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Neil Philip: Tessloffs Enzyklopädie Mythologie, Nürnberg: Tessloff Verlag 2005, 224 Seiten, ISBN 3-7886-1388-2, EUR 19,95.
gelesen von Marcel Meder, 8. Klasse
Siebold-Gymnasium Würzburg

Neil Phillips “Enzyklopädie der Mythologie” verspricht “spannenden Lesestoff […] für die ganze Familie”, so die Werbung. Sie bietet auch tatsächlich Antworten auf viele Fragen zu Mythen aus Europa, aber auch von den anderen Kontinenten. Wer sich für Mythen und Sagen interessiert, wird also Spaß am Lesen dieser Enzyklopädie haben: Die Spannweite der Themen ist sehr groß.
Die Ursachen und der Verlauf des Trojanischen Krieges werden erklärt, die Totenrituale der alten Ägypter und die von Kultur zu Kultur verschiedenen Versionen der Entstehung der Erde.
Andererseits werden wichtige griechische Sagen(helden) nur am Rande erwähnt oder im hinteren Teil des Buches unter “Weitere Mythengestalten” kurz vorgestellt. Über Herkules zum Beispiel erfährt man fast nichts. Dass er seinen Cousin Theseus aus der Unterwelt befreit und dass er „der große Held, Sohn von Zeus und einer Sterblichen, Alkmene“ ist – mehr steht dort nicht. Statt nur zu erwähnen, dass er „berühmt für seine 12 Arbeiten“ ist, hätte der Autor meiner Meinung nach wenigstens ein paar dieser Arbeiten in einem Extra-Kapitel ausführlich beschreiben können.
Wer sich für Mythen anderer Kontinente als Europa interessiert, wird feststellen, dass viele Ereignisse, die wir aus der Bibel kennen, schon tausende von Jahren vor der Entstehung dieses Buchs der Bücher auf ähnliche Weise von anderen Kulturen verbreitet worden sind: Die Geschichte von Noah und der Großen Sintflut wird fast überall auf der Welt auf eine andere Weise erzählt.
Durch die „Enzyklopädie der Mythologie“ werden dem Leser viele Zusammenhänge klar und er lernt sehr viel Neues kennen. Allerdings wird man, wenn man einen Band gesammelter Nacherzählungen von Sagen erwartet, ein wenig enttäuscht: “Tessloffs Enzyklopädie Mythologie” macht eher die Zusammenhänge und Entstehung der Mythen klar. Als ganze Geschichten werden in dem Buch nur einzelne Sagen erzählt.
Die Gestaltung der Enzyklopädie ist sehr ansprechend - viele Illustrationen und Fotos neben den Texten, sowie die farbigen Hintergründe der Seiten erleichtern die Lektüre dieses Buches sehr. Das Buch ist in verschiedene Abschnitte gegliedert. Am Anfang beschreibt Neil Phillip im Kapitel “Die Welt” die Bedeutung und Entstehung von Mythen und die Zusammenhänge zwischen den Mythen verschiedener Völker.
Die folgenden Abschnitte erzählen – jeweils chronologisch geordnet - von den Sagen auf den einzelnen Erdteilen. Sie werden jeweils mit einer Karte des Kontinents eingeleitet, auf dem Bilder verschiedener Sagengestalten zu sehen sind - das Trojanische Pferd zum Beispiel ist auf dem Gebiet der heutigen Türkei abgebildet. Weiter hinten ist eine Liste von “Weiteren Mythengestalten” - auch in Kontinenten und zusätzlich Völker gegliedert.
Ein doppelseitiges Kapitel besteht aus einem transparenten Hintergrund, der sich farblich von den jeweils anderen Seiten unterscheidet. Dadurch findet man bestimmte Themen leichter und schneller. Dies macht das Lesen abwechslungsreicher. Auf jeder Doppelseite wird eine Sage vorgestellt, während der Rest auf dieser Seite die Zusammenhänge und Quellen zu dieser Legende klärt – diese wird farblich deutlich durch eine Art Pergamentstück, auf dem die Geschichte geschrieben ist, hervorgehoben.
Nützlich ist das Glossar mit den Erklärungen von Fremd- und Fachwörtern. Das Register auf der folgenden Seite verweist auch auf Seiten, die oft gar nichts mit dem gesuchten Wort zu tun haben, sondern Wort in einem völlig anderen Zusammenhang erwähnen: Gesucht ist zum Beispiel „Zeus“. Das Register führt zwar auch zu Seiten im Kapitel der Griechen, aber auch zu „Osteuropa - Die Slawen“. Dort taucht Zeus im Satz auf:„Da er [der Hauptgott der Slawen "Perun"] häufig als Donnergott bezeichnet wird, hat man Perun […] auch mit dem griechischen Zeus verglichen.“ Diese Gründlichkeit ist einerseits nützlich, weil man so sieht, dass es auch andere „Donnergötter“ gibt, aber manchmal auch etwas nervig.
Trotz der Empfehlung des Verlags ab 10 Jahren finde ich, dass das Buch erst für 12jährige oder Ältere geeignet ist. Die Sprache, die der Autor verwendet, ist sehr sachlich und teilweise nicht einfach zu verstehen. Dieses Buch ist eine Enzyklopädie, also ein Nachschlagewerk - und als solches ist es sehr weiterzuempfehlen. Es ist keine spannende Lektüre von römischen Sagen oder japanischen Legenden!
Alles in allem ist „Enzyklopädie der Mythologie“ ein sehr aufschlussreiches Sammelwerk mit schöner Gestaltung, das in einem Haushalt, der sich für Sagen und Mythen interessiert, nicht fehlen sollte.
(Betreut von Rainer Maas)
Empfohlene Zitierweise
Neil Philip: Tessloffs Enzyklopädie Mythologie, Nürnberg: Tessloff Verlag 2005, 224 Seiten, ISBN 3-7886-1388-2, EUR 19,95, gelesen von Marcel Meder. lesepunkte 1 (2006), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4772/
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Erstellt: 12.12.2006
Zuletzt geändert: 12.12.2006




