Veiel

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Andreas Veiel: Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt, München: cbt 2008, 288 Seiten, ISBN 978-3-570-30624-6, EUR 7,95. 

 

gelesen von Alexandra Gleber, 8. Klasse
Gymnasium bei St. Anna, Augsburg

 

lesepunkte: ●○○○○ 

 


In der Nacht zum 13. Juli 2002 wurde der sechzehnjährige Marinus Schöberl von dem Brüderpaar Marco (23 Jahre) und Marcel Schönfeld (17 Jahre) sowie ihrem Kumpel Sebastian Fink (17 Jahre) grausam misshandelt und schließlich von Marcel Schönfeld nach dem Vorbild des Bordsteinkicks aus dem Film „American History X“ umgebracht. Obwohl es Zeugen und Mitwisser gab, blieb die Tat monatelang unentdeckt.

Warum machen Jugendliche so etwas? Andreas Veiel stellt sich dieser Frage und gibt den Tätern eine Persönlichkeit. Er verschafft nicht nur den Eltern und besten Freunden des Opfers Gehör, sondern er gibt auch den Tätern eine Stimme, indem er ihre Seite der Geschichte erzählt. 

Das Buch selbst ist in zwei Teile geteilt. Der erste Teil besteht im Großen und Ganzen nur aus Interviews mit den Eltern von Marinus Schöberl, Verhören der Täter und Aussagen außenstehender Dorfbewohner. Der zweite Teil enthält die Lebensläufe der drei Täter Marcel und Marco Schönfeld und Sebastian Fink, sowie einen Lebenslauf des Opfers Marinus Schöberl. Außerdem wird der Zeitraum von zehn Tagen vor der Tat beschrieben, der mit dem Tag beginnt, an dem Marco Schönfeld nach drei Jahren Haft entlassen wird. Es folgt eine Rekonstruktion des Tattages. Das folgende Kapitel erzählt von der Zeit nach der Tat. Daran schließen sich Statistiken an. Wichtig sind im Folgenden Mutmaßungen über mögliche Zusammenhänge zwischen dem sozialem Umfeld und dem Mord. 

Obwohl das Buch ein sehr interessantes und brennendes Thema behandelt, enttäuschte es mich ein wenig. Es ist nicht immer einfach zu verstehen, was die Beteiligten sagen, da sie eine Mischung aus Umgangssprache und norddeutsch gefärbtem Dialekt reden und alle Aussagen genauso gedruckt wurden, wie sie ausgesprochen worden sind. Auch inhaltlich ist der Text nicht leicht zu lesen und wird zum Ende hin eher uninteressanter. Außerdem stören die zahlreichen Zitate aus Büchern anderer Autoren den Lesefluss. Auch wenn hier eine dokumentarische Absicht zu erkennen ist, hätte ich mir doch gewünscht, dass Andreas Veiel eine eigene Sprache für seine Gedankenführung findet. Dennoch leistet diese Art der Darstellung, dass der Leser zunehmend die Gewissheit darüber verliert, dass er von vornherein bereits weiß, was geschehen ist. 

So ist es Andreas Veiel mit „Der Kick“ gut gelungen, dem Leser eine andere Perspektive darzulegen: „Unmittelbar nach dem Fund des Leichnams von Marinus Schöberl stand Potzlow über Wochen im Mittelpunkt des Medieninteresses. […] Der Schatten der Tat fiel auf das Dorf. […] Potzlow wurde in den Medien zu einem Dorf der „Mitwisser“, manche Sprachen gar von einem „Faschodorf“. Viele Bewohner fühlten sich von den groben Unterstellungen stigmatisiert. Sie reagierten gereizt, als Journalisten mit ihnen Interviews führen wollten. […] Von einer Mauer des Schweigens war die Rede. Auch diejenigen, die den Tätern nahe standen, schwiegen nun – etwa die Eltern von Marco und Marcel Schönfeld. […] Die biographische Vorgeschichte der Täter, insbesondere das Verhältnis der Brüder Marco und Marcel Schönfeld untereinander sowie der Einfluss der Eltern und des Umfeldes auf sie blieben deshalb in den Medien weitgehend unbeleuchtet. Dazu gehörte auch die alltägliche Erfahrung von Gewalt, der die beiden Brüder im Dorf ausgesetzt waren.“ (277) Das Buch wird meiner Meinung nach jeder der Hauptfiguren gerecht.

Dennoch gebe ich dem Buch nur einen Punkt, weil man es nicht gelesen haben muss. Ich finde  aber, dass es nicht schadet, einmal hinein geschaut zu haben. Als Lesealter empfehle ich „ab 14“. Das Buch erhielt im Jahr 2008 den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury.

(Betreut von Dr. Claudia Weiser) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Andreas Veiel: Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt, München: cbt 2008, 288 Seiten, ISBN 978-3-570-30624-6, EUR 7,95, gelesen von Alexandra Gleber. lesepunkte 4 (2009), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7381/

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Erstellt: 25.12.2009

Zuletzt geändert: 25.12.2009


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