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Karen Levine: Hanas Koffer, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2006, 152 Seiten, ISBN 3-473-52308-9 , EUR 5,95.
gelesen von Teresa Ecker und Miriam Luxenhofer, 7. Klasse
Gymnasium bei St. Anna Augsburg

„Der Koffer sieht wirklich ganz normal aus. Ein bisschen abgewetzt an den Ecken, aber in gutem Zustand. Er ist braun. Er ist groß. Es passt viel hinein - vielleicht Kleidungsstücke für eine lange Reise. Bücher, Spiele, Schätze, Spielsachen. Aber jetzt ist nichts mehr darin.“ (10)
Es ist eine wahre Geschichte, die sich von 1930 bis zur heutigen Zeit erstreckt, in der Fumiko Ishioka, die Leiterin eines Museums in Japan, den Kindern dort die Geschichte der Verfolgung von Juden, die Geschichte des Holocaust, näher bringen will.
Der einzige Gegenstand, den sie in ihrem Museum hat, ist der Koffer eines Mädchens namens Hana Brady. Auf diesem Koffer steht: Hana Brady, 16. Mai 1931, Waisenkind. Nachdem so viele Kinder etwas über Hana wissen wollen, macht sich Ishioka auf die Suche nach ihrer Geschichte. Nach vielen Enttäuschungen findet sie endlich mehr über sie heraus: Hana war eine Jüdin, die mit ihrer Familie in Nove Mesto (in der heutigen Slowakei) wohnte. Ihr Vater und ihre Mutter hatten dort einen kleinen Laden. Bis die Nazis kamen und den jüdischen Kindern verboten auf Spielplätzen zu spielen, ins Kino und sogar in die Schule zu gehen, führten sie dort ein ganz normales Leben. Doch die Familie kämpfte sich durch: Die Eltern besorgten ihren Kindern sogar Privatunterricht.
Aber eines Tages wurden zuerst Hanas Vater, schließlich ihre Mutter und dann auch Hana und ihr Bruder Georg von Soldaten abgeholt und nach Theresienstadt gebracht. Von da an sollten die zwei Kinder nichts mehr von ihren Eltern erfahren. In Theresienstadt, dem heutigen Terezin, wurden sie in verschiedenen Häusern untergebracht. Hanna lebte in einem Wohnhaus mit vielen anderen Mädchen zusammen, ihr Bruder in einem Jungenhaus. Sie lebten auf engstem Raum und mussten ihre Wäsche selbst waschen. Da sie nicht unterrichtet wurden, fingen die älteren Mädchen an, den Alltag der jüngeren so gut es ging zu gestalten. Schließlich wurde das Essen knapp, da immer neue Häftlinge dazukamen. Georg und Hana versuchten, in Verbindung zu bleiben, obwohl Hana ihren Bruder nur manchmal sah, wenn sie Ausgang hatten. Als Hana eines Tages erfuhr, dass ihr älterer Bruder in ein Konzentrationslager in Prag gebracht werden würde, wusste sie, dass sie nun niemanden mehr hatte, der sie liebte oder ihr näher stand als eines der Mädchen in ihrem Haus. Ein paar Tage später wurde auch sie abgeholt und mit dem Zug nach Prag gebracht. Als sie dort ankamen, wurden alle Mädchen, außer den zwei kräftigsten und ältesten, in eine riesige Halle gebracht und dort vergast.
So ging Hanas traurige Geschichte zu Ende. Bei der Suche nach Hanas Geschichte fand Fumiko Ishioka heraus, dass Hanas älterer Bruder den Holocaust überlebt hatte und nun in Kanada lebt. Fumiko ermittelte die Adresse und schrieb ihm einen Brief mit der Bitte, sich mit ihr zu treffen. Bei diesem Treffen erzählte er ihr, wie er von einem dieser überlebenden Mädchen erfahren hatte, dass seine geliebte Schwester gleich nach der Ankunft in Prag gestorben war. Er erzählte auch den japanischen Kindern die Geschichte von seiner kleinen Schwester.
Dieses Buch kann einen traurig machen und fesseln. Und wenn man sich überlegt, dass es von diesen Schicksalen Millionen andere gibt, erst dann wird einem wahrscheinlich das gewaltige Ausmaß des Holocaust bewusst. „Hanas Koffer“ ist ein bedrückender und realitätsnaher Roman, der klarmacht, was sich unter Hitler ereignet hat. Ein leichtes und unterhaltsames Buch ist es sicher nicht.
(Betreut von Dr. Claudia Weiser)
Empfohlene Zitierweise
Karen Levine: Hanas Koffer, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2006, 152 Seiten, ISBN 3-473-52308-9 , EUR 5,95, gelesen von Teresa Ecker und Miriam Luxenhofer. lesepunkte 1 (2006), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4765/
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Erstellt: 12.12.2006
Zuletzt geändert: 14.12.2006




