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Souad Mekhennet / Michael Hanfeld: Islam (Arena Bibliothek des Wissens), Würzburg: Arena Verlag 2008, 192 Seiten, ISBN 978-3-401-06220-4, EUR 9,95. 

 

gelesen von Daniel Winnand, 9. Klasse
Albertus-Magnus-Gymnasium, Viersen

 

lesepunkte: ●●●

 


Das Buch „Islam“ von Souad Mekhennet und Michael Hanfeld behandelt den Islam und die ihm gegenüber herrschenden Vorurteile, es versucht dabei objektiv die Identität dieser Weltreligion zu beschreiben, wobei auch historische Aspekte hinzugezogen werden. Zuerst gehen die Autoren auf die Anfänge des Islam ein und nehmen hierbei natürlich vor allem Bezug auf Mohammed, den Propheten, der als Begründer des Islam gilt. Sein Leben wird in Kurzform wiedergegeben und auch mit einer Zeittafel veranschaulicht. Außerdem gehen die Autoren auf dessen Nachkommen ein, aus denen später der erste Kalif Abdallah Abu Bakr hervorgeht. Kalifen werden als Nachfolger oder Stellvertreter Mohammeds definiert.

Ausführlich werden dann auch die beiden Hauptgruppen beschrieben, in die sich der Islam teilt: Die Sunniten, die etwa 85 bis 90 % aller Muslime ausmachen, und die Schiiten, die mit 10 bis 15% die klare Minderheit bilden. Dann wird der Islam an sich behandelt; die 5 Säulen des Islam werden ausführlich beschrieben: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die Almosensteuer, das Fasten während des Monats Ramadan und der Besuch der heiligen Stadt Mekka. Es werden außerdem die Prioritäten für seine Anhänger, wichtige Orte der Religion und die im Koran, der heiligen Schrift des Islams, niedergeschriebenen Rechte und Gesetze erwähnt. 

Darüber hinaus behandelt das Buch das sehr kritische und auch hochaktuelle Thema des Terrors im Namen des Islam. Terroristen und Selbstmordattentäter rechtfertigen ihre Taten damit, dass sie einen heiligen Krieg oder „Dschihad“, wie sie ihn nennen, gegen die Feinde des Islam führen. Die Autoren weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass das im Prinzip komplett gegen die Natur des Islams geht und die meisten Muslime dies verabscheuen und ablehnen. Außerdem werden die in letzter Zeit von Islamisten (wie man allgemein diese religiösen Terroristen bezeichnet) verübten Anschlage ausführlich beschrieben. Die Anschläge des 11. Septembers 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington werden vor allem im Ablauf erläutert und die Absicht der Attentäter dargelegt. Es finden auch die Anschläge auf drei U-Bahnen in London 2005 und die Anschläge von Madrid auf mehrere Nahverkehrszüge 2004 Erwähnung. Die Autoren unterlegen diese Thematik im Buch mit aussagekräftigen, weil erschreckenden Bilder der Folgen dieser Taten, sie verwenden zum Beispiel Bilder der brennenden Türme des World Trade Centers oder die in Stücke gerissenen Waggons der spanischen Straßenbahnen. 

Natürlich wird auch auf die Konflikte im Nahen Osten zwischen Israelis und Palästinensern und der damit verbundenen Flüchtlingsproblematik Bezug genommen. Des Weiteren wird der bis heute andauernde Krieg in Afghanistan behandelt und hierbei geht das Buch auch auf die Taliban ein, eine radikale Gruppe, die Ende der 90er-Jahre an die Macht kam und seitdem das Land und dessen Bevölkerung unter ihrer Gewaltherrschaft leiden lässt. 

Vor allem wird aber auch die Terrorgruppe Al Qaida, die seit dem 11. September 2001 wohl die bekannteste ihrer Art ist, unter die Lupe genommen. Al Qaida bedeutet übersetzt so viel wie „die Basis“, ihr Anführer ist Osama bin Laden, der bekannteste und meist gejagte Terrorist der Welt, dem die Taliban nach dem Terroranschlag auf die Vereinigten Staaten von Amerika in Afghanistan Unterschlupf gewährt haben.

