Pullman_Rubin

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Philip Pullman: Der Rubin im Rauch (Ein Sally-Lockhart-Krimi, Band 1), Hamburg: Carlsen Verlag 2009, 256 Seiten, ISBN 978-3-551-35801-1, EUR 7,95. 

 

gelesen von Isabel Weigl, 11. Klasse
Gymnasium bei St.Anna, Augsburg

 

lesepunkte: ○○○○○

 


London 1872: Die 16-jährige Sally Lockhart erhält drei Monate nachdem ihr Vater bei einem Seeunglück umkam eine geheimnisvolle Botschaft, die sie vor den „Drei Wohltaten“ warnt und zu einem Mr. Marchbanks schickt, der ihr weiterhelfen soll.

Zur gleichen Zeit lernen wir eine zwielichtige Pensionsbesitzerin kennen, die nach einem wertvollen Rubin sucht, und einen Seemann namens Matthew Bedwell, der eine wichtige Botschaft für Sally hat, sie aber vergisst zu überbringen, da er stark opiumsüchtig ist. 

Sally stellt Nachforschungen an und bekommt schon bald eine Einladung von George Marchbanks, der ihr dringend etwas mitteilen möchte. Er übergibt ihr aber nur ein Tagebuch und schickt sie dann wieder weg, da eine gewisse Mrs. Holland ihn beobachten würde und Sally in großer Gefahr sei. Bei der Flucht vor Mrs. Holland hilft Sally ein junger Fotograf namens Frederick Garland, doch auf dem Weg zurück nach London wird Sally das Buch von Mrs. Hollands Handlanger gestohlen. Nur die letzte Seite, auf der ein Versteck beschrieben ist, fällt (unbemerkt) aus dem Buch. 

Sally beschließt, aus dem Haus ihres neuen Vormunds zu fliehen und findet Unterschlupf in Fredericks Haus, für den sie auch bald die Buchhaltung übernimmt und versucht, die Erträge seines Fotogeschäftes zu steigern. Bald helfen ihr auch Frederick, seine Schwester Rosa und sein Angestellter Mr. Trembler, sowie der Botenjunge Jim und Mrs. Hollands Dienstmädchen Adelaide, die Sally eine wichtige, wenn auch unverständliche Nachricht von Matthew Bedwell überbringt, den Mrs. Holland in ihrer Pension festhält.  

Nachdem Sally erfahren hat, dass Mr. Marchbanks umgebracht wurde – kurz nachdem sie ihn verlassen hatte, sucht sie Nicholas Bedwell, den Zwillingsbruder des Seemanns Matthew Bedwell, in Oxford auf. Dieser will ihr helfen, seinen Bruder aus den Händen von Mrs. Holland zu befreien. Währenddessen findet Frederick heraus, dass der Rubin, von dem auch in Marchbanks Tagebuch die Rede war, dem Maharadscha von Agrapur gehört hatte und  verschwunden ist, seit der Maharadscha bei einer Rebellion umgekommen ist, die sowohl Major Marchbanks als auch Sallys Vater miterlebt haben.

Sally hat schließlich während eines Opiumrausches eine Halluzination, in der ein Mann laut schreit und zwei Männer miteinander sprechen; dann hört sie, wie jemand in der Dunkelheit ermordet wird und Marchbanks diesen Mann zusammen mit Mr. Lockhart auffindet. Die Besitzerin der Opiumhöhle behauptet, dass dies kein Traum, sondern eine Erinnerung sei und Sally schon einmal unter Einfluss von Opium stand.  

Einige Tage später wird Matthew Bedwell aus der Pension befreit und zusammen mit dem Dienstmädchen Adelaide in Fredericks Haus versteckt. Bedwell berichtet Sally, dass ihr Vater, der von den bösen Machenschaften seines Partner Selby, der mit der Hilfe einer unbekannten Gruppierung Opium nach England geschmuggelt hat, Wind bekommen hatte und nach Singapur gekommen war, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Auf See wurden sie dann von ihrem eigenen Kapitän an Piraten verraten, deren Anführer sich Ah Ling nennt. Um den Mord an Lockhart zu vertuschen, wurde der ganze Schoner versenkt, nur Bedwell und ein Diener überlebten. Ah Ling soll der Kopf der „Fan Lin Society“ sein, der „Sieben Wohltaten“.

