Romane

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Günther Bentele: Die Moderne (Augenblicke der Geschichte 3), München: cbj 2008, 368 Seiten, ISBN 978-3-570-12916-6, EUR 18,95. 

 

gelesen von Judith Schönwasser, 9. Klasse
Marienschule Krefeld

 

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In dem letzten Band der Sachbuchreihe „Augenblicke der Geschichte“ von Günther Bentele, in dem nach der Neuzeit und dem Mittelalter schließlich die Moderne behandelt wird, werden die wichtigsten Ereignisse und Personen der deutschen Geschichte ab etwa 1780 auf ungewöhnliche Art und Weise wiedergegeben.

Zu Beginn eines jeden Kapitels wird der Leser kurz und knapp im Sachbuchstil in den Kontext des jeweiligen Geschichtsmoments eingeführt. Es folgt entweder eine Erzählung eines fiktiven historischen Zeitzeugen oder ein Bericht aus der Ich-Perspektive der geschichtlichen Persönlichkeit. Witzig sind zum Beispiel die Dialoge der Diebe Wackenhorst und Wunsiedel, die nach dem Ersten Weltkrieg ihr Glück mit Einbrüchen in großen Villen versuchten. Durch diese beiden Figuren sollen dem Leser zwei Lebensläufe dieser Zeit nahe gebracht werden. Durch die Illustrationen wird die Atmosphäre oder die allgemeine Stimmung in Deutschland zur damaligen Zeit vertieft. 

So wird der Leser mal von der 11jährigen Anna auf die Insel Helgoland entführt, wo der seinerzeit verfolgte und als politisch unkorrekt geltende Dichter Hoffmann von Fallershausen zu einer Zeit, als Deutschland noch von Kleinstaaterei zerrüttet war, das Deutschlandlied schrieb, oder man kann beim Fliegeralarm im Luftschutzbunker „live“ dabei sein. 

Das Buch überzeugt auch durch die wechselnden Perspektiven, die das Buch unterhaltsam und abwechslungsreich gestalten. Durch seinen außergewöhnlichen Erzählstil und die Aufzählung witziger Details schafft es Bentele, auch „Geschichtsmuffel“ für die Geschichte ihres Landes zu begeistern. Wer zum Beispiel hätte gedacht, dass die erste Autofahrt von der Frau des Erfinders Carl Benz unternommen wurde? Oder dass ein einzelner armer, kranker Arbeiter der Auslöser für die Einführung von Sozialversicherungen, Mindestlohn und Betriebswohnungen war? 

Ein großer Vorteil im Vergleich zu klassischen Sachbüchern ist, dass nur sehr wenige Fremdwörter vorkommen, da meist bürgerliche Personen „sprechen“ und die Berichte so eher Erzählungen gleichen. So ist der Lerneffekt weitaus größer, wenn dem Leser beispielsweise der Begriff „Inflation“ von einem ungebildeten Gauner erklärt wird, als stichpunktartig im Register eines Schulgeschichtsbuches. 

Da der Autor großen Wert auf historische Genauigkeit legt, lässt er den Leser deswegen an unsicheren Stellen (z.B. wegen nicht bestätigter oder ungenauer Quellen) leider auch schon mal ,,im Dunkeln tappen“. Dadurch sind einige wichtige „Geschichts-Highlights“ wie zum Beispiel die „Drei Depeschen“ oder die Entstehung der DDR entweder aus einer unpassenden Sichtweise oder zu ungenau und kurz beschrieben worden. 

Besonders bemerkenswert sind hingegen die einfühlsam geschriebenen Tagebücher zweier Soldaten bei Stalingrad, die sich beide nichts mehr wünschen als Frieden und doch täglich mit dem Tod konfrontiert werden, und der Bericht eines ehemaligen KZ-Aufsehers von Auschwitz, der nicht einsehen will, dass er als Massenmörder verurteilt werden soll.

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für Geschichte interessiert oder seine Wissenslücken zur deutschen Geschichte auf unterhaltsame Art und Weise auffüllen möchte. Wer jedoch großen Wert auf Sachlichkeit und geschichtliche Daten legt, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen. 

(Betreut von Dr. Ansgar Hoff) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Günther Bentele: Die Moderne (Augenblicke der Geschichte 3), München: cbj 2008, 368 Seiten, ISBN 978-3-570-12916-6, EUR 18,95, gelesen von Judith Schönwasser. lesepunkte 5 (2010), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7896/

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Erstellt: 26.07.2010

Zuletzt geändert: 26.07.2010