Außerdem beschreibt das Buch den Krieg im Irak zwischen den dort einmarschierten amerikanischen Truppen und den Irakern. Daraus resultierend gab es zum Beispiel in Bagdad, der Hauptstadt des Iraks viele Anschläge auf die Amerikaner, aber auch auf Botschaften westlicher europäischer Länder. Besonders anschaulich wird diese Thematik durch ein Interview mit einem muslimischen Kämpfer. Dieser schildert stellvertretend für viele andere seine Ansicht und seinen persönlichen Grund, für sein Land in den Krieg zu ziehen. Dann wird noch der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen, welche von dänischen Karikaturisten gezeichnet wurden und bei fundamentalistischen Muslimen auf Protest stießen, beschrieben. In Folge dessen kam es zu Anschlägen auf dänische Botschaften im Ausland und zu großen Demonstrationen. 

Außerdem beschäftigt sich das Buch mit dem Islam in Europa und einigen Streitpunkten, wie zum Beispiel der Kopftuch-Debatte. Hier kommen mehrere in Deutschland lebende Muslima in Interviews zu Wort. Außerdem geht es auf die höchst heikle Thematik der Ehrenmorde ein am Beispiel des Falls von Hatun Sürücü, die 2005 von ihrem Bruder erschossen wurde, weil sie sich dem westlichen Lebensstil angepasst hatte. Zuletzt behandeln die Autoren die Frage, was der Islam wirklich will, durchleuchten dabei die innerreligiöse Struktur des Islams und befragen einen Imam, das heißt einen muslimischen Vorbeter, aus Berlin. 

Meiner Meinung nach ist es den Autoren sehr gut gelungen, das öffentliche Bild des Islam zu beschreiben, aber auch seine Werte und Motive verständlich darzustellen. Da das Buch von zwei verschiedenen Autoren geschrieben ist, kommen gewissermaßen zwei verschiedene Meinungen zum Vorschein. Außerdem finde ich es gut, dass erst einmal die Entstehung des Islam geschildert wird und man so als Leser erfährt, was diese Religion prägt. Zur Veranschaulichung werden hierzu immer wieder Zeichnungen und Informationskästen benutzt, was sehr nützlich für den Leser ist, um die vielen Themen des Buches zu verstehen. Darüber hinaus werden komplizierte Namen in Verbindung mit Jahreszahlen, zum Beispiel bei der Beschreibung der ersten vier Kalifate nach Mohammed, mit entsprechenden übersichtlichen Zeittafeln vertieft. Alle muslimischen Begriffe werden erklärt, wie z.B. „Dschihad“: „Heute wird der Begriff Dschihad hauptsächlich mit Krieg, Kampf und sogar Terror in Verbindung gebracht. [...] Das Wort kann auch „Anstrengung“ oder „Bemühung“ bedeuten.“ (32). Auch aktuelle und brisante Themen wie der Terrorismus werden meiner Meinung nach sehr sachlich und gut aufbereitet und die Autoren bringen stets zum Ausdruck, dass diese Dinge überhaupt nicht der Natur des eigentlich friedlichen Islams entsprechen, was ich sehr wichtig finde. 

Zunächst verwirrend sind allerdings die arabischen Kalligraphien, die immer wieder zwischen die Textpassagen eingefügt worden sind. Auf den letzten Seiten des Buches werden sie dann aber „übersetzt“, woraufhin man merkt, dass sie dem Sinn nach nicht so wirklich dorthin passen, wo sie sich befinden. Am Ende des Buches finden sich Quellennachweise. Das Buch ist für Jugendliche sehr gut geeignet, da die Autoren einen einfachen und verständlichen Schreibstil haben. 

Insgesamt kann ich sagen, dass das Buch alle wesentlichen Kriterien für ein Jugendsachbuch erfüllt und die Hauptthematik ausführlich und auch vielseitig beschreibt. Da es mich vollends überzeugt hat und die Lektüre sehr interessant war, empfehle ich es weiter und vergebe 4 von 5 Lesepunkten, was der Bezeichnung „ein sehr gutes Buch“ entspricht. 

(Betreut von Karoline Zielosko) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Souad Mekhennet / Michael Hanfeld: Islam (Arena Bibliothek des Wissens), Würzburg: Arena Verlag 2008, 192 Seiten, ISBN 978-3-401-06220-4, EUR 9,95, gelesen von Daniel Winnand. lesepunkte 4 (2009), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7011/

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Erstellt: 16.06.2009

Zuletzt geändert: 16.06.2009