Bald findet man auch den Leichnam von Mr. Selby in der Themse, auch Matthew Bedwell wird ermordet und Mrs. Holland lässt Adelaide entführen, die in einer verzweifelten Rettungsaktion der Freunde befreit werden soll, was aber misslingt. 

Währenddessen greift Sally noch einmal zum Opium und erkennt, dass der Schlüssel zur Lösung des Rätsels um den Rubin in ihrer eigenen Vergangenheit liegt. Doch was hat der Unbekannte mit all dem zu tun, der mittlerweile nach London gereist ist, und dessen Plan als einziger aufzugehen scheint? 

Philip Pullman gelingt es in seinem Buch nicht, durchgängig Spannung aufzubauen. Die Geschichte verliert sich in zu vielen parallelen Handlungsverläufen, die selten wirklich zu der Auflösung des Falles beitragen. Dadurch hat sie viele kleine Durchhänger, sodass man den Drang unterdrücken muss, einfach vorzublättern. 

Pullman verwirrt seine Leser mit zu vielen Figuren und Namen, seine Hauptcharaktere agieren meist unglaubwürdig und sind oft nur oberflächlich gestaltetet. So ist Adelaide immer das kleine, ängstliche Mädchen, Jim der liebevolle, chaotische Junge, Rose die große, schöne Ersatz-Schwester, Mrs. Holland die böse alte Hexe und ihre Handlanger sind dumme, lächerliche Verbrecher. Besonders enttäuscht wurde ich von Sally, in die ich mich nie wirklich einfühlen konnte. Wenn Figuren, wie zum Beispiel Matthew Bedwell oder Mr. Marchbanks ermordet werden, nimmt Sally das alles so emotionslos auf, dass man glauben könnte, sie hätte die Leute nie persönlich getroffen und würde sich nicht ein wenig schuldig fühlen, weil sie diese im Grunde immer weiter in die Geschichte hineingezogen hat und sie so in Gefahr brachte. 

Das historische Umfeld der Handlung – das viktorianische Zeitalter – wird überhaupt nicht in die Geschichte eingebunden, sodass man kaum etwas über den geschichtlichen Hintergrund des Buches erfährt. Philip Pullman lässt in seinem Buch nur Gut auf Böse treffen,  Grauschattierungen gibt es in seiner Geschichte nicht. Die junge Hauptfigur wird von vielen offenen, ehrlichen und vertrauenswürdigen Freunden unterstützt, die alle immer zusammen halten und tapfer gegen die hässlichen, grobschlächtigen und geldgierigen „Bösewichte“ kämpfen, die ihnen nur schaden wollen.

Wer hofft, auf eine komplexe Auflösung der Handlung zu stoßen, liegt auch hier falsch. Unglaubwürdige Verbindungen der Figuren und große Lebensdramen tauchen hier gegen Ende plötzlich auf und der geheimnisvolle, von allen gefürchtete Hintermann scheint einfach noch den Nutzen zu haben, die am Rande erwähnten Personen in sich zu vereinen, sodass auch ja keine Logiklücken entstehen. Zu Empfehlen ist das Buch deswegen meiner Meinung nach kaum. Deshalb gebe ich null von fünf Lesepunkten. 

(Betreut von Dr. Claudia Weiser 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Philip Pullman: Der Rubin im Rauch (Ein Sally-Lockhart-Krimi, Band 1), Hamburg: Carlsen Verlag 2009, 256 Seiten, ISBN 978-3-551-35801-1, EUR 7,95, gelesen von Isabel Weigl. lesepunkte 5 (2010), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7669/

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Erstellt: 19.05.2010

Zuletzt geändert: 19.05.2010