Romane

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Paul Maar: Kartoffelkäferzeiten, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005, 320 Seiten, ISBN 3-473-52264-3, EUR 6,95.

 

gelesen von Ruth Lechler und Merle Burgstaller, 8. Klasse
Gymnasium bei St. Anna Augsburg

 


Auf die Frage, was es bei ihnen zum Frühstück gebe, antwortet Johanna, die Erzählerin des Buches: „Bratkartoffeln und Kaffee.“ „Echte Bratkartoffeln?“, fragte Erna. Sie schien zu überlegen, ob sie Johannas Angebot nicht doch annehmen soll. Johanna lachte. „So echt wie der Kaffe: Eicheln und Gerste, frisch geröstet von Tante Fanni! Nein, es sind natürlich nur Milchkartoffeln, wir sagen einfach Bratkartoffeln dazu.“ Diese Leichtigkeit, mit der sie sich den Gegebenheiten der Nachkriegszeit fügt, ist charakteristisch für Johanna.

Sie hat aber auch mit den Vorurteilen in ihrer Familie zu kämpfen. Denn ihr Vater ist in Kriegsgefangenschaft und ihre beiden Großmütter leben mit ihr, ihrer Mutter, ihrer Tante und polnischen Flüchtlingen unter einem Dach.  

Johanna leidet sehr unter dem Kleinkrieg ihrer beiden Großmütter. Außerdem kämpft sie um die Freundschaft mit Manni, den sie nach Meinung ihrer Familie aufgeben soll, da niemand seinen Vater kennt. Als dann später ihr eigener Vater wieder auftaucht, beginnt sie sich gegen die Einstellung ihrer Familie zu wehren. Johannas Familie besitzt eine Gastwirtschaft, in der die ganze Familie arbeitet und die auch Johannas Zukunft sein soll. Erst als ihre Tante mit einem amerikanischen Soldaten in die USA ziehen will, versteht auch Johanna, dass sie nicht immer das machen muss, was ihre Familie, insbesondere der Vater, für sie vorschreibt. Sie macht eine Ausbildung als Köchin, aber nicht im Familienbetrieb.  

Die Freundschaft zu Emanuel, genannt Manni, steht im größten Teil des Buches im Vordergrund. Sie ist gekennzeichnet von Höhen und Tiefen, von Eifersucht, Vorurteilen und Missverständnissen. Trotzdem geben die beiden nicht auf, auch wenn sie öfters sehr kämpfen müssen. 

Im Buch wird Johannas Jugendzeit der Reihe nach erzählt. Dabei kommen auch die Nachkriegsjahre nicht zu kurz. Es wird beschrieben, wie Johanna mit der Zeit ihre eigenen Wege geht. Ein Leser, der eine spannende Geschichte erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, da das Buch keinen richtigen Höhepunkt hat. Dies wirkt sich aber auf die Handlung keinesfalls negativ aus.  

Das Buch ist lesenswert, da man viel über die Ereignisse der damaligen Zeit erfährt. In Johannas Tante kann man den Lebensweg vieler junger Frauen erkennen. Durch zahlreiche Dialoge wird das Buch lebendig gestaltet und ist dadurch auch gut zu lesen. 

Es fesselt schon auf den ersten Seiten, da es sich durch einen sehr schönen und anschaulichen Stil auszeichnet. Wir wollen das Buch deswegen empfehlen. Die 320 Seiten sorgen für eine kurzweilige Reise in die Vergangenheit. 

„Kartoffelkäferzeiten“ ist bereits 1990 zum ersten Mal erschienen und hat damals mehrere Preise erhalten. Jetzt ist es in einer Lizenzausgabe als Ravensburger Taschenbuch recht preisgünstig neu erschienen, so dass man auch aus diesem Grund auf eine große Leserschar hoffen kann. 

(Betreut von Dr. Claudia Weiser) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Paul Maar: Kartoffelkäferzeiten, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005, 320 Seiten, ISBN 3-473-52264-3, EUR 6,95, gelesen von Ruth Lechler und Merle Burgstaller. lesepunkte 2 (2007), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4891/

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Erstellt: 13.02.2007

Zuletzt geändert: 13.02.2007