Schneider

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Gerd Schneider: Kafkas Puppe, Würzburg: Arena Verlag 2009, 224 Seiten, ISBN 978-3-401-50148-2, EUR 6,50. 

 

gelesen von Miriam Jedelhauser, 9. Klasse
St.-Thomas-Gymnasium Wettenhausen

 

lesepunkte: ●●●●○

 


Als Kafka das Waisenkind Lena in einem Park trifft und sieht, wie sie um ihre verlorene Puppe weint, will er sie auf besondere Art und Weise trösten. Er schreibt Briefe an Lena, lässt sie jedoch im Glauben, diese seien von ihrer Puppe Mira. In diesen Briefen wird Lena die wunderschöne Reise, welche ihre Puppe Mira durchlebt, erzählt. Somit ist der Schmerz über deren Verlust für sie leichter zu ertragen. Es ist nicht immer einfach für Kafka, mit froher Miene in den Park zu gehen, da sein Leben und das seiner Frau Dora durch seine Krankheit Tuberkulose wie auch durch Armut getrübt ist. Die Freude des kleinen Mädchens gibt Kafka ein neues, positives Lebensgefühl.

Doch das Glück hält nicht lange an, da sich seine Krankheit verschlimmert und Kafka schließlich stirbt. Zuvor hatte er jedoch in jenem Park immer wieder Stofffetzen der Puppe gefunden. Dora wollte aus diesen eine neue Puppe für Lena machen, die Kafka ihr zum Abschied schenken sollte. Doch dazu kommt es nicht, denn beide verpassen sich. Nach Kafkas Tod beschließt Dora, die neu gefertigte Puppe Kafkas Nichte zu schenken. Eines Tages trifft diese mit ihrer Puppe im Arm auf Lena, die seiltanzt. Damit ahmt Lena ihre Puppe Mira nach, die Kafka in seinen Briefen zur Seiltänzerin hat werden lassen. Als sie Kafkas Nichte während ihres Auftritts sieht, werden die Erinnerungen in ihr wieder wach. 

Das Buch ist eine Mischung aus der erzählten Lebensgeschichte Kafkas und seinen fiktiven Briefen an Lena. Aufgrund seiner leichten inhaltlichen wie auch sprachlichen Verständlichkeit ist es empfehlenswert. Es gelingt dem Leser schnell, sich in das Mädchen hineinzuversetzen, und so ist man gespannt darauf, die Briefe zu lesen.  

Zwischen der auf Echtheit beruhenden Lebensgeschichte Kafkas und den Briefen besteht ein logisch nachvollziehbarer Handlungszusammenhang. Die Erzählung stützt sich auf eine wahre Begebenheit. Als Kafka Dora 1923 kennen gelernt hat, zieht er kurze Zeit später mit ihr zusammen. Auch die Briefe Kafkas existieren, wurden jedoch niemals gefunden. Besonders hervorgehoben werden muss, dass der ansonsten als eher verschlossen und unnahbar bekannt gewordene Schriftsteller hier sehr emotional in Erscheinung tritt. Man weiß, dass Franz Kafka sehr unter der strengen Hand seines Vaters gelitten hat, deshalb erstaunt es, dass er in „Kafkas Puppe“ so viel Gefühl für Lena und ihre Trauer um ihre verlorene Puppe aufbringen kann. Dieses lesenswerte Buch ist besonders Jugendlichen einer 7. oder 8. Klasse zu empfehlen.  

(Betreut von Ulrike Neß) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Gerd Schneider: Kafkas Puppe, Würzburg: Arena Verlag 2009, 224 Seiten, ISBN 978-3-401-50148-2, EUR 6,50, gelesen von Miriam Jedelhauser. lesepunkte 5 (2010), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7906/

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Erstellt: 26.07.2010

Zuletzt geändert: 26.07.2010