Romane

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Thomas A. Barron: Merlin. Wie alles begann, München: dtv extra 1999, 392 Seiten, ISBN 978-3-423-70571-4, EUR 10,95. 

 

gelesen von Annika Dax, 11. Klasse
Martin-von-Cochem-Gymnasium, Cochem

 

lesepunkte: ●●●●○

 


Ein Junge ohne Erinnerungen wird mit einer Frau an die Küste Englands gespült. Die Frau, die vorgibt seine Mutter zu sein, nennt ihn Emrys und sie leben gemeinsam in einem Dorf. Doch Emrys kann weder glauben, dass die ihm vollkommen unbekannte Frau seine Mutter sein soll, noch glaubt er, dass Emrys sein wahrer Name ist. Eines Tages entdeckt er seine unglaublichen Zauberkräfte.

Auf seine Fragen nach ihrer Herkunft will seine Mutter keine Antwort geben und, als die Kinder des Dorfes die als Hexe verschrieene Frau angreifen, setzt Emrys seine Kräfte ein, um sie zu retten. Er verliert jedoch bei dem Brand, der sich daraufhin ereignet, sein Augenlicht. Seine Mutter flieht mit ihm in ein Kloster und auf ihr Anraten hin verspricht er im Gebet seine Kräfte nie wieder einzusetzen. Kurz darauf erlangt er einen Teil seines Augenlichts wieder. Er kann die Welt mit Hilfe des zweiten Gesichts erkennen und beschließt, seine wahre Heimat, seine Vergangenheit und seinen wahren Namen zu suchen. Sein Weg führt ihn ans Meer und er baut aus Strandgut ein Boot. Er vertraut sich dem Meer an, kentert und wird schließlich an einen unbekannten Strand gespült. 

Bei seiner Suche nach Wasser rettet er einem Greifvogel, einem Merlin, das Leben und lässt ihn wieder frei. Er erkundet einen Wald und stößt dort auf das Mädchen Rhia, das ihn angreift. Erst als er sie im Namen des Galators, eines geheimnisvollen Schmuckstücks, welches er von seiner Mutter erhalten hat, bittet, ihn gehen zu lassen, ist ihre Neugier geweckt und sie lässt ihn frei. Rhia erlaubt Emrys im Drumawald zu bleiben, sie werden Freunde und Rhia zeigt ihm die Geheimnisse des Waldes. 

Der Merlin, dem Emrys das Leben rettete, weicht nicht mehr von dessen Seite, doch Emrys ist nicht glücklich darüber, weil der Vogel immer wieder auf ihn losgeht. Deshalb geben sie ihm den Namen Verdruss. 

Durch einen Traum erschreckt, der die Zerstörung der Druma zeigt, verlangt Rhia von Emrys ihr zu helfen, das Land zu retten. Emrys lehnt ab, weil er seine eigene Suche fortsetzen will. Doch dann erfährt er von Rhia, dass die Insel von der seine Mutter einmal erzählte, Fincayra ist, und dass der Galator dorthin gehört. Emrys erkennt, dass er am schnellsten herausfinden kann, was ihn mit dieser Insel verbindet, wenn er Rhia hilft, und so stimmt er zu. Auf ihrer abenteuerlichen Reise schließen sich den beiden treue Gefährten an und Emrys kommt dem Geheimnis, das seine Vergangenheit umgibt, immer näher. Schließlich bekommt er den Namen, unter dem er noch heute bekannt ist: Merlin. 

Der Roman behandelt nicht direkt ein geschichtliches Thema, sondern beschäftigt sich mit der Legende des Zauberers Merlin aus der Artussage. Er ist in drei große Teile gegliedert, die jeweils mit einer einschneidenden Wendung in Emrys Leben beginnen. Die detaillierte Karte Fincayras macht es einfach, die Orte der Handlung wieder zu finden. 

Die Geschichte wird anschaulich erzählt und die Reaktionen der Personen sind gut nachvollziehbar, vor allem weil Emrys als Ich-Erzähler auftritt und man so einen guten Einblick in seine Gedanken bekommt. Die anderen Personen, insbesondere Shim und Rhia, sind sehr lebendig und sympathisch mit ihren Eigenarten. Shim sorgt regelmäßig für ein Lächeln, wenn er mit seinen Entscheidungen hadert und seine seltsam anmutende Weltanschauung zum Besten gibt. 

Emrys lernt im Laufe des Romans, dass Werte wie Freundschaft und Mut wichtiger sind als man selbst oder materielle Dinge. Schon mit dem Titel macht der Autor klar, dass der Roman der Auftakt zu einer Reihe ist; deshalb fällt es auch nicht sehr ins Gewicht, dass manche Geschehnisse oder besondere Orte nicht näher erklärt werden. Ich finde den Roman gut, vor allem weil fast alle Fragen, die zu Beginn aufgeworfen wurden, beantwortet werden. Die Spannung baut sich kontinuierlich auf, aber leider sind für Leser, die mit diesem Genre vertraut sind, einige Wendungen leicht vorhersehbar. Dies beeinträchtigt den Lesespaß ein wenig, doch der lebendige Schreibstil und vor allem der Kampf, den Emrys während der ganzen Geschichte mit sich selbst führt, lassen den Leser in die Welt von Merlin eintauchen und die eigentliche Artuslegende mit anderen Augen sehen. 

(Betreut von Oliver Simon) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Thomas A. Barron: Merlin. Wie alles begann, München: dtv extra 1999, 392 Seiten, ISBN 978-3-423-70571-4, EUR 10,95, gelesen von Annika Dax. lesepunkte 3 (2008), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6034/

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Erstellt: 13.08.2008

Zuletzt geändert: 13.08.2008