ein großes Grundstück mit einem schönen hellen Haus, sondern in einen dunklen schäbigen Bungalow. Die Familie ist grässlich und gemein zu ihr, denn sie hat das Mädchen nur wegen ihres Vermögens aufgenommen. 

Aber Maia findet neue Freunde. Auf dem Schiff hat sie einen englischen Jungen namens Clovis kennengelernt, der zu einer Theatergruppe gehört. Als sie zusammen mit Miss Minton ins Museum der nächsten Stadt geht, treffen sie Professor Glastonberry, der sich mit dem Skelett eines riesengroßen Faultiers beschäftigt. Und schließlich freundet sich Maia auf ihren Entdeckungstouren durch den Amazonas mit dem Waisenjungen Finn an, der von einem englischen Vater und einer indianischen Mutter abstammt. 

Nach einiger Zeit erfahren Maia und ihre Freunde, dass Finn gesucht wird. Denn er soll das Anwesen seines Großvaters in England erben. Finn jedoch hat gar keine Lust, den Amazonas zu verlassen, er möchte lieber die Xanti, den Indianerstamm seiner Mutter suchen. Aber Clovis möchte zu gerne wieder nach England zurück. So tauschen beide die Rollen und Clovis tritt an Finns Stelle das Erbe an. Finn begibt sich auf die Suche nach dem Volk der Xanti. Maia aber, die so gerne mitgekommen wäre, muss zurückbleiben. Doch kurz nachdem Finn weg ist, gerät Maia in große Gefahr, denn der Bungalow, in dem sie lebt, brennt ab, während sie schläft. 

Indessen kommt Finn auf seiner Reise den Amazonas hinab gut voran. Aber er hat Heimweh und vor allem sehnt er sich nach Maia. Zwei Seelen schlagen in seiner Brust: Die indianische Seite will zurück nach Hause, die englische Seite will sofort zu dem Stamm der Xanti und weiterfahren. Doch dann siegt sein indianisches Herz, und er beschließt umzukehren. Als er zum Bungalow von Maias Verwandten kommt, sieht er nur einen Haufen Asche. Er sucht Maia und schließlich findet er sie schlafend im Gebüsch. Er wickelt sie in eine Decke und schleppt sie an Bord seines Schiffes. Sie fahren wieder los, um die Xanti zu suchen, und Maia vertraut Finn blind. 

Als Miss Minton, Maias Gouvernante, erfährt, dass ihr Schützling seit dem Brand des Hauses vermisst wird, erschrickt sie sehr und macht sich zusammen mit Professor Glastonberry auf die Suche nach Maia und Finn. Nach einigen Tagen treffen sich die Vier und finden schließlich auch die Xanti. Auf diesem Weg den Amazonas hinab, als alle das tun, was für sie am wichtigsten ist, befreit sich Miss Minton von ihrem Korsett und wirft es in den Amazonas. 

Es schwimmt bis zur nächsten größeren Stadt, nach Manus. Der Fund dieses Korsetts löst eine große Suchaktion aus und schließlich findet die Polizei Maia, Miss Minton, Finn und den Professor. Die beiden Engländerinnen werden zurück in ihr Land geschickt und Finn kommt mit. Dort aber spüren alle drei, dass sie nicht (mehr) hierher gehören und kehren endlich zurück in das Land, in dem der Amazonas fließt, welches ihnen zur Heimat geworden ist. 

Die Geschichte spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch wenn sie frei erfunden ist, so spiegelt sie doch sehr realistisch die historischen Umstände jener Zeit wider: Die englische Klassengesellschaft mit ihren ungeschriebenen Gesetzen, die Gesellschaft der Weißen in Brasilien und dem gegenüber die Naturvölker des Amazonas, die noch kaum Kontakt zu den Weißen haben, aber als Forschungsobjekt hochinteressant zu werden beginnen. 

In diesem Buch prallen zwei Welten aufeinander. Zum einen das „Korsett“ der englischen Gesellschaft und zum anderen das freie Leben der Indianer. Maia und Miss Minton lernen von Finn, wie es ist, frei zu sein. Maia erkennt: „Nicht das Ankommen ist entscheidend, sondern das Unterwegssein.“ (332) Und sie begreift jetzt erst den Lieblingsspruch ihres Vaters: „Lateinisch: Carpe diem. Genieße den Tag. Mache das Beste daraus, ergreife ihn und lebe jeden Tag, als wäre er dein letzter.“ (328) 

Ich finde das Buch toll, weil es sehr spannend ist. Eva Ibbotson schreibt so lebendig, dass ich mir die Abenteuer Maias wirklich bildlich vorstellen konnte. Vor allem aber konnte ich kaum noch aufhören zu lesen! 

(Betreut von Ulla Stelzel) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Eva Ibbotson: Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf, München: dtv junior 2006, 384 Seiten, ISBN 978-3-423-70997-2, EUR 8,00, gelesen von Constanze Sophie Rumberg. lesepunkte 2 (2007), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5538/

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Erstellt: 19.10.2007

Zuletzt geändert: 19.10.2007