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Neal Shusterman: Vollendet, Düsseldorf: Sauerländer Verlag 2012, 431 Seiten, ISBN 978-3-411-80992-9, EUR 16,99. 

 

gelesen von Catherine Müller, 10. Klasse
Apostelgymnasium, Köln

 

lesepunkte: ●●●●● 

 


„Deine Umwandlung ist garantiert schmerzfrei. Jeder Teil deines Körpers lebt weiter. Sagen sie. Aber wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem… Lebst du dann, oder bist du tot? “

„Wovor du auch wegläufst, du wirst es nur schaffen, wenn wir uns zusammentun. “ 

Der Roman „Vollendet“ wurde von Neal Shusterman verfasst und im Jahre 2012 in der deutschen Übersetzung von Ute Mihr und Anne Emmert veröffentlicht. Der Roman ist geeignet für junge Erwachsene. Er beschreibt die Erlebnisse von drei Jugendlichen, die vor dem Gesetz auf der Flucht sind. 

Die Geschichte spielt in naher Zukunft nach dem Zweiten Bürgerkrieg in Nordamerika. Die Vereinigten Staaten sind fest in Regierungshand und es herrscht eine strenge Ordnung. Es wurde die „Charta des Lebens“ verabschiedet, die unter anderem besagt, dass Jugendliche im Alter von dreizehn bis achtzehn Jahren umgewandelt werden können, wenn ihre Eltern dies wollen. Bei der Umwandlung wird der Körper in alle seine Einzelteile zerlegt. Die einzelnen Organe werden gespendet, sodass man theoretisch nicht getötet wird, sondern auf eine andere Weise weiterlebt. 

Diesem Problem stehen auch die Hauptfiguren des Romans gegenüber: Connor Lassiter ist ein Junge, der sich gerne mal in der Schule prügelt und deswegen bei allen Eltern eher unbeliebt ist. Trotzdem ist er klug und möchte, dass Gerechtigkeit herrscht. Durch Zufall findet er heraus, dass seine Eltern ihn umwandeln lassen wollen. Um sein eigenes Leben zu retten, flieht er. Doch die Jugendpolizei (JuPo) ist ihm schnell auf den Fersen.Unterwegs greift Connor auch einen dreizehnjährigen Jungen auf, der Lev Jedediah Calder heißt. 

Lev ist reich, verwöhnt, beliebt und ein Zehntopfer. Ein Zehntopfer kommt häufig bei sehr gläubigen Familien vor, die ihr zehntes Kind der Gemeinschaft opfern, um seine Organe zu spenden, indem sie es umwandeln lassen. Für Lev ist es eine Ehre, ein Zehntopfer zu sein. Deswegen ist er auch wütend, als Connor ihn mitnimmt, obwohl er eigentlich viel lieber umgewandelt werden möchte, da er sich schon seit langem darauf vorbereitet hat. 

Risa Ward kann sich aus einem Bus befreien, der Jugendliche zur Umwandlung bringen soll. Sie flieht mit Connor und Lev in den Wald. Risa ist fünfzehn Jahre alt und ein Waisenkind. Auf Grund einer Budgetkürzung soll sie umgewandelt werden, obwohl sie geschickt und schnell ist. Jedoch sind ihre Musikkünste nicht ausreichend, um sie vor der Umwandlung zu schützen. 

Connor, Risa und Lev fliehen durch den Wald, um sich erst mal versteckt zu halten, da die JuPo sie verfolgt. Als sie gezwungen sind in die Stadt zu gehen, um Nahrung zu bekommen, nutzt Lev die Gelegenheit und möchte Risa und Connor an die JuPo ausliefern. Jedoch wird den beiden zur Flucht verholfen und ihnen ein Versteck angeboten. In dem Versteck treffen sie auf andere Flüchtlinge. Dort erfahren sie auch, dass sie in einen Teil einer Organisation geraten sind, die Flüchtlinge an einen Ort bringt, an welchem sie bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr untertauchen können, denn sobald sie dieses Alter erreicht haben, dürfen sie nicht mehr umgewandelt werden.

Inzwischen hat sich Lev dazu entschieden, sich doch nicht umwandeln zu lassen. Auch er begibt sich wieder auf die Flucht, bis sich sein Weg mit Risas und Connors an einem geheimen Ort kreuzt. Doch schon bald passieren schlimme Dinge, bis sie auch dort nicht mehr sicher sind. Und auch auf der Flucht erleben die drei einiges. 

Gelingt es Risa, Connor und Lev bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr durchzuhalten oder fallen sie dem Gesetz zum Opfer? Ich kann nur eines sagen, wir befinden uns nicht in einem Märchen, sondern in der Wirklichkeit. 

Der Roman besteht insgesamt aus 431 Seiten und 69 Kapiteln, welche aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben sind. Hauptsächlich sind sie aus denen der Hauptfiguren, aber auch aus der Sicht von Außenstehenden verfasst. 

Neal Shusterman erzählt die Schicksale der Jugendlichen spannend und ergreifend und verbindet einzelne Geschichten miteinander. Er schreibt einfach, aber detailliert, so dass es jeder verstehen kann. Jedoch nicht so detailliert, dass es langweilig wird. 

Mir gefällt der Roman sehr gut, da alles erklärt wird, sogar das, was man gar nicht erwartet hätte, wie z.B. die Umwandlung. Außerdem wird von den Figuren über psychologische Fragen diskutiert, die sich der Leser auch selber gestellt hat. Durch diese Fragen, die sehr tiefgründig sind, werden die Figuren real und erscheinen nicht ausgedacht. 

Dank der vielen Perspektivenwechsel, die jedoch meiner Meinung nach manchmal viel zu häufig vorkommen, weiß man immer nur genauso viel wie die Figuren, wodurch man selbst anfängt nachzudenken. Natürlich wird dadurch auch Spannung aufgebaut, die bis zum Ende des Romans erhalten bleibt. 

Da es ein paar Stellen gibt, die ziemlich schockierend und nichts für schwache Nerven sind, wäre es schön gewesen, wenn die Liebesgeschichte in dem Roman stärker hervorgehoben worden wäre. Auch könnten die Kapitel teilweise länger sein, da manche nur aus zwei Seiten bestehen. Dadurch kommt auch der etwas zu häufige Perspektivenwechsel zustande. Ich selbst habe mich jedoch nach einiger Zeit daran gewöhnt. 

Das Ende ist nicht offen gelassen, lässt aber die Möglichkeit auf einen zweiten Band, auf den ich mich sehr freuen würde. 

Aus den genannten Gründen gebe ich dem Roman 5 lesepunkte. 

(Betreut von Katharina Frings) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Catherine Müller: Rezension von: Neal Shusterman: Vollendet, Düsseldorf: Sauerländer Verlag 2012. lesepunkte special März 2013, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/9853/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 20.03.2013

Zuletzt geändert: 20.03.2013

Zweiter Band


Zur Rezension des zweiten Bands von "Vollendet" kommt ihr hier.