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Ralf Isau: Minik – An den Quellen der Nacht, Stuttgart: Thienemann Verlag 2008, 544 Seiten, ISBN 978-3-522-17873-0, EUR 19,90.
gelesen von Lena Eser, 9. Klasse
St. Bonaventura-Gymnasium, Dillingen an der Donau
lesepunkte: ●●○○○

Das Buch beginnt damit, dass der amerikanische Entdecker Robert Edwin Peary im Jahr 1897 nach Grönland in das Dorf des Inuitjungen Minik kommt, um von dort aus Expeditionen in Richtung Nordpol zu unternehmen. Dieser Forscher will der erste Mensch sein, der den Nordpol erreicht.
Peary treibt mit den Eskimos auch Handel, wobei er besonders an Metallen von Meteoriten, die in Grönland zu finden sind, interessiert ist. Zusammen mit Eisbärfellen, Knochen von verstorbenen Eskimos und den anderen Schätzen der Inuit, schifft der Abenteurer auch sechs Eskimos von Uummannaq (damals Nordwestgrönland) zu Forschungszwecken mit nach New York ein.
Unter den Inuit befinden sich auch der sechsjährige Minik und sein Vater Qisuk. Doch das Abenteuer, das gerade einmal ein halbes Jahr dauern soll, entwickelt sich für die Eskimos zum wahren Alptraum. Das Klima bekommt den lebenden Exponaten schlecht und sie werden krank. Nach und nach erliegen sie, bis auf Minik und einem andereren Inuit namens Uisaakassak, ihren Krankheitsschüben. Schließlich wird Uisaakassak, der Anfang 20 ist, nach Hause zurückgebracht, während Minik, der nun Waise ist, in der riesigen Stadt New York zurückbleibt und dort weiter leben soll. Deshalb bekommt er Pflegeeltern – doch ansonsten läuft nichts wie geplant.
Er fühlt sich in der amerikanischen Großstadtmetropole entwurzelt, wird verachtet und beschimpft. Er lernt zwar schnell Englisch, fasst allerdings nie richtig Fuß. Das New Yorker Naturkundemuseum, das für die Eskimos zuständig ist, weigert sich auch, für den Unterhalt von Minik aufzukommen. Minik kämpft lange darum, unterstützt von einigen sehr guten Freunden, die er im Laufe der Zeit kennenlernt, bleibt jedoch letztlich erfolglos. Der Junge hat in den USA insgesamt kein Glück, da er sich durch sein exotisches Aussehen und sein teilweise noch sehr „primitives“ Denken in vielen Aspekten von den Bewohnern der Staaten unterscheidet. Er kämpft immer und immer wieder dafür, in sein Geburtsland zurückkehren zu dürfen. Ob er dort aber als mittlerweile amerikanisierter Eskimo sein Glück finden kann, ist mehr als fraglich, denn Minik ist ein Gefangener zwischen zwei Welten zum angeblichen Wohle der Forschung. Als es ihm schließlich doch gelingt, wieder in seine Heimat zurückzukehren, merkt er, wie wenig er noch an das Leben als Eskimo gewöhnt ist und fühlt sich nach wie vor heimatlos…
Angelehnt an die Biographie von Kenn Harper über den tatsächlich existierenden Minik, fasst Ralf Isau die Geschichte des Inuit Minik in seine Worte und nimmt sich dabei heraus, Lücken, die sich in dieser Biographie teilweise ergeben, mit eigenen Ideen zu füllen. Darauf weist er aber auch im Nachwort detailliert hin. Liest man das Buch, fallen einem die „Lückenfüller“ aber gar nicht weiter auf, denn sie sind stilsicher, realistisch und passen sich gut in das Gesamtbild des Buches ein.
Das Buch selber hat einen ausgeprägten Hang zum Dramatischen, da Minik vor allem ein Medienkind war und sowohl Zeitungsartikel wie auch Personen, die im Rampenlicht stehen, gerne zu Übertreibungen neigen. Es erinnert an manchen Stellen eher an ein überinszeniertes Drama, was sich manchmal störend auswirkt. Dennoch bleiben Tatsachen Tatsachen, und Ralf Isau erzählt nicht gerade unkritisch über die Forschung jener Zeit aus der Sicht von Minik. Vor allem macht er in seinem Nachwort deutlich, dass der Preis, damals wie auch heute, für die Forschung teilweise zu hoch ist und oft zu Lasten anderer fällt – und dass eben nicht alles Gold ist, was glänzt.
Ich gebe diesem Buch aber insgesamt doch nur zwei von fünf Lesepunkten, weil mir diese Geschichte in manchen Fällen für ein Jugendbuch zu grausam geschildert ist. Das ist zwar meistens nachvollziehbar und wirkt sehr realitätsnah, aber teilweise ist es mir persönlich zu übertrieben. Ein Pluspunkt ist, dass am Anfang und am Ende des Buches eine Karte von Miniks zwei Welten gedruckt ist, wobei auf den Teil der nördlichen Welt noch einmal detaillierter eingegangen wird, damit sich der Leser nicht in der eisigen Welt Grönlands verirrt. Dies kommt dem Verständnis beim Lesen der manchmal etwas verwirrenden Beschreibungen von Miniks Heimat sehr zugute.
Von mir wird das Buch Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen, die an Biographien interessiert sind und einen zwar sehr dramatischen, aber meistens realitätsnahen Einblick in das Leben eines aufwachsenden Inuit haben wollen.
(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF)
Empfohlene Zitierweise
Ralf Isau: Minik – An den Quellen der Nacht, Stuttgart: Thienemann Verlag 2008, 544 Seiten, ISBN 978-3-522-17873-0, EUR 19,90, gelesen von Lena Eser. lesepunkte 4 (2009), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6817/
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Erstellt: 16.02.2009
Zuletzt geändert: 16.02.2009




