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Waldtraut Lewin: Drei Zeichen sind die Wahrheit, München: cbj 2008, 416 Seiten, ISBN 978-3-570-13079-7, EUR 16,95.
gelesen von Lucia Birkmeir, 9.Klasse
St. Bonaventura Gymnasium, Dillingen an der Donau
lesepunkte: ●●○○○

Das Buch beginnt mit der im Prolog geschilderten Fahrt der etwa 18-jährigen Leonie Laskers von Berlin nach Hermeneau. Leonie, die im ersten Band der Saga mit dem Auftrag betraut wurde, ein besonderes Schmuckstück zu suchen und zu ihrer Ahnfrau Isabelle zu bringen, ist, nachdem sie das goldene Ornament gefunden hatte, auf dem Weg zum Wohnsitz ihrer Verwandten in Südfrankreich.
Einer mystischen jüdischen Überlieferung zufolge waren einst drei hebräische Zeichen, die das Wort „Emeth“, d.h. Wahrheit, bedeuten, im Besitz einer bestimmten jüdisch-spanischen Adelsfamilie. Nach alter Tradition wurden sie zu Händen von drei Brüdern aufbewahrt. Das Wissen über die Magie, die durch die Buchstaben ausgeübt werden kann, lag jedoch bei den weiblichen Nachkommen, also bei der Tochter Isabelle. Weil die Brüder in verschiedene Länder auswanderten, befinden sich die Buchstaben nun in Deutschland, Österreich und Spanien. Leonies Ahnfrau Isabelle, die Hüterin des Geheimnisses um die drei Zeichen, will nun, da die Juden im Europa des frühen zwanzigsten Jahrhunderts unter dem zunehmenden Einfluss der Nationalsozialisten immer mehr leiden müssen, die drei Buchstaben wiedervereinen und – wie die Kabbala-Lehren es besagen – einen „Golem“, einen Retter aus Lehm bauen, mit dessen Hilfe die Juden gerettet werden können.
Das erste Zeichen „Mem“ fand Leonie, die nach Isabelles kabbalistischen Berechnungen dazu bestimmt ist, die Schmuckstücke zu besorgen, in Berlin. Dort, in ihrer Heimatstadt, besuchte Leonie die Schauspielschule und lernte dadurch die mit ihr entfernt verwandte jüdische Schauspielfamilie der Laskarows kennen. Weil Leonie sich in den jungen Schlomo Laskarow verliebt hat und mit ihm zusammen ein jüdisches Theaterstück aufführen wollte, wendete sich ihr Vater, der nichts mit seiner jüdischen Verwandtschaft zu tun haben möchte und als „wahrer Deutscher“ sogar der Verbindung „Stahlhelm“ beigetreten war, von seiner Tochter ab. Immer häufiger kommt es derweil zu Judenverfolgungen und Pogromen in der Hauptstadt. Schlomo, der mit seinem Plan, eine alte jüdische Geschichte als Theaterstück aufzuführen, den Nazis ein Dorn im Auge ist, wird schließlich von einem Deutschnationalisten auf offener Straße erschossen.
Leonie, die durch den Mord an ihrem Geliebten selbst erfahren hat, wie dringend die Hilfe des Golem gebraucht wird, will nun so schnell wie möglich das nächste Zeichen „Taw“ beschaffen, das im Besitz ihrer Tante Felice Lascari ist, einer berühmten Actrice am Wiener Burgtheater. Als ihre Schülerin soll Leonie, die leidenschaftlich gerne Theater spielt, im Haus der Verwandten in einem noblen Stadtteil Wiens wohnen. Doch die Beziehung zwischen den zwei Frauen ist von Anfang an angespannt, Leonie wird im Bedienstetentrakt des großen „Palais“ untergebracht und der Unterricht, den Isabelle finanziert, findet selten und nur dann statt, wenn „der Lascari“ gerade danach zumute ist.
Trotz der Annäherungsversuche von Seiten Leonies, indem sie z.B. ein Menü nach einem Familienrezept zubereitet, zeigt Felice ihr die kalte Schulter. Und als Leonie dann ein Engagement am Theater erhält, wo sie heimlich vorgesprochen hat und sich sogar der Freund von Felice Leonie annähert, steht endgültig fest, dass die eifersüchtige Tante ihr das Schmuckstück, das für sie ein Glücksbringer ist, nicht freiwillig überlassen wird. Später schließlich ändert sie ihre Meinung, allerdings nicht, ohne eine Gegenleistung von Leonie zu fordern.
Der Aufenthalt in der österreichischen Hauptstadt hat auch eine positive Seite für Leonie, denn sie sieht ihren Vater wieder, der eine Anstellung als Koch gefunden hat, sie versöhnt sich mit ihm. Aber die Zeit in Wien wird vor allem von den sich häufenden Übergriffen auf jüdische Geschäfte und Lokale überschattet und von Leonies Erkenntnis, dass ihre Aufgabe, das Zeichen zu finden, auch diesmal ein Leben kosten wird. Doch es gelingt Leonie, das Zeichen zu bekommen, und das Buch endet, wie es begonnen hat, nämlich mit der Fahrt nach Hermeneau, wo sie ihrer Ahnfrau Isabelle den Gegenstand überreichen wird.
Der Roman ist unterteilt in die Abschnitte Prolog, Hermeneau, Wien und einen kurzen Epilog. Die zwei mittleren Teile, die den Aufenthaltsort Leonies als Titel tragen, sind zudem in Kapitel gegliedert. Obwohl es sich bei dem Buch um den zweiten Teil der Saga handelt, war es von Anfang an leicht die Geschichte, die ja eigentlich auf den ersten Band aufbaut, zu verstehen. Der letzte Teil der Trilogie wird voraussichtlich 2009 erscheinen und Leonie beim Beschaffen des dritten Zeichens begleiten.
Ein Pluspunkt des Romans ist auf jeden Fall der Perspektivenwechsel, der zwar anfangs etwas verwirrend ist, aber durch die sich abwechselnde Erzählweise aus der Sicht Leonies in der 1. Person und aus der Sicht des Erzählers in der 3. Person Abwechslung bietet.
Weit weniger gelungen ist meiner Meinung nach dagegen die Mischung im Roman von ernstem historischen Hintergrund und mystischen Motiven. Das Buch geht durch die sehr detaillierte Beschreibung der Lehren der Kabbala, die Visionen Isabelles und Leonies Kontakten mit ihrem toten Freund, der als eine Art „Geist“ zeitweise wieder zu ihr zurückkehrt, zu weit in die Richtung Fantasy-Roman und gibt in die historische Wirklichkeit nicht ausführlich genug Einblick.
Gestört haben mich auch die teilweise etwas platt formulierten Gedanken Leonies, die einfach nicht in die restliche, angenehm zu lesende, anspruchsvollere Geschichte passen. Deshalb: Zwei Punkte für den Roman „Drei Zeichen sind die Wahrheit“, in dem das Verhältnis zwischen Mystik und Realität leider nicht stimmt. Er verdient deshalb die Bezeichnung „durchschnittliches Buch“.
(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF.)
Empfohlene Zitierweise
Waldtraut Lewin: Drei Zeichen sind die Wahrheit, München: cbj 2008, 416 Seiten, ISBN 978-3-570-13079-7, EUR 16,95, gelesen von Lucia Birkmeir. lesepunkte 4 (2009), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6925/
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Erstellt: 14.04.2009
Zuletzt geändert: 14.04.2009




