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Robert Domes: Nebel im August, München: cbt 2008, 352 Seiten, ISBN 978-3-570-30475-4, EUR 7,95.
gelesen von Raphaela Geierhos, 10. Klasse
St. Bonaventura-Gymnasium, Dillingen an der Donau
lesepunkte: ●●●○○

„Nebel im August“ ist die Biographie eines Jungen, der 1929 als Kind fahrender Händler geboren wurde. Seine Familie gerät ins Visier der Nazi-Bürokratie. Mit knapp vier Jahren wird Ernst Lossa seiner Familie weggenommen. Er wächst in einem Waisenhaus auf, wo er sich zu einem schwer erziehbaren Jungen entwickelt, der stiehlt, lügt und die erzwungene Ordnung immer wieder stört. Ernst ist intelligent und versucht sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren und ist dadurch den Erziehern des NS-Regimes immer mehr im Weg.
In den nächsten Jahren seines Lebens wird er von einem nationalsozialistischen Erziehungsheim ins andere abgeschoben. Doch Ernst ordnet sich nicht unter. Eine Gutachterin stempelt ihn als „asozialen Psychopathen“ ab. Nach zwei Jahren weisen die Erzieher ihn in ein Irrenhaus ein, obwohl der Junge weder behindert noch geisteskrank ist. Dort wird er im Alter von knapp fünfzehn Jahren mit einer Überdosis Morphium umgebracht.
Zu Lebzeiten hat Ernst bereits von den Euthanasie-Plänen der Nazis erfahren; so erzählt er in einem Heim im bayerischen Irsee dem Mädchen Nandl, das an Epilepsie leidet, dass ihre Freundin Teresa nicht einfach gestorben ist, sondern, dass er beobachtet hat, wie ein Pfleger ihr in der Nacht bevor sie starb eine Spritze gegeben hat und sie dann fürchterliche Schmerzen hatte. Er macht sich Sorgen um Nandl und gibt ihr den Rat, keine Tabletten mehr zu schlucken. Doch Nandl muss ihre Tabletten nehmen, andernfalls würde sie einen Anfall bekommen. Da beschließt Ernst, auf sie aufzupassen.
Zur selben Zeit starten die Pfleger einen letzten Versuch, ihn doch noch „zur Vernunft zu bringen“ und schicken Ernst ein paar Tage nach Birckenried. Als er zurückkommt, erfährt er, dass Nandl tot ist. Mit dieser Nachricht bricht für Ihn eine Welt zusammen. Es ist ihm alles egal und er läuft weg, in den Wald, wo er auf einem Hochsitz übernachten. Am nächsten Tag will er zur Bahnlinie gehen und sich auf die Schienen legen und warten, bis ein Schnellzug kommt. Doch plötzlich steht ein Pfleger vor ihm und hat die Absicht, ihn zurückbringen. Ernst überlegt, dass es eigentlich egal ist, ob ihn der Schnellzug überfährt oder er eine Spritze kriegt. Und so macht er sich wieder mit auf den „Heimweg“…
Ernst Lossa erlebte das Hitlerregime aus dem besonderen Blickwinkel des Euthanasie-Opfers. Seine Geschichte ist eine wahre Geschichte, die die Grausamkeit der damaligen Zeit besonders eindringlich zeigt, aber leider kein Einzelfall ist.
Robert Domes hat die Fakten sehr gründlich recherchiert; alle Personen hat es wirklich gegeben, was das Ganze interessanter und zugleich noch beängstigender macht. Sehr sinnvoll finde ich auch das Glossar im Anhang, in dem Wörter aus der NS-Zeit erklärt werden.
Mir hat besonders gut gefallen, dass diese Biographie in Romanform erzählt wird und zwar überwiegend aus der Sicht des Jungen, was die Person Ernst Lossas mit Leben erfüllt. Bücher wie diese sind sehr wichtig, denn durch sie werden Ernst und alle anderen Opfer dem Vergessen entrissen.
Zusammenfassend gesagt, ist „Nebel im August“ ein gutes Buch. Ich würde es jedoch erst empfehlen, wenn man ungefähr weiß, was einen in diesem Buch erwartet und die NS-Zeit schon in der Schule besprochen hat.
(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF.)
Empfohlene Zitierweise
Robert Domes: Nebel im August, München: cbt 2008, 352 Seiten, ISBN 978-3-570-30475-4, EUR 7,95, gelesen von Raphaela Geierhos. lesepunkte 4 (2009), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7361/
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Erstellt: 25.12.2009
Zuletzt geändert: 25.12.2009



