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Hajo Düchting: Wie erkenne ich? Moderne Architektur, Stuttgart: Belser Verlag 2007, 128 Seiten, ISBN 978-3-7630-2480-3, EUR 12,95.
gelesen von Coraly von Welser, 10. Klasse
Wilhelmsgymnasium, München
lesepunkte: ●●●○○

Hajo Düchting verfolgt in diesem Band die Entwicklung der modernen Architektur, beginnend bei ihren Vorläufern im 19. Jahrhundert über Jugendstil, Bauhaus und die Architektur der Nachkriegszeit bis in die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Eine Einführung spricht die wichtigsten Stationen der modernen Architektur bereits kurz an.
Der erste Teil des Buches, „Die Vorläufer der Modernen Architektur“, befasst sich mit den europäischen Reformbewegungen „Arts and Crafts-Movement“ und Jugendstil, die den Anstoß für ein neues Denken und eine neue Ästhetik in der Architektur gaben. Technisch aufwändige Eisenkonstruktionen und der Stahlbetonbau wurden durch die Verwendung neuer Materialien ermöglicht und in Amerika beim Bau von ersten Hochhäusern perfektioniert.
Das zweite Kapitel, „Pioniere der Moderne“, stellt die Wegbereiter der Moderne vor. Sowohl die Leistungen des Deutschen Werkbunds als auch die expressionistische und organhafte Architektur kommen zur Sprache, aber auch der Neoplastizismus und die De Stijl-Bewegung, die als Kunstrichtung auch eine Umgestaltung der Architektur nach ihren Prinzipien forderte und mit ihrer Maxime, alles auf die Grundformen und -farben zu reduzieren, die Baukunst entscheidend beeinflusste.
Der nächste Teil, „Das Neue Bauen“, widmet sich ausführlich den revolutionären technischen und architektonischen Errungenschaften der Nachkriegszeit, als deren Inbegriff Walter Gropius und das Bauhaus gelten. Im Zuge des von Gropius propagierten Funktionalismus sollte der Siedlungsbau in der Nachkriegszeit vor allem der Arbeiterklasse ein preiswertes und zweckmäßiges Wohnen ermöglichen. Viele der ehemaligen Bauhaus-Mitglieder, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der damit verbundenen Schließung der Kunsthochschule in die USA emigrierten, unter ihnen auch Ludwig Mies van der Rohe, führten die Architektur des Bauhauses dort unter dem Namen „International Style“ fort. Eine weitere wichtige Persönlichkeit und ihr Lebenswerk werden ebenfalls porträtiert: Le Corbusier, der mit seinen einfallsreichen Entwürfen zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts gezählt wird.
Der darauf folgende Themenabschnitt „Architektur in der Diktatur“ zeigt, wie sich die nationalsozialistischen Regimes in Italien und Deutschland und die kommunistische Führung in der UDSSR jeweilige Stilrichtungen der Architektur im Sinne ihrer Ideologie zu Nutze machten.
Im letzten Kapitel, „Halbzeit der Moderne“, beschreibt Hajo Düchting schließlich, wie die Baukunst in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Siedlungspolitik einen Tiefpunkt erreichte, während der International Style vor seiner Ausbreitung in Europa in den USA eine Blütezeit erlebte. Ebenfalls vorgestellt werden der Brutalismus mit seinen monumentalen Betonbauten und die außergewöhnlichen Bauprojekte Oscar Niemeyers in der brasilianischen Hauptstadt, sowie zu guter Letzt die Postmoderne, die durch einen spielerischen, oft ironischen Umgang mit den Stilmerkmalen vergangener Epochen mit dem Architekturideal des Bauhauses brechen wollte.
Der Aufbau des Buches gestaltet sich übersichtlich: Auf eine Einführung zu Beginn des Buches folgen die vier großen Kapitel, die durch eine kurze Zusammenfassung und drei Fragen zum folgenden Themengebiet eingeleitet werden. Die vier umfangreichen Kapitel sind wiederum in etwas kürzere Einheiten unterteilt.
Der Band veranschaulicht die Inhalte durch eine reiche Bebilderung und führt dem Leser die jeweiligen für eine Epoche oder Stilrichtung typischen baulichen Merkmale durch klare, übersichtliche Graphiken vor Augen. Im Buchdeckel befindet sich zudem eine Landkarte, die die bedeutendsten Bauwerke in Europa lokalisiert. Mit zum Konzept der Buchreihe „Wie erkenne ich“ gehört außerdem die Einführung von Übersichtskästen, Worterklärungen und kurzen, farblich abgehobenen Zusammenfassungen, die dem Leser auf einen Blick die wichtigsten Informationen zeigen. Dieses Prinzip bewährt sich auch im vorliegenden Band. Vorne befindet sich im Buch ein Quellennachweis für die Bilder, hinten eine Literaturliste und eine Zusammenstellung sehenswerter Museen und Archive.
Entscheidend zu meinem positiven Eindruck von diesem Band hat die Übersichtlichkeit und Anschaulichkeit des Buches beigetragen. Die vielen Abbildungen lockern die Lektüre auf und können bauliche Eigenheiten auf diese Weise einprägsam präsentieren. Die Graphiken leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Texte, die durch ihre dem Thema angemessene sprachliche Gestaltung auch für jüngere Menschen verständlich sind. Durch die Fragen am Anfang der Kapitel wird der Leser außerdem dazu angehalten, das Gelesene noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Ein weiterer Pluspunkt sind die Zusammenfassungen und Informationskästen, die einen schnellen Überblick über den Inhalt eines Kapitels geben, was sich bei der Benutzung als Nachschlagewerk als sehr nützlich erweist.
Inhaltlich weniger überzeugend erschien mir das Kapitel über die expressionistische Architektur. Hier fehlt eine klare Herausstellung der Merkmale des Baustils und eine genaue, nachvollziehbare Erklärung.
Insgesamt kann ich dieses Buch aber jedem, der sich mit Architektur beschäftigen möchte und noch über wenig Vorwissen verfügt, als kompaktes und kompetentes Einstiegswerk empfehlen.
(Betreut von Beate Pohlus)
Empfohlene Zitierweise
Düchting moderne Architektur, in: historicum.net, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/8313/
Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.
Erstellt: 26.07.2010
Zuletzt geändert: 26.07.2010




