Romane

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Mirjam Pressler: Shylocks Tochter, Weinheim: Beltz & Gelberg 2010, 272 Seiten, ISBN 978-3-407-81027-4, EUR 16,90. 

 

gelesen von Sarah-Louise Tadman, 11. Klasse
Bischöfliches Albertus-Magnus-Gymnasium, Viersen-Dülken

 

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Der historische Roman „Shylocks Tochter“ von Mirjam Pressler beruht auf Shakespeares Stück „Der Kaufmann von Venedig“ und gibt einen Einblick in das Leben im jüdischen Ghetto in Venedig um 1568. Die Hauptfigur Jessica ist die Tochter eines Geldverleihers, die sich nach einem anderen Leben als dem strengen und stark religiös geprägten Dasein im Ghetto sehnt. Sie wünscht sich ein Leben mit mehr Freiheiten, schönen, prunkvollen Kleidern und mehr Luxus außerhalb der Mauern des Ghettos, in dem sie mit ihrem Vater Shylock, Dalila, einem Waisenmädchen in ihrem Alter, Jehuda, einem jungen Gehilfen ihres Vaters, und Amalia, die eine Art Ziehmutter für sie ist, zusammen lebt.

Jessica liebt Lorenzo, einen jungen adeligen Christen, mit dem sie durchbrennt und den sie heiratet. Am Tag des Rosch ha-Schana- Festes, an dem die Juden ihr Neujahrsfest und den ersten von zehn Bußtagen feiern, findet Shylock das Zimmer von Jessica leer vor. Auch ihre Kleider und Habseligkeiten sind verschwunden. Er sendet Dalila und Amalia aus, sie in der Stadt zu suchen, doch erst, als er sein Geldversteck fast leer auffindet, wird ihm bewusst, dass Jessica ihre Flucht geplant hatte. Das Verschwinden seiner Tochter sowie ein unmoralischer Vertrag mit einem christlichen Adeligen stürzen Shylock in großes Unglück und sorgen für große Veränderungen im Leben aller Figuren. 

Im Buch laufen die Geschichten der einzelnen Personen parallel nebeneinander her und geben dem Leser eine vielseitige Perspektive auf das Leben im Judenghetto der damaligen Zeit. So ist zum Beispiel Jessica sehr unglücklich, da hier das Feiern von Blumenfesten oder das Essen von Konfitüre als Protzerei angesehen werden oder sogar verboten ist. Dalila dagegen verbindet zumindest am Anfang noch Schutz und Heimat mit diesem Ort, bis die Menschen verschwinden, die sie liebt: Amalia, die wie eine Mutter für sie war, stirbt, Jessica ist eines Tages verschwunden und will nicht wieder zurückkommen, Jehuda kehrt zu seiner Familie zurück, und Shylock muss aufgrund einer verlorenen Gerichtsverhandlung flüchten, damit die Christen ihn nicht zwangstaufen. 

Der Leser bekommt einen sehr interessanten Einblick in die Riten und Bräuche gläubiger Juden. So wird im Buch erklärt, dass beim Tod eines Familienmitgliedes ein Riss in die eigene Kleidung zum Zeichen der Trauer und des Verlustes gemacht wird und man mit Freunden und Nachbarn die so genannte Schiwa hält, eine religiöse Pflichtübung, bei der man barfuß auf Schemeln sitzt und die Trauernden getröstet und mit Essen versorgt werden. Hinten im Buch befindet sich ein Glossar, in welchem die jüdischen bzw. hebräischen sowie italienischen Begriffe erklärt werden 

Im Buch werden zwar der Alltag und die Schwierigkeiten, die das Leben als Jude mit sich bringt, gut geschildert, allerdings steht, anders als erwartet, nicht die dramatische Liebesgeschichte zwischen Jessica und Lorenzo, sondern eher die Diskriminierung der Juden und die Probleme Shylocks im Vordergrund. So führt dieser beispielsweise immer, wenn er nicht weiter weiß und verzweifelt ist, merkwürdige Gespräche mit dem Geist seiner verstorbenen Frau Lea, die er immer noch sehr liebt. Ich habe dem Buch 2 Punkte gegeben, weil es dem Leser auf eine informative und interessante Weise das Judentum nahe bringt und sprachlich so aufgebaut ist, dass man sich Umgebung und Menschen gut bildlich vorstellen kann. Leider hält der Inhalt nicht das, was man sich vom Titel erhofft, sondern konzentriert sich mehr auf einen Rechtsstreit zwischen einem Christen und einem Juden, statt auf die Liebesgeschichte zwischen der Jüdin Jessica und dem Christen Lorenzo.

 

(Betreut von Karoline Zielosko) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Mirjam Pressler: Shylocks Tochter, Weinheim: Beltz & Gelberg 2010, 272 Seiten, ISBN 978-3-407-81027-4, EUR 16,90, gelesen von Sarah-Louisa Tadman. lesepunkte 6 (2011), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/9156/

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Erstellt: 13.12.2011

Zuletzt geändert: 13.12.2011