Mittelalter

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Kay Peter Jankrift: Mit Gott und schwarzer Magie. Medizin im Mittelalter, Stuttgart: Konrad Theiss Verlag 2005, 176 Seiten, ISBN 978-3-8062-1950-0, EUR 36,00. 

 

gelesen von Jonas Eggert, 11. Klasse
Meranier-Gymnasium Lichtenfels

 


In dem von Kay Peter Jankrift im Jahre 2005 veröffentlichen Buch „Mit Gott und schwarzer Magie. Medizin im Mittelalter“ wird die mittelalterliche Alltagsgeschichte wiedergespiegelt; in besonderem Bezug auf Krankheiten, deren Ursprung und ihre Behandlungsmethoden, sowie auf den – auch im Christentum -  stark verbreiteten Aberglauben.

Jankrifts roter Faden durch die neun Kapitel seines Buches stellt der Einfluss der katholischen Kirche quer durch die Geschichte des Mittelalters dar, der nicht nur die Medizin und somit auch die Heilungsmethoden erfasste, sondern auch die Lebensweise für die einzelnen Gesellschaftsstrukturen auslegte und bestimmte: „[Es] ... finden sich Medizin, Religion und Aberglaube eng miteinander verwoben“ (15). 

Die aus umfassender Quellenkenntnis verfasste Darstellung des promovierten Historikers und Philologen stellt den kranken Menschen mit seinen Erfahrungen in den Mittelpunkt. Auffallend ist die Gleichheit der Behandlungsmethoden sowohl für das einfache Volk als auch für den Adel. Bader, Ärzte und Chirurgen suchten Mittel und Wege der Rehabilitation, indem sie Bereiche abdeckten, die sich von Quacksalberei bis hin zu ernst zunehmenden Behandlungsmethoden erstreckten. Trotz geringer medizinischer Kenntnisse suchte man nach Heilmitteln und Methoden, um alltägliche Leiden zu lindern, aber auch die Pest oder die Lepra einzudämmen; jedoch war der Glaube an Gottes Willkür beim Verlauf einer Krankheit allgegenwärtig, so dass doch jegliche Wissenschaft nur zur Unterstützung von Gottes Willen diene konnte. 

Die ersten zwei der insgesamt neun Kapitel dienen der Einleitung und versuchen die tägliche Situation und den Umgang mit dem Tod dem Leser nahe zu legen. Hier wird auch wieder deutlich, dass Krankheit nach dem Verständnis dieser Zeit in manchen Fällen einfach nur eine Sündenstrafe darstellte und somit von Gott gesandt war („Nur wer vor seinem Schöpfer sündigt, wird in die Hände des Arztes überliefert“, 15), eine Folge von Hexerei war oder ein Ungleichgewicht der Natursäfte (Blut, Schleim, gelbe Galle, schwarze Galle) im Körper des betroffenen Menschen. 

Im darauf folgenden dritten Kapitel ist die Rede von der Entwicklung der mittelalterlichen Medizin. Die Medizin wird seriöser genommen und Erbstücke aus der Antike wie zum Beispiel die Säftelehre neu überdacht oder komplett verdrängt. Ab dem folgenden Kapitel stellt Jankrift, dem Lauf des Lebens folgend, von der Geburt bis zum Alter, spezifische Krankheiten und die Reaktionen der Gesellschaft vor. Er lässt die bedeutendsten Vertreter der mittelalterlichen Ärzteschaft auftreten und untersucht den Einfluss der antiken, jüdischen und arabischen Heilkunde. 

Der Autor ist bemüht, vorsichtige Bezüge zum heutigen Verständnis von Krankheit und Krankheitsfall herzustellen, wenn er zum Beispiel zur „Viersäftelehre“ erwähnt, dass „grauer Urin“ (der Urin des Melancholikers) nach moderner Definition nicht existiert und somit das Verständnis für diese Krankheit und ihre Folgen uns nicht gegeben ist. Da Jankrift den kranken Menschen in seiner Schilderung durch längere Zitate auch selbst zu Wort kommen lässt und seine Quellen umfassend interpretiert, weckt er beim Lesenden die wichtige Einsicht, dass die mittelalterliche Welt der Kranken sich schwer erschließen und verstehen lässt, wenn man die Krankheit nur allein als etwas physisches sieht – so blieben Heilungen durch Wunder, Heilige oder Gott doch unverständlich. 

Am Ende der 176 Seiten umfassenden, gut gegliederten und mit seltenen und aussagekräftigen Illustrationen, Karikaturen und Gemälden veredelten Lektüre sind Wort-, Bild- und Quellenerklärungen im Anhang angefügt. 

Alles im allen ein sehr interessantes und eindrucksvolles Buch, das jedoch ein gewisses Grundinteresse voraussetzt, da manche Textpassagen und Erläuterung sich kompliziert in die Länge strecken und besondere Aufmerksamkeit abverlangen. Diese Lektüre war auch für mich, obwohl mein Haupt-Interessengebiet deutlich nach 1900 liegt, sehr lehrreich, interessant und lohnenswert – allein schon unter dem Gesichtspunkt, Verständnis für die damalige Zeit aufzubringen und Handlungsweisen zu verstehen. 

(Betreut von Verena Schier) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Kay Peter Jankrift: Mit Gott und schwarzer Magie. Medizin im Mittelalter, Stuttgart: Konrad Theiss Verlag 2005, 176 Seiten, ISBN 978-3-8062-1950-0, EUR 36,00, gelesen von Jonas Eggert. lesepunkte 2 (2007), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5051/

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Erstellt: 13.06.2007

Zuletzt geändert: 13.06.2007