Heuck

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Sigrid Heuck: Meister Joachims Geheimnis, Stuttgart: Thienemann Verlag 2009, 224 Seiten, ISBN 978-3-522-20034-9, EUR 14,90. 

 

gelesen von Ann-Sofie Loibl, 9. Klasse
St. Bonaventura Gymnasium, Dillingen an der Donau

 

lesepunkte: ●●●○○ 

 


In der Rahmenhandlung dieses Jugendbuches bekommt ein Mann das Tagebuch eines Jungens namens Peter zugeschickt, welcher im Hintergrund eines Gemäldes eine Leiche entdeckt hat und um dieses Geheimnis zu lüften, in das Bild hineingereist ist. Der Mann stellt das geheimnisvolle Tagebuch vor, ohne das Rätsel des Verschwindens des Tagebuchschreibers lösen zu können.

Der sehr an Kunst interessierte 16-jährige Peter schildert sein Leben von dem Moment an, als er in einem Bildband das Gemälde „Der heilige Christophorus“ betrachtet und im Hintergrund einige Dinge entdeckt, die nicht zum Rest des Bildes passen wollen. Zum Beispiel brennt ein Haus und in der Hafeneinfahrt sind zwei Schiffe zusammengestoßen. Aber am meisten interessiert den Jungen, was es mit der Leiche auf sich hat, die deutlich sichtbar in einem Fluss treibt. Diese Entdeckung lässt ihn nicht mehr los, von nun an sucht er in jeder freien Minute nach der Lösung dieses Geheimnisses: Er liest die Biographie des Malers  Joachim Patinir und beschäftigt sich mit der Zeit, in der das Bild gemalt wurde, dem 16. Jahrhundert. Aber dann wird ihm klar, dass er, um hinter das Geheimnis zu kommen, in das Bild hineinreisen müsste; und nach einigen Versuchen gelingt es ihm tatsächlich, in das Bild zu kommen, aber nur für kurze Zeit.

Bei einem zweiten, längeren Besuch freundet sich Peter mit Jan, dem Sohn eines Müllers, an, der zufällig in der Werkstatt von Patinir als Knecht tätig ist. Außerdem lernt er die Probleme des 16. Jahrhunderts kennen: Krieg, Inquisition und Hunger. Nach und nach erfährt er, dass die Szenen mit den zusammengestoßenen Schiffen und mit dem brennenden Haus sich wirklich zugetragen haben. Um aber herauszubekommen, warum die Leiche auf dem Bild ist, geht er mit Jan zu Meister Joachim, wo er sich in dessen Tochter Brigitta verliebt. Der Maler bietet ihm sogar eine Lehrstelle an, aber vorerst arbeitet Peter wie Jan als Knecht in der Werkstatt. Auf Umwegen findet er heraus, dass der Tote ein Franzose ist, der in den Besitz von Skizzen mit dem Motiv des heiligen Christophorus kommen wollte, die Albrecht Dürer Joachim Patinir geschenkt hatte. Ohne Wissen des Meisters hat jedoch Jan diese mit nach Hause genommen, um sie abzuzeichnen, und muss nun in einem erbitterten Kampf mit dem Franzosen sein Geheimnis verteidigen; der fällt allerdings sehr unglücklich in sein eigenes Messer und stirbt. Zusammen mit seinem Vater „entsorgt“ Jan dann die Leiche im Fluss, damit auf ihn kein Verdacht fällt. 

Gerade als sich Peter mit Brigitta trifft, die seine Zuneigung erwidert, wird die Zeitreise abrupt von seiner Mutter beendet, weil sie seinen Körper in der ‚richtigen’ Welt berührt. Aber darin ist er nicht mehr glücklich und sehnt sich danach, für immer in dem Bild zu leben, die Lehrstelle bei Meister Joachim anzunehmen und eines Tages Brigitta zu heiraten. 

Die Tagebuchaufzeichnungen sind hier zu Ende und der Mann, der sie zusammen mit dem ‚echten’ Leser durchlebt hat, findet noch eine Nachricht der Mutter, die schreibt, dass dies das letzte Zeugnis ihres verschwundenen Sohnes ist.

Trotz der sehr ungewöhnlichen Handlung hat mir das Buch gut gefallen; es ist so spannend geschrieben, dass es schwer fällt, es am Ende aus der Hand zu legen. Außerdem erscheint selbst die Reise in die Vergangenheit realitätsnah, weil sowohl das Bild als auch dessen Maler wirklich existierten. Durch die gut nachvollziehbaren Gedankengänge Peters beginnt man sich unwillkürlich für das Geheimnis um die Leiche zu interessieren. Das offene Ende lässt zudem Raum für die eigene Phantasie. 

Das Buch besteht aus vier großen Teilen, die in recht kurze Kapitel ohne Überschrift gegliedert sind. Im Buchdeckel findet sich das Christophorusgemälde groß in Farbe abgedruckt und einige große Schwarzweißbilder zeigen Skizzen, Porträts und Zeichnungen aus dem 16. Jahrhundert. Doch muss man nicht unbedingt ein Kunstfan sein, damit einem dieses Buch gefällt; aber wegen der relativ anspruchsvollen Thematik, die auch viel Lehrreiches bietet, würde ich es erst Lesern ab 12 Jahren empfehlen. 

(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF.) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Sigrid Heuck: Meister Joachims Geheimnis, Stuttgart: Thienemann Verlag 2009, 224 Seiten, ISBN 978-3-522-20034-9, EUR 14,90, gelesen von Ann-Sofie Loibl. lesepunkte 4 (2009), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7365/

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Erstellt: 25.12.2009

Zuletzt geändert: 25.12.2009


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