Romane

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Gudrun Pausewang: Die Meute , Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2006, 224 Seiten, ISBN 3-473-34478-8, EUR 12,95.

 

gelesen von Vanessa Werner, 9. Klasse
Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg

 


Es gibt viele Jugendbücher zum Thema Nationalsozialismus. An und für sich eine interessante Sache, doch wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Als Leser fragt man sich oft, in welchem Buch man etwas Neues erfährt, welches Buch spannend ist und bei welchem Buch es sich lohnt, wenn man es liest. Deshalb im Folgenden eine Rezension zu Gudrun Pausewangs Jugendbuch „Die Meute“, das die Geschichte eines Jungen erzählt, der sich mit der heutigen Problematik des Nationalsozialismus konfrontiert sieht.

Gudrun Pausewang ist eine sehr bekannte Schriftstellerin, ihre Werke wurden mehrmals ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“. Sie schreibt Bücher sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche und beschäftigt sich mit den Themen Dritte Welt, Frieden, Umweltschutz und Nationalsozialismus. 

Ihr Buch „Die Meute“ handelt vom vierzehnjährigen Paul, der mit seiner Mutter in Berlin wohnt. In den Sommerferien besucht er seine Großeltern, die in einem kleinen Dorf wohnen, für zwei Wochen. Da er ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Großvater hat, freut er sich sehr darauf. Was Paul jedoch nicht weiß: Sein Opa, der in der Zeit des Nationalsozialismus jung und damals selbst im Krieg war, ist von den Ideen der Nazis noch immer überzeugt. Er hasst Ausländer und ihre fremden Kulturen und ist darauf erpicht, „das Deutschtum zu pflegen“. Da er der Meinung ist, dass die Jugend keine Ideale mehr hat, gründet er für die Jungen im Dorf eine Jugendgruppe, die er selbst „Die Meute“ nennt. Doch von einer Jugendgruppe kann eigentlich nicht die Rede sein, weil sie alleine dazu dienen soll, den ahnungslosen Jugendlichen die nationalsozialistische Ideologie nahe zu bringen. Anfangs verdrängt Paul noch, dass sein Opa ein Nazi ist, und erst, als der dunkelhäutige Joshua in Lebensgefahr schwebt, greift er ein… 

Im Allgemeinen fand ich das Buch lesenswert, doch es gibt dennoch etwas, mit dem ich nicht zufrieden war. Ich hatte den Eindruck, dass man als Leser nicht sehr viel über die Zeit erfährt, als Hitler an der Macht war und der Nationalsozialismus seinen Höhepunkt erlebte. Das Buch beschäftigt sich mehr mit der Auseinandersetzung zwischen Paul und seinem Großvater. Ich hätte gerne gewusst, welche Erfahrungen Pauls Opa damals noch gemacht hat. 

Positiv war allerdings, dass beschrieben wird, wie es den jungen Leuten damals ergangen ist und warum die Nazis sie von ihren Ideen so leicht überzeugen konnten. Man kann sich in den Großvater hineinversetzen und versteht im Ansatz, warum ihm sein Leben zu dieser Zeit gefallen hat. Ansonsten ist „Die Meute“ eine anschauliche Erzählung, die sich mit einem wichtigen und interessanten Kapitel unserer Geschichte beschäftigt. Der Leser kann sich sehr gut mit den meisten Personen identifizieren und versteht deren Gefühlswelt. Man hofft selbst, dass sich Paul endlich mit seinen Großeltern auseinandersetzt und aufhört zu verdrängen, was ihn quält.

Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass mir gefallen hat, wie der Charakter von Pauls Opa gezeichnet wird. Man sieht ihn nicht nur als den „bösen“ Neonazi, sondern auch als Menschen. Man nimmt so trotz seiner fanatischen Ansichten auch seine andere Seite war, nämlich die des treusorgenden Großvaters und Ehemannes. Das fand ich sehr beeindruckend, denn kein Mensch hat nur eine einzige charakterliche Facette. 

Meiner Meinung nach lohnt es sich auf jeden Fall, das Buch zu lesen, auch wenn man nicht sehr viele geschichtliche Hintergründe erfährt. „Die Meute“ ist ein zugleich spannendes und lehrreiches Buch über den Nationalsozialismus und über dessen Nachwirkungen bis heute, aber auch über Freundschaften und das Erwachsenwerden. 

(Betreut von Dr. Petrus Müller) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Gudrun Pausewang: Die Meute , Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2006, 224 Seiten, ISBN 3-473-34478-8, EUR 12,95, gelesen von Vanessa Werner. lesepunkte 2 (2007), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4895/

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Erstellt: 13.02.2007

Zuletzt geändert: 13.02.